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Autor: Claudia Oberbeil

Bericht: Eine Wildobsthecke für den Ackermannbogen

Am 18. Juni hatte das Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ stattgefunden. Eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker wurde Anfang des Jahres vom Baureferat, Abteilung Gartenbau freigegeben und es wurde in Kooperation mit Green City e.V. ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen. Zum ersten Planungstreffen erschienen viele interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft und unterstützten uns tatkräftig. Die autochthonen Wildgehölze wurden bei der Baumschule von Dr. Ernst Habersbrunner ausgesucht und wurden in der 2. Oktoberwoche abgeholt, so dass wir am 10. Oktober mit der Pflanzaktion beginnen konnten.

Einsatz für die StadtNatur bei strömendem Regen

Obwohl das Wetter denkbar ungünstig war an diesem Samstagvormittag, kamen viele Helfer*innen zusammen und wurden von Alicia Bilang, Natur- und Umweltpädagogin vom StadtNatur-Team mit allerlei Köstlichkeiten aus Wildobst und einem interessanten Quizz über einheimische Gehölze belohnt. Andere Teilnehmerinnen brachten leckeren Kuchen, heißen Apfelsaft und anderes Gebäck als Stärkung mit.

An dieser Stelle: Danke dafür!

Ein einigermaßen wasserdichter Pavillon schützte die Teilnehmenden, während Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt die Vorgehensweise bei der Pflanzung erklärte.

Die Pflanzlöcher sollen mit Spitzhacken und Spaten möglichst tief und breit in den ziemlich harten sandig-kiesigen Boden gehauen und mit einer Handvoll Hornspäne und etwas Humus angereichert werden, so dass die Pflänzchen zum Anwurzeln von diesem Nährstoffvorrat in einem nicht allzu harten und verdichteten Erdreich profitieren können. Die Pflanze wird dann eingesetzt und gleich vor dem Verfüllen mit dem ausgehobenen Erdreich angegossen. Die Pflanzlöcher müssen dabei etwas tiefer als die Umgebung liegen, damit das Wasser zum Wurzelbereich hinfließen kann. Angesichts der trockener werdenden Sommer eine notwendige und einfache Art der Regenwasserlenkung. Zum Schluss noch alles ein wenig festdrücken und dann sehr reichlich gießen.

Die ausführliche Praxis-Anleitung des Bund Naturschutz in Bayern e.V. gibt es hier:

Auswahl und Platzierung der Pflanzen

Bei der Planung hatten wir uns entschlossen, überwiegend autochthone Wildpflanzen zu verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.

Dementsprechend plante Konrad Bucher Bereiche mit dichten und unzugänglichen Bewuchs, aber auch einen begehbaren Raum in der Mitte, damit einerseits Wildtiere und Insekten ungestörte Verstecke finden, aber auch Menschen einen schönen und bereichernden Aufenthaltsort durch die Pflanzung gewinnen.

Bild: Favorisierte Variante der neuen Heckenlandschaft: Dickicht im Wechsel mit offenem Bereich

Die verschiedenen Gehölzgruppen können, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, durch Unterpflanzungen und Totholzstrukturen bereichert werden. Es ist außerdem geplant, mit Erklärtafeln die Besucher*innen auf das neue kleine Biotop und seine Funktionen aufmerksam zu machen.

Die im Bild rechts gelegenen Bereiche sind ideale vollsonnige Standorte für den wärmeliebenden Sanddorn (Hippophae rhamnoides), der von verschiedenen Wildrosenarten und niedrigeren Gruppen von Felsen-Kreuzdorn (Rhamnus saxatilis) und Niederliegender Geißklee (Cytisus decumbens) flankiert wird.

Die größeren Gehölzgruppen in der Mitte der Anlage bestehen aus Zweigriffeligen Weißdorn (Crataegus laevigata), Schlehdorn (Prunus spinosa), Berberitze (Berberis vulgaris) und Wildrosenarten. Mittendrin auch zwei schon größere Kornellkirschen (Cornus mas) – ein Geschenk der Stadt zu unserem Projekt.

Foto: Kornellkirsche (Cornus mas)

Wichtig ist uns bei der Artenauswahl, dass das BioDivHubs-Projekt immer wieder auf die große Vielfalt der heimischen Flora und Fauna hinweist – und neben den „Allerweltsarten“ auch die Unbekannteren und Seltenen zeigt, die weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind. Wir sind sehr gespannt, wie die biodiverse Pflanzung, insbesondere die nicht häufig im Stadtbild zu sehenden Wildrosenarten wie Rosa arvensis, Rosa gallica, Rosa majalis, Rosa rubiginosa und Rosa tomentosa, sowie Sanddorn und Kissenginster sich an diesem Standort entwickeln werden und freuen uns sehr, im Quartier bei der Entwicklung eines kleinen und ganz besonderen Biotop dabei sein zu können. Wir danken allen engagierten Unterstützer*innen herzlich – ohne euer Engagement wären die Rewilding-Projekte nicht möglich!

