Am 9. April ab 18 Uhr im StadtAcker am Ackermannbogen
Im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ üben sich nun schon in der 3. Saison ca. 60 Balkongärtner*innen am Ackermannbogen in der Pflege und der Vermehrung von heimischen Wildpflanzen.
Wir alle haben uns in die „schönen Wilden“ verliebt und wollen nicht mehr auf diese Freude verzichten, auf dem Balkon, im Garten oder Wohnumfeld die zarte Pracht der einheimischen Wildpflanzen und die Insektenvielfalt, die sie anziehen, zu genießen und mit der Zeit immer besser kennen zu lernen.
BergminzeDuft-ScabioseSand-Thymian
Nur – meist gibt es die Lieblingspflanzen gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die am Besten am jeweiligen Standort gedeiht. Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien – vielerorts sind beliebte Arten schon ausverkauft und wegen der Energiekrise sind die Preise auch gestiegen.
Das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einen Balkon angepasst haben, hat viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommt.
Deswegen sind die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – in die Samengärtnerei eingestiegen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden.
Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am StadtAcker am Ackermannbogen dieser Workshop statt.
Fotos: Konrad Bucher
In die Aussaatschalen säen
Bevor wir die nährstoffarme Bio-Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert. Die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann angedrückt und in einzelne Abteilungen unterteilt.
Die Etiketten oder ein Klebeband mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht, damit es keine Verwechslungen gibt.
Erst dann kann – nicht zu dicht, denn das Saatgut ist wertvoll – gesät werden. Bei sehr feinen Saatkörnern ist das gar nicht so leicht: David zeigt uns, wie man eine kleine Menge Körnchen aus der Tüte in die Hand nimmt und locker zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand auf das vorbereitete Saatbett rieseln lässt.
Die Saat wird leicht angedrückt, damit die Samenkörner Bodenkontakt bekommen und entweder mit feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut und angegossen. Wenn Lichtkeimer dabei sind, nicht mit Erde bedecken. Das Lavagranulat ist lichtdurchlässig, weshalb es auch für das Abdecken von Lichtkeimern verwendet werden kann. Es schützt den Boden außerdem vor Austrocknung und verhindert, dass die Samen oder Keimlinge bei Starkregen weggespült werden. Durch das Lavagranulat wird auch die Vermehrung der lästigen Trauermücken eingedämmt. Wichtig ist, das Gießen nicht zu vergessen, wenn die ersten Keimlinge sichtbar werden. In diesen Stadium dürfen die Pflänzchen keinen Trockenstress abbekommen. Am Besten gießt man von unten, indem man den Untersetzer mit Wasser befüllt, oder man befeuchtet sanft von oben mit einer Sprühflasche.
Noch ein Tipp: Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man es ein wenig anschmiergelt.
Pikieren
Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, das mit einem Pikierstab akkurat gelingt. Hat man aber Tausende Sämlinge zu pikieren, wie David in seiner Gärtnerei, kann man auch schneller vorgehen und mit den Fingern Pflanzlöcher vorformen und die Pflänzchen schnell hineindrücken. Die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Multitopfpaletten passen. Wichtig ist, dass die Wurzeln senkrecht in die Erde gedrückt werden und guten Bodenanschluss haben. Das Substrat sollte in diesem Entwicklungsstadium etwas nährstoffreicher sein: Gute Biogartenerde – natürlich ohne Torf – gibt es im Frühjahr in den Biomärkten zu kaufen. Zum Schluss wird noch gut gewässert. Eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und verbrauchter Erde oder Sand geht aber auch – nur sollte die Eigenmischung zur Unkraut- und Keimreduzierung im Backofen etwa eine Stunde auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden.
Wurzelentwicklung ist wichtiger als schnelle Blattenentwicklung
Wichtig ist, dass die Pflanzen ihre Kraft erst einmal in die Wurzelentwicklung geben. Das tun sie nur, wenn sie nicht allzu nährstoffreich aufwachsen. Man darf die wilden Jungpflanzen also keineswegs noch zusätzlich düngen. Bei einer ausgewogenen und nicht zu üppigen Nährstoffversorgung kann es sein, dass die oberirdische Pflanze noch recht unscheinbar wirkt. Wenn aber der Wurzelballen gut entwickelt ist, dann wird sie sich im Beet gut versorgen können und sich umso schneller entwickeln. Einen solchen Wurzelballen kann man vor dem Auspflanzen ins Beet leicht andrücken und anritzen, damit die verfilzten Würzelchen aufgelockert und zum Weiterwachsen angeregt werden.