Text und Bilder: Ruth Mahla

Bericht zur Exkursion: Freiham biodivers

Wildpflanzen im Neubaugebiet mit Dr. Ernst Habersbrunner

Die Exkursion startete am 18. September 2026 um 18:30 Uhr auf der Freihamer Festwiese, ein großes Areal zwischen Golo-Mann-Weg und Albert-Camus-Straße, das bis zur Bebauung als naturnahes Freigelände erhalten und von der Bürger*inneninitiative Naturnahe Festwiese Freiham zusammen mit dem Freiluftgarten des KINDERSCHUTZ als Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt wird. Derzeit steht dort auch die Kunstinstallation „Sichtung V“ der Künstler*innen Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier aus Forstern. Die begehbare Kunst-Installation soll im Namen der Kirche (Erzbistum München) Kontakt zu den Freihamer Bürgern aufnehmen, die die Angebote der Kirche kennenlernen sollen. Da passt der Wunsch der Bürgerinitiative, möglichst viel naturnahen Freiraum, in dem sich das vielfältige ursprüngliche Leben – die Schöpfung – zusammen mit den menschlichen Bewohner*innen wohlfühlen und weiterentwicklen kann, gut ins Konzept.

Die Bürgerinitiative möchte nicht nur Teile des Areals naturnah erhalten, sondern auch einen Lehrpfad gestalten, um Besucher*innen und Bewohner*innen für die heimische Ökologie zu sensibilisieren und die einmalige Chance für grüne und naturnah gestaltete Siedlungen zu verdeutlichen, die sich in diesem riesigen Neubau-Areal jetzt noch bietet. Am Rande der Wiese finden viele schöne Veranstaltungen statt – sie ist jetzt schon ein Besuchermagnet im Viertel geworden. Eine aussichtsreiche Ausgangslage, um mit Installationen und Bildungsveranstaltungen Natur- und Umweltbewußtsein zu schulen und einen biodiversen Freiraum zum Entspannen und Aufatmen dauerhaft zu erhalten.

Als Referenten für die Wildpflanzenexkursion konnten wir Dr. Ernst Habersbrunner vom Bund Naturschutz Ortsgruppe München West gewinnen, der sich die Erhaltung, Vermehrung und Wiederansiedlung autochthoner Wildpflanzen in München und Umgebung zum Ziel gemacht hat und uns unterstützen will, die Wildpflanzenvielfalt im Neubaugebiet zu entdecken und zu erhalten. Auch wenn natürlich ein Großteil der Flächen einmal anders genutzt werden wird, bis dahin kann man die autochthone Wildpflanzenpopulation identifizieren, vermehren und auf den vielen verbleibenden Freiflächen ansiedeln.

Eigens zu dem Zweck hat sich in Freiham eine Wildpflanzengruppe zusammengefunden, die schon in diesem Herbst beginnen will, ungenutze Flächen einzusähen und wertvolle Stauden und Sträucher an langfristig gesicherte Standorte umzusiedeln. Dazu müssen sie natürlich die ursprüngliche Vegetation und ihre ökologischen Nischen gut kennenlernen und auch die besten Methoden, um wertvolle Vegetation erfolgreich erhalten zu können.

Anfangs verlief unsere Suche etwas enttäuschend, da uns auf den ersten Metern nur problematische Pflanzen ins Auge gestochen sind, die eher typisch für einen aufgegebenen landwirtschaftlichen Acker sind, wie das hochtoxische Jakobsgreiskraut (Jacobaea vulgaris), sowie das Einjährige Berufskraut (Erigeron annuus), eine aus Kanada stammende Feinstrahlaster, die sich hier als invasiver Neophyt extrem vermehrt und einheimische Wildpflanzen verdrängt.

Foto: Jacobaea vulgaris

Etwas weiter im Inneren der großen Wiese stießen wir dann aber doch noch auf eine überraschende Vielfalt an wertvollen Wildpflanzen, teilweise typisch für die Münchner Schotterebene, oft auch in größeren Beständen, wie zum Beispiel das weiße und das echte Labkraut (Galium album, Galium verum), verschiedene Fingerkräuter (Potentilla), verschiedene Königskerzen-Varianten (Verbascum), den kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Odermenning (Agrimonia eupatoria), die Moschusmalve (Malva moschata), Dost (Origanum), Johanniskraut (Hypericum perforatum), Weiße Lichtnelke (Silene latifolia alba) und die Golddistel (Carlina vulgaris).

Vermehren und Umsiedeln

Stauden und Sträucher, wie zum Beispiel Wildrosen- und Ginsterarten (Genista) , die wir im offeneren Randbereich der Wiese fanden, können sehr einfach ausgestochen und – am Besten jetzt im Herbst – umgesiedelt werden, bevor sie einer Bebauung zum Opfer fallen. Der offene Boden um die Neupflanzung herum sollte mit Sand oder Kies bedeckt werden, um konkurrenzstärkere Pflanzen zu unterdrücken, bis sich die Neulinge etablieren können.