Auch gut zu wissen:
Saatgut sammeln
Ein guter Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.
Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.
Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.
Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.
Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“
Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.
Saatgut lagern
Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss trocken sein. Plastik eignet sich nicht.
Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.
Blühwiesen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas – und das, obwohl sie meist gar nicht „natürlich“ entstanden sind. Viele dieser Wiesen wurden über Jahrhunderte hinweg durch menschliche Nutzung geprägt und werden bis heute durch Mahd oder Beweidung erhalten. Besonders sogenannte Magerwiesen, also nährstoffarme Standorte, entwickeln eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Auf einer extensiv bewirtschafteten Blühwiese können auf einem einzigen Quadratmeter über 50 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine angepasste Pflege. Zu häufiges Mähen oder ein zu hoher Nährstoffeintrag – etwa durch Düngung – führen dazu, dass sich schnell wachsende Arten durchsetzen, kleinere konkurrenzschwache Arten verdrängen und die die Vielfalt verloren geht.
In Deutschland wachsen auf Wiesen und Weiden rund 1.250 verschiedene Pflanzenarten – etwa ein Drittel aller heimischen Blütenpflanzen. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für ein komplexes Ökosystem: Rund 3.500 Tierarten, darunter zahlreiche Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Käfer und Heuschrecken, sind auf diese Lebensräume angewiesen. Sie wiederum dienen als Nahrungsquelle für Vögel, Amphibien, Reptilien und kleine Säugetiere.
Gerade im urbanen Raum bieten Blühwiesen ein enormes Potenzial. Flächen wie Straßenränder, Gärten oder Parkanlagen können mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen in wertvolle Lebensräume verwandelt werden. Richtig gepflegt, tragen sie nicht nur zum Erhalt der Biodiversität bei, sondern bringen auch zahlreiche Vorteile für Mensch und Umwelt mit sich.
Blühwiesen wirken sich positiv auf das städtische Mikroklima aus, indem sie kühlend wirken und die Verdunstung fördern. Gleichzeitig verbessern sie die Versickerung von Regenwasser und können so das Risiko von Überflutungen bei Starkregen reduzieren. Im Vergleich zu intensiv gepflegten Rasenflächen benötigen sie weniger Wasser und sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit.
Nicht zuletzt überzeugen Blühwiesen auch optisch: Mit ihrer Blütenpracht sorgen sie für farbenfrohe Akzente im Stadtbild. Darüber hinaus fungieren sie als wichtige „Trittsteine“ im Biotopverbund und ermöglichen es vielen Arten, sich von einem Lebensraum zum nächsten zu bewegen und auszubreiten. Blühwiesen sind Oasen der Vielfalt und ein zentraler Baustein für eine lebenswerte und artenreiche Stadt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Blühfläche anzulegen. Eine Blühwiese kann durch Ansaat einer Saatgutmischung oder die Übertragung von Mahdgut entstehen. Alternativ kann auch die Pflanzung von Stauden sinnvoll sein, wenn ein schneller Blüheffekt erzielt werden soll. Der BioDivHubs Maßnahmenkatalog beschreibt die Vorgehensweise mit einer praxisnahen Schritt-für-Schritt-Anleitung. Eine detaillierte Beschreibung mit wertvollen Tipps aus der Praxis findet ihr auch in diesem Beitrag über Blühflächen und Wildstaudenbeete auf der BioDivHub Website.
Im Gemeinschaftsgarten Essbare Stadt im Rosengarten wurde zusammen mit den GärtnerInnen und Unterstützung von Green City e.V. im Herbst 2025 ein Staudenbeet mit heimischen Arten angelegt. Dieser blühende Streifen zieht Nützlinge und Bestäuber an, von denen auch die angrenzenden Gemüsebeete profitieren.