Neben den, auf vielen Schotterflächen im Viertel weit verbreiteten Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei), entdeckten wir auf unserer Wiese auch das Waldweidenröschen oder Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Die filigranen Samenstände werden durch den Wind weit fortgetragen und siedeln sich an, wo der Standort es zulässt. Das Sammeln und Ausbringen auf den vielen kiesigen und nahezu kahlen Ruderalflächen im Viertel würde sich für einige Arten, wie auch die hübsche Golddistel lohnen.

Die einfachste und erfolgversprechenste Art auch größere Flächen biodiverser zu gestalten ist die Mähgutübertragung. Dr. Habersbrunner erklärt uns genau, wie das geht und was man beachten muss: Am Besten ganz früh am Morgen, wenn das Mähgut mit den vielen Samenständen noch feucht von Tau ist, auf einen mit Plastikplane ausgeschlagenen Hänger laden und auf die kiesigen, möglichst noch offenen Flächen im Viertel ausbringen. Je magerer sie sind, desto größer ist die Chance, dass sich die wertvolleren Pionierpflanzen in dieser Nische ansiedeln und nicht die auf nährstoffreichere Böden angewiesenen Allerweltspflanzen.

Noch ein Hinweis ist für einen langfristigen Erfolg sehr wichtig:

Da sich die Pflegeleistungen des städtischen Gartenbaus nicht komplizieren dürfen, ist es am Besten, nicht einzelne kleine, sondern große, zusammenhängende Flächen in Form einer Patenschaft zu gestalten und zu betreuen. Für die Stadt ist es einfacher, z.B. alle Ruderalflächen entlang einer Straße nicht mehr zu mähen, als einzelne Flurstücke. Das hilft uns und der Natur, ganze Straßen dauerhaft naturnäher zu gestalten und entlastet die Stadtverwaltung. Hier sind die Bürger*innen aufgerufen: Man braucht viele helfende Hände und dauerhaftes Engagement, um das zu realisieren.

Warum überhaupt autochthone Pflanzen bevorzugen?

Autochthone Arten sind heimische, standorttreue Arten, die sich seit langer Zeit natürlich in einem lokalen Gebiet entwickelt haben. Sie haben sich über viele Jahre an die lokalen Bedingungen angepasst und sind daher widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Wetterextreme. Jede lokale Art und Variante hat also eine an den Standort angepasste eigene Genetik und Genexpression ausgebildet, die sie von den Varianten in einer anderen Region unterscheidet. So kommt die genetische Biodiversität, die enorme Vielfalt des Lebens zustande. Autochthone Arten bieten den lokalen Tieren Nahrung und Lebensraum. Bei der Anlage von naturnahen Parks oder Gärten werden autochthone Pflanzen eingesetzt, weil sie besser für das lokale Klima und die Tierwelt geeignet sind. Sie benötigen weniger Pflege und tragen durch ihre bewußte Ansiedlung dazu bei, dass der wertvolle Genpool erhalten wird.


Text und Bilder: Ruth Mahla

Farm to Museum

Ist Landwirtschaft Kunst? Dieser Frage ging das BiodivHubs-Projekt gemeinsam mit der Pinakothek der Moderne bei einem besonderen Kochevent in der „Sommerküche“ nach.

25 Münchner*innen kamen zusammen, um die Ausstellung „Convivium“ zu entdecken, über die Zukunft unserer Landwirtschaft zu diskutieren und anschließend gemeinsam mit dem Koch Felix Zimmermann ein saisonales Gericht zu kreieren – eine Kürbissuppe mit frischem Gemüse aus dem Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“.

Als Einstieg in den Workshop gab David Schoo von der Technischen Universität München (TUM) eine Führung durch die Ausstellung. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage: Wie könnte eine imaginäre Landwirtschaft aussehen, um ein Kunstwerk zu sein? Die Ausstellung bot dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte, um kritisch über unser Verhältnis zu Natur, Nahrung und landwirtschaftlicher Produktion nachzudenken.

Anschließend ging es vom Museum direkt in die Sommerküche, die von Studierenden des Architekturmuseums entworfen wurde. Nach dem Motto „Farm to Museum“ wurde gemeinsam mit den Teilnehmer*innen und dem Koch Felix Zimmermann eine vegane Kürbissuppe zubereitet. Die regionalen und saisonalen biologischen Zutaten kamen aus dem Karlsfelder Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“: Kürbis, bunter Mangold, Rote Bete und verschiedene Wildkräuter wurden zu einem herbstlichen Gericht verarbeitet. Die kräftigen Farben und der intensive Geschmack des Gemüses und der (Wild-)Kräuter machten die Suppe zu einem Kunstwerk und Geschmackserlebnis für die Sinne.

Doch beim gemeinsamen Schnippeln und Kochen ging es um mehr als ein gutes Essen. Es wurde darüber diskutiert, woher unser Gemüse kommt und welche Auswirkungen die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, auf Mensch und Natur hat. Welche Wege legen unsere Lebensmittel zurück? Unter welchen Bedingungen werden sie angebaut? Und wie können wir Landwirtschaft so gestalten, dass sie nicht nur Menschen ernährt, sondern gleichzeitig Böden, Ökosysteme und biologische Vielfalt erhält oder gar fördert, anstatt sie zu zerstören?

Dabei wurden verschiedene Lösungsansätze aufgezeigt und diskutiert – von regenerativer Landwirtschaft bis hin zu Urban Farming. Gerade urbane Gemeinschaftsgärten zeigen, wie Lebensmittelproduktion, Biodiversität und soziales Miteinander in der Stadt gelebt werden können.

So wurde aus einem Nachmittag in der Pinakothek der Moderne eine Reise zwischen Kunst, Landwirtschaft, Biodiversität und Kulinarik. Das Event „Farm to Museum“ hat gezeigt, dass Landwirtschaft nicht nur Lebensmittelproduktion bedeutet, sondern unsere Umwelt, das Landschaftsbild und unsere Kultur prägt.

Text und Fotos: David Schoo

Neues Laichgewässer für die Wechselkröten am ÖBZ

Ein langer Wunsch ist Wirklichkeit geworden: Am Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) in München wurde in den letzten Wochen im Rahmen des BioDivHubs-Projekts ein neues Laichgewässer für die Wechselkröten angelegt. Diese Biodiversitätsmaßnahme ist nicht nur ein Gewinn für die bedrohte Amphibienart, sondern auch ein Beispiel für gelungenen Artenschutz durch Gemeinschaftsengagement und fachkundige Planung.

Warum ein neues Gewässer für die Wechselkröte?

Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist eine faszinierende, aber stark gefährdete Amphibienart, die in München heimisch ist. Vor der Wiedervereinigung war die Region sogar das wichtigste Vorkommen dieser Art in ganz Deutschland. Doch durch Bebauung, Trockenlegung von Feuchtgebieten und den Verlust geeigneter Laichgewässer schwindet ihr Lebensraum.

Wechselkröten haben spezielle Ansprüche an ihre Fortpflanzungsstätten. Die bisherigen Gewässer am ÖBZ erfüllen diese Bedingungen nur teilweise. Der extra für Wechselkröten angelegte Teich im Experimentiergarten des ÖBZ bietet nur wenig Platz, und die Technik zum Ablassen des Wassers ist verbesserungswürdig.  Deshalb wurde nach einer nachhaltigen Lösung gesucht.

Planung, Umsetzung und Vorteile

Gemeinsam mit Expert*innen vom Amphibienbiotop am Denninger Anger und der BN-Ortsgruppe München Ost wurde daher entstand im Sandarium hinter der neuen Trockenmauer ein gut 40 m² großes, ablassbares Laichgewässer konzipiert. Wie wurde das Gewässer angelegt?

  1. Sand als Basis: Der Untergrund besteht aus einer Sandschicht, die sich leicht modellieren lässt.
  2. Bau der Teichgrube: Die Grube wurde ausgehoben und mit einem Vlies und einer robusten EPDM-Folie ausgekleidet.
  3. Ablaufsystem: Ein kontrollierbarer Abfluss wurde integriert, um das Gewässer bei Bedarf gezielt zu entleeren.
  4. Schutz vor UV-Strahlung und Nutzung: Eine Betonabdeckung schützt die Folie vor Sonneneinstrahlung und ermöglicht Pflegemaßnahmen, ohne die Struktur zu beschädigen.

Das Ablass-System ist aus mehreren Gründen eine besondere Lösung für das neue Laichgewässer der Wechselkröten. Erstens schafft es einen naturnahen Lebensraum, der den Bedürfnissen der Amphibien perfekt entspricht. Wechselkröten legen ihre Eier ausschließlich in temporäre Gewässer, die im Sommer austrocknen und das System ermöglicht genau diese Dynamik. Zweitens beugt es einer Überwucherung vor und vereinfacht es die Pflege des Gewässers erheblich. Ohne regelmäßiges Ablassen würden sich schnell zu viele Pflanzen ansiedeln, die das Gewässer für die Wechselkröten unattraktiv machen. Das System hält den Teich in einem Zustand, der den natürlichen Bedingungen entspricht, die die Art zum Laichen benötigt. „Diese Methode mit dem Abfluss praktizieren wir seit über 20 Jahren, und sie hat sich absolut bewährt. Wir hoffen, dass das die Wechselkröten-Population hier weiter voranbringt.“sagt der Amphibienexperte Stefan Freiberger.

Es wird mit Spannung erwartet, wie die Wechselkröten das Laichgewässer im kommenden Frühjahr annehmen werden. Denn dass sie sich in der Umgebung bereits aufhalten, ist sicher: Zwei Tage, nachdem der Teich aufgefüllt wurde, war während der Abenddämmerung der Wechselkröten-Gesang – das untrügliche Trällern – aus der Trockenmauer am Sandarium zu hören. Die Trockenmauer mit ihren vielen Lücken und Spalten bietet den Tieren einen optimalen Überwinterungsplatz. Erstaunlich, wie schnell die Art ihren Lebensraum entdeckt hat.