Im Gemeinschaftsgarten „Knosporus“ haben Studierende der TUM und der HSWT in Weihenstephan im März 2026 auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche eine Blühwiese ausgesät. Ein sonniger Standort wurde gewählt, als Vorbereitung der Fläche wurde der Oberboden abgetragen und durch eine nährstoffarme Schicht aus Kies und Sand ersetzt. Für die Ansaat wurde die BioDivHubs Saatgutmischung verwendet, welche von der TUM, mit ausgewählten heimischen Arten – speziell für Insekten – zusammengestellt wurde. Die Entwicklung der Blühwiese wird von einem Botaniker der TUM wissenschaftlich begleitet.
Diese Aktionen zeigen, dass es möglich ist, die Stadt grüner, nachhaltig und lebenswert zu gestalten – für Mensch und Natur.
Ansaat der Blühfläche im KnosporusStaudenbeet Essbare Stadt im Rosengarten
Zum Erntedankfest im Oktober 2025 wurde im Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“ eine Vielfaltshecke gepflanzt – ein wertvoller Beitrag für mehr Biodiversität. In Teamarbeit haben die GärtnerInnen zusammen mit freiwilligen HelferInnen heimische Baum- und Straucharten wie die Haferschlehe, Kornelkirsche, Hollunder, Haselnuss, Gemeine Pimpernuss, Felsenbirne und Steinweichsel gepflanzt. Im Frühjahr 2026 wurden weitere Beerensträucher wie die Johannisbeere, Stachelbeere, Brombeere und Himbeere ergänzt. Die Pflanzung wurde mit Totholz umrahmt und mit Hackschnitzeln gemulcht, um das Wachstum von Gräsern und Beikräutern zu unterdrücken. Das Totholz bietet zudem Insekten sowie kleinen Säugetieren und Amphibien Unterschlupf.
Vielfaltshecken sind bedeutende Lebensräume für zahlreiche heimische Arten und unterscheiden sich deutlich von klassischen, formgeschnittenen Hecken, die oft nur aus einer einzigen Pflanzenart wie Thuja oder Hainbuche bestehen. Stattdessen setzen sie sich aus einer abwechslungsreichen Mischung heimischer Sträucher, Gehölze und kleinbleibender Baumarten zusammen. Die Beeren sind für viele Tiere eine wichtige Nahrungsquelle und viele davon auch für den Menschen essbar und reich an Vitaminen.
Neben ihrem ökologischen Nutzen überzeugen Vielfaltshecken auch durch praktische und gestalterische Aspekte. Sie dienen als natürlicher Wind- und Sichtschutz, verbessern das Kleinklima, schützen vor Bodenerosion und mindern die Auswirkungen von Extremwetterereignissen. Gleichzeitig bereichern sie mit ihren Blüten und Früchten das Landschaftsbild auf attraktive Weise.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Flurbereinigungen sind viele dieser wertvollen Elemente in der Vergangenheit verloren gegangen. Einen Gegentrend setzen Agroforstsysteme, in denen mehrjährige Kulturen als Baumreihen oder Hecken in den Acker integriert werden. Hecken fungieren als wichtige Verbindungselemente zwischen verschiedenen Lebensräumen wie Wiesen, Äckern und Wäldern.
Auch im städtischen Raum dienen sie vielen Tierarten als geschützter Wanderkorridor. Die gemeinsame Pflanzaktion hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch gezeigt, wie einfach und wirkungsvoll Naturschutz im Kleinen sein kann. Jede neu gepflanzte Hecke leistet einen wertvollen Beitrag für mehr Artenvielfalt und macht Umweltbildung und Umweltschutz erlebbar. Die Mühen werden mit leckeren Beeren belohnt, aus denen Marmelade, Sirup und andere Köstlichkeiten hergestellt werden können, welche das nächste Erntedankfest bereichern werden.
Im Jahr 2025 fanden in mehreren Studiengärten, die sich im BioDivHubs Projekt beteiligen, Workshops zum Bau von sogenannte Sandarien statt. Dabei handelt es sich um trockene, vegetationsarme und gut besonnte Sandflächen, die gezielt als Nistplatz für Wildbienen und andere Insekten angelegt werden. Oftmals in Kombination mit Trockensteinmauern, bieten diese Strukturen Raum zum Nisten und die Möglichkeit zu überwintern. Die Vorteile dieser Sand- und Steinstrukturen sind vielfältig: Steine speichern die Wärme der Sonne und geben sie nachts langsam wieder ab, wodurch ein ausgeglichenes Mikroklima entsteht.