Das neue Laichgewässer am ÖBZ ist ein wichtiger Baustein für den Amphibienschutz im Münchner Osten und ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Es zeigt, was erreicht werden kann, wenn Fachwissen, Engagement und Gemeinschaft zusammenkommen.

Mehr zum Thema Wechselkröte und Amphibien:

Text: Dr. Julia Gamberini ; Bilder: Konrad Bucher

Üppige Blüte im Rewilding-Schaubeet am ÖBZ

Nach der Pflanzung im Frühjahr 2025 hat sich das Rewilding-Schaubeet am ÖBZ heuer zur vollen Pracht entwickelt. Die 24 unterschiedlichen Arten bieten seit April eine sich steigernde Blütenfülle, die stark von Insekten besucht wird. An einer Heilziest-Pflanze saßen oft so viele Wildbienen gleichzeitig, dass man sie kaum zählen konnte. Schmetterlings-Liebhaber hatten – und haben immer noch – gute Chancen auf interessante Beobachtungen: Viele Bläulinge, Dickkopffalter, Ochsenaugen und Distelfalter wurden gesichtet!

Man bekommt eine Vorstellung, in welchen Kombinationen sich mit heimischen Wildstauden wirkungsvolle Farbkontraste gestalten lassen. Viel fotografiert wurde zum Beispiel die Kombination aus Blau und Gelb – Weidenblättriges Ochsenauge mit Knäuel-Glockenblume, die vom Grüngelb des Labkrauts und dem Hellviolett der Taubenskabiose vermittelnd ergänzt wird. Über lange Zeit setzte die magentafarbene Skabiosen-Flockenblume kraftvolle Akzente. Erst mit der Dämmerung öffneten sich die Blüten der weißen Lichtnelke. Wer dagegen die zarte Graslilie bewundern wollte, musste sich vor der Mittagshitze am Beet einfinden.

Eine gärtnerische Besonderheit: das Beet wurde tatsächlich auch während der heißen Trockenphasen nie gegossen! Der ausgebrachte Sand wirkt wie eine Mulchschicht, unter der sich der Lehmboden feucht hält. Ohnedies bilden heimische Arten tiefe und weitreichende Wurzelsysteme aus, mit denen sie sich auch in Trockenphasen ausreichend versorgen können. Die Skabiosen-Flockenblume etwa bildet Wurzel bis in 2-3 Meter Tiefe!Wer sich intensiver mit den einzelnen Arten beschäftigen möchte oder die Pflanzenkombination im Privatgarten gerne nachpflanzen möchte, findet die Artenliste auf naturadb.de

Was wächst in unserem Rewilding-Beet?

Einfach den QR-Code scannen oder hier klicken, und die Pflanzen unseres Blühbeets entdecken. Dort findet ihr Informationen zu den einzelnen Arten, ihren Blütezeiten, Standortansprüchen und ihrem Nutzen für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und andere Tiere.

Text und Fotos: Konrad Bucher

Das Saumhabitat: ein System aus unterschiedlichen Biotop-Maßnahmen

Im Januar 2026 bewarb sich das Münchner Umwelt-Zentrum e.V. am ÖBZ mit dem BfN-Projekt „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ für den Bayerischen Biodiversitätspreis im Wettbewerb des Bayerischen Naturschutzfonds, der in diesem Jahr unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“ stand. Der Schwerpunkt passte, denn auf dem ÖBZ-Gelände haben wir im Rahmen des Projekts das Saumhabitat entlang der Böschung zur Memeler Straße in den Fokus genommen (siehe Abb. 1), um diesen Bereich aufzuwerten.

Für die Teilnahme an diesem Wettbewerb erhielten wir eine Anerkennungsurkunde, unterzeichnet von Staatsminister Thorsten Glauber, als Würdigung unseres Beitrags zum Arten- und Biotopschutz.

Ein Saumbiotop in der Stadt

Das Saumbiotop erweitert den bereits bestehenden NaturErlebnisRaum des ÖBZ mit dem Ziel, unterschiedliche Biodiversitäts-Elemente innerhalb des bestehenden Gehölzsaums zu entwickeln. Die Bedeutung von Säumen und das Zusammenwirken einzelner Elemente wie Hecke, Trockenmauer, Sandarium, Laichgewässer kann damit anschaulich vermittelt werden.

Abbildung 1: Standort des zukünftigen Saumhabitats, © Konrad Bucher

Der nach Süden orientierte Gehölzsaum bietet den wärmsten und ökologisch interessantesten Standort des Grünzugs, weil er als Übergangslebensraum auf wenig Fläche unterschiedliche Kleinklimate verbindet und dadurch Bedingungen für vielfältige Bedürfnisse erfüllt. Mit seinem Strukturreichtum bietet der schmale Streifen ganzjährig Nahrungs-, Fortpflanzungs-, Rückzugs- und Überwinterungshabitate für verschiedene Arten. Beispielsweise gibt es in diesem Bereich eines der wenigen übrigen Wechselkröten-Vorkommen im Münchner Raum.
Lineare Strukturen wirken generell als geschützte Korridore für die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Überall gibt es entlang von Wegen oder Begrenzungen derartige Saum-Strukturen. Konzepte für deren Entwicklung lassen sich also auf unterschiedliche Orte übertragen, die in der Summe als Trittsteinbiotope funktionieren.

Somit hat die Maßnahme modellhaften Charakter für ähnliche Aufwertungen in der Stadt und basiert auf einem übertragbaren Konzept für die Anlage von Saumhabitaten mit unterschiedlichen biodiversitätsfördernden Elementen. Durch eine aussagekräftige Beschilderung und Angeboten für Workshops und Führungen wird es Teil der BNE-Programme des ÖBZ.

Unterschiedliche Elemente innerhalb des Saumhabitats

Abbildung 2: Elemente des Saumhabitats, © Konrad Bucher

Entlang der Böschung werden unterschiedliche Elemente geplant und umgesetzt, siehe Abb. 2.

Die bestehenden Heckenstrukturen werden um weitere Arten, speziell auch essbare Wildobstarten ergänzt, und auch die Krautschicht wird artenreicher gestaltet. An einem Teil der Böschung planen wir eine Lehmsteilwand als Biotop für bodennistende Wildbienen.

Die Trockenmauer mit Sandarium

Als größere Maßnahme im Frühjahr 2026 haben wir mit Unterstützung der Galabau-Azubis der Landeshauptstadt München den sonnigsten und damit wärmsten Ort in diesem Saum mit einer Natursteinmauer umgestaltet und dahinter ein Sandarium angelegt (eine Anleitung für die fachgerechte Umsetzung findet sich im Maßnahmenkatalog, einem Produkt des BioDivHubs-Projekts). Im Juni haben wir in unmittelbarer Nähe die von Valentina Arros konzipierte Wildbienen-Lernstation mit vier interaktiven Schautafeln installiert (www.biodivhubs.net/neues-trockenmauer-biotop-sandarium).

Zurück zur Trockenmauer: Durch den gegebenen Niveau-Unterschied entlang der Böschung und durch die Südorientierung sind die Bedingungen für einen xerothermen Trockenmauer-Standort wie geschaffen.. Die Trockenmauer bietet mit ihrem Strukturreichtum vielfältigste Nist- und Versteckmöglichkeiten für viele Arten, vor allem Insekten und Amphibien. Der größte Teil der Trockenmauer wurde mit unterschiedlichem Steinmaterial gebaut, andere Abschnitte aus Totholz. Die ganze Fläche hinter der Trockenmauer, also das neu geschaffene, hohe Niveau wird mit durchlässigem Material und Sand aufgefüllt. Was die Bepflanzung betrifft, bietet die Trockenmauer endlich ein großes Potential für die Verwendung all der Arten der trockenwarmen Standorte, die auf den bislang üblichen Beetstandorten keine geeigneten Voraussetzungen finden.

Das Wechselkröten-Biotop

Innerhalb des Sandariums setzen wir in den kommenden Wochen eine weitere Biodiversitätsmaßnahme um: Ein Laichgewässer für die Wechselkröte. Da es im Umfeld des ÖBZ einen Wechselkrötenbestand gibt, wurde hier mit Unterstützung des LBV bereits vor Jahren ein flaches Laichgewässer vor dem Gehölzrand angelegt. Hier laichen Arten wie Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch. Weil dieser Teich inzwischen stark bewachsen ist und das Wasser im Winter nicht abgelassen werden kann, wird er von den Wechselkröten nicht genutzt. Deshalb legte die Gartengruppe als Experiment innerhalb der ÖBZ-Gärten ein kleines ablassbares Laichgewässer an, das von Wechselkröten sofort angenommen wurde. Um den Fortbestand der Population zu sichern, reicht seine Größe jedoch nicht aus. Aus diesem Grund wird jetzt auf dem höher gelegenen Niveau hinter der Trockenmauer ein größeres Biotop für die wärmeliebende Wechselkröte angelegt, diesmal mit seitlichem Wasserabfluss. Die Hohlräume der Trockenmauer dienen den Wechselkröten erfahrungsgemäß ganzjährig als Versteck. Der Standort ist also ideal, die Vorbereitungen sind bereits getroffen.

Die Herausforderung, sensible Bereiche einerseits zu schützen, sie gleichzeitig im Sinne eines lebendigen Lernorts für Besucher*innen gut zugänglich zu machen, kann durch die abgrenzende Funktion einer Trockenmauer gelingen.

Partizipation als Herangehensweise bei Planung und Umsetzung

Die Gestaltung des Saumhabitats macht das Zusammenwirken unterschiedlicher Strukturen und Elemente innerhalb dieses Ökosystems erleb- und begreifbar. Der Wert der einzelnen Maßnahmen erhöht sich in der Wechselbeziehung zu den anderen Maßnahmen. Das zu verstehen funktioniert am nachhaltigsten, wenn man an von der Planung bis zur Umsetzung aktiv beteiligt ist. Deshalb ist das ganze Projekt als längerfristiger partizipativer Prozess angelegt. Bei möglichst vielen Schritten sollen interessierte Menschen aus dem Quartier, der Gemeinschaftsgarten-Gruppen, auch von Schulen und Auszubildende beteiligt werden.

Wir möchten die Menschen in vorbereitenden Workshops und Aktionen für die Biodiversität begeistern, das Kennenlernen der Arten ermöglichen und die Beziehung zum Ort und den entstehenden Maßnahmen fördern. Die erfolgreiche Einbeziehung einer breiten Zielgruppe erhöht die Chance auf ein längerfristiges Engagement bei Weiterentwicklung und Pflege der entstehenden Maßnahmen.

Für den 4. September 2026 laden wir zur nächsten Mitmachaktion ein. An diesem Tag werden wir am ÖBZ das Wechselkrötengewässer anlegen. Wer Interesse hat, daran mitzuwirken, melde sich bitte hier im ÖBZ an.


Neues Trockenmauer-Biotop mit Sandarium

Im Frühjahr 2026 wurde die südlich ausgerichtete Fläche im Saumbereich der ans ÖBZ angrenzenden Memeler Straße, auf der früher vornehmlich Topinambur angebaut wurde, umgestaltet. Zunächst wurde die Fläche so vorbereitet, dass man auf ihr eine Natursteinmauer errichten konnte. Mit Unterstützung der Ausbildungsabteilung des Bereichs Gartenbau der Landeshauptstadt München wurde hier eine 25 Meter lange Trockenmauer aufgeschichtet und der Bereich dahinter mit Sand aufgeschüttet.

Diese biodiversitätsfördernde Maßnahme umfasst neben der Trockenmauer ein Sandarium und Totholz und wird im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ weiterentwickelt. Demnächst wird sie noch um ein Laichgewässer für Wechselkröten bereichert.

In unmittelbarer Nähe befinden sich das „Rewilding the City“ – Schaubeet und vor dem Haus das inklusive Hochbeet mit heimischen Wildstauden – ebenfalls Aktivitäten, die im Zuge des BioDivHubs-Projekts entstanden sind. Das Hochbeet ist so geformt, dass Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen auch daran arbeiten können. Einen Beitrag über dieses besondere Hochbeet für heimische Spezialisten findet ihr hier).

Angrenzend an die Trockenmauer und das Schaubeet ist die neue Wildbienen-Lernstation installiert, sodass man an diesem Ort auf dichtem Raum vielfältige Biotopstrukturen zeigen kann, was insgesamt das ÖBZ-Gelände als Lernort für Biodiversität aufwertet.

Die Wissenschaftsillustratorin und Künstlerin Valentina Arros hat für das BioDivHubsprojekt schon viele Rewilding-Maßnahmen illustriert – nun hat sie auch diese wunderschöne Lernstation aufwändig gestaltet. Hier kann man spielerisch in das Leben der Wildbienen eintauchen – und im Sommer daneben ihre Nahrungspflanzen in voller Blüte erleben. Wer sich ein bißchen Zeit nimmt, und genau hinschaut, kann auch schon einige Arten unterscheiden lernen…


Text: ÖBZ, Ruth Mahla; Bilder: Ruth Mahla

Hochbeet für heimische Spezialisten

Als mobile Begrünungsmaßnahme bieten Hochbeet gerade im verdichteten Siedlungsbereich attraktive Möglichkeiten. Meist werden Hochbeete mit nährstoffreichem Substrat gefüllt und mit üppig wachsenden Arten wie Sommerblumen und Gemüse bepflanzt, die in kurzer Zeit eine prächtige Optik erzielen. Diese Arten müssen aber auch viel gegossen werden, was in heißen, trockenen Sommern zum Problem werden kann – besonders dann, wenn die Beete an öffentlichen Plätzen oder in Schulhöfen stehen, wo sie nicht ständig bewässert werden können wie auf dem Privatbalkon.

Es gibt aber auch heimische Arten, die mit diesem Hitze- und Trockenstress besser zurechtkommen und weniger Wasser und Pflege benötigen als die übliche Hochbeet-Bepflanzung. Als heimische Pflanzen sind sie für nahrungssuchende Insekten besonders interessant und daher auch ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität.

In der richtigen Kombination bietet die sogenannte Magerrasenvegetation eine attraktive Optik. Manch seltener Art ist uns gar nicht bekannt und kann im Hochbeet aus einer neuen Perspektive kennengelernt werden – neben den vielen Insekten, die sich hier einfinden werden.

Wir haben folgende Arten für den vollsonnigen Standort ausgewählt:

  • Edelgamander (Teucrium chamaedrys)
  • Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia)
  • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
  • Quendel (Thymus pulegioides)
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
  • Schafschwingel (Festuca ovina)
  • Skabiosenflockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Staudenlein (Linum perenne)
  • Taubenskabiose (Scabiosa columbaris)

Unser Hochbeet ist für Rollstuhl-Fahrer*innen konzipiert und kann an einer Seite unterfahren werden. Dadurch entsteht partiell eine flache Substratschicht, in der nur Trockenheits-Spezialisten gedeihen können.

Diese Biodiversitätsmahme entstand 2025/26 im Rahmen des vom BfN geförderten Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“.

© Marc Haug

Koordinaten: 48.153080780583025, 11.634766797819493

Weitere Fotos findet ihr auf der Website des ÖBZ

Bericht vom BioDivHubs-Planungsworkshop:

Am 18. Juni fand das erste Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ statt. Vor Kurzen wurde eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker am Ackermannbogen vom Baureferat, Abteilung Gartenbau dafür freigegeben. In Kooperation mit Green City e.V. kann dort ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen werden. Solange die Fläche vom Projekt und den Teilnehmenden gepflegt wird, können wir dort nun im Herbst Wildobst, Wildrosen und andere Wildgehölze entweder als Hecke oder als lockere Gruppen pflanzen. 10 interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft wollen bei dem Vorhaben mitmachen und von Anfang an dabei sein. Weitere Beteiligte für die Umsetzung sind jederzeit herzlich willkommen!

Foto: Die Planungsgruppe – im Hintergrund die Fläche (mit Vogelkirsche)

Variante 3

Tatsächlich wurde aus der ursprünglich angedachten Hecke sehr schnell eine Planung für lockere und begehbare Gehölzgruppen in verschiedenen Höhenstaffelungen. Das dreieckige Grundstück eignet sich für eine solche Gestaltung einfach besser. Konrad Bucher, StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Verbundpartner vom MUZ, zeigte uns drei verschiedene Planungsvarianten, wobei sich alle sofort einstimmig für die Variante 3 entschieden. Im nächsten Schritt wird der Entwurf mit dem Baureferat Gartenbau abgestimmt.

Mit Bildern und Beschreibungen der vorgesehen Pflanzen macht uns Konrad Bucher richtig Lust auf die wilden Schönheiten, und wir verabredeten uns zu einem Ausflug zur Baumschule von Ernst Habersbrunner – der Experte für Wildpflanzen und auch Wildgehölze im Münchner Raum.

Wir möchten nur sog. autochthone Wildpflanzen verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Denn die Pflanzung soll nicht nur die menschliche Nachbarschaft erfreuen, sondern vor allem auch für die heimische Tierwelt wichtige ökologische Funktionen erfüllen: Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.

Bilder: Konrad Bucher

Die meisten Wildfruchgehölze kennt und sieht man oft – Weißdorn, Schlehe, Berberitze und Wildrosen kommen sowohl im Olympiapark als auch im Englischen Garten vor, wobei in Parks und Gärten meistens die aus Asien stammende Berberis thunbergii gepflanzt wird, nicht die heimische Berberis vulgaris. Und von den Wildrosen ist üblicherweise nur die Rosa canina (Hundsrose) bekannt, obwohl bei uns auch viele andere Arten wild vorkommen. Sanddorn und Wacholder sind ebenfalls heimisch, aber weniger häufig zu sehen und an besondere Standortbedingungen gebunden.

Die dreieckige Fläche ist zum größten Teil ein vollsonnig – trocken-heißer Standort – der Boden ein kiesig, sandiger Lehm auf Schotter, wenig humos und eher mager – gute Bedingungen für alle genannnten Arten. Nur im vorderen Zwickel der Fläche ist es zu schattig für sonnenhungrige Arten wie Sanddorn und Wachholder. Hier kann man schattenliebende Wildstauden für den Gehölzrand als Unterpflanzung einfügen. Auch einige Wildrosenarten können halbschattige Bereiche mit ihren Ausläufern füllen, zum Beispiel Zimtrose (Rosa majalis) und Essigrose (Rosa gallica).
Die Feldrose (Rosa arvensis) wächst mit ihren langen Ranken in andere Gehölze hinein und bildet ein dichtes und „kleinteiliges Gewirr“. Die schöne Weinrosa (Rosa rubiginosa) hingegen bildet keine Ausläufer, duftet besonders gut und kann als Solitärpflanze neben dem Weißdorn oder einer Berberitze stehen.

Bilder: Ruth Mahla

Der Maßnahmenkatalog des BioDivHubs-Projekts „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ beinhaltet auch eine detaillierte Pflanzanleitung für Vielfaltshecken: Kostenloser Download hier

Gartentipp vom NABU: Robuste Schönheiten: Heimische Wildrosen für den Naturgarten


Text: Ruth Mahla; Bilder: Konrad Bucher, Ruth Mahla

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