Um die Artenvielfalt zu fördern, braucht es neben Blühwiesen mit heimischen Wildpflanzen als Nahrungsangebot auch geeignete Habitate, die als Nist- und Wohnraum dienen. Vielfältige Strukturen, neben Totholz auch offener Boden, Sand, sowie Felsspalten und Fugen, bieten Insektenschutz vor rauer Witterung und vor Fressfeinden. In Spalten, Rissen und Hohlräumen zwischen den Steinen finden viele Arten, darunter auch Reptilien, sichere Verstecke und geeignete Überwinterungsplätze.
Ein besonderer Fokus liegt beim Sandarium auf den bodennistenden Insekten. Viele Arten verbringen einen Teil ihres Lebens unter der Erde und sind auf offenen Boden angewiesen. Bei den Wildbienen sind es etwa 60 bis 80 Prozent der Arten, die ihre Nester im Boden anlegen. Dabei hat jede Art eigene Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit und Temperatur. Die meisten bevorzugen sonnige, warme und trockene Standorte – ideale Bedingungen, wie sie beispielsweise an einem nach Süden ausgerichteten Hang vorzufinden sind.
Gerade in Städten sind solche Bedingungen jedoch selten geworden. Große Flächen sind versiegelt und selbst scheinbar geeignete Orte wie Fugen zwischen Pflastersteinen sind häufig mit Schadstoffen belastet oder zu stark verdichtet. Für bodennistende Insekten fehlt es daher oft an geeigneten Nisthabitaten.
Die Umsetzung der Sandarien in den Gemeinschaftsgärten folgte dabei einem einfachen Prinzip. Es wurden sonnige Bereiche ausgewählt, der Boden teilweise abgetragen und mit geeignetem Sand ca. 30-50 cm tief aufgefüllt. Als Umrandung wurden Steine oder Trockenmauern verwendet, welche zusätzliche Struktur und Wärme bieten. Bei der Pflege sollte man darauf achten, dass ein Teil der Fläche dauerhaft offen und möglichst ungestört bleibt.
Ein Sandarium lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand, idealerweise aus regional verfügbaren Materialien, umsetzen. Der Platzbedarf ist gering, schon kleine Flächen von 1-2 m² können einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung von Wildbienen leisten. Sandarien sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich ökologische Anforderungen und die Nutzung durch Menschen miteinander verbinden lassen, ein inspirierendes Beispiel ist das Thymian Sandarium im Stadtacker. Sie brauchen wenig Platz, fügen sich gut in bestehende Gartenstrukturen ein und können gleichzeitig eine große Wirkung entfalten. Wie schnell die neuen Lebensräume angenommen werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die ersten Wildbienen Gänge wurden schon entdeckt. Und neben Wildbienen dachte sich auch ein Hase, dass sich das Sandarium gut für seinen Bau eignet (O´pflanzt is).
Wie kann Biodiversität in der Stadt gedacht und gemeinsam gestaltet werden? Rund 50 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung, Naturschutz und Stadtgesellschaft haben sich am 14. November 2025 im Ökologischen Bildungszentrum München (ÖBZ) genau dieser Frage gewidmet.
Das 1. BioDivHubs-Symposium „Biodiversität denken – Vom Verstehen verschiedener Perspektiven zum gemeinsamen Gestalten“ am 14.11.2025 war Teil des Verbundprojekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“. Die komplette Tagungsdokumentation (56 Seiten) und ein stimmungsvoller 3-Minuten-Videoclip sind ab sofort online.
Das Programm im Überblick
Philosophischer Impuls: Prof. Dr. Benjamin Rathgeber (Philosophische Hochschule München) und Michael Hebenstreit (Erbach i. Od.)
Projektvorstellungen: Zwischenergebnisse aus „BioDivHubs“ – Strukturen schaffen, Citizen Science, Engagement verstehen und vor Ort gestalten
Fachgespräch „Rewilding the City“: Zwischen gärtnerischen Bedürfnissen und Naturschutz (u. a. mit Dr. Ernst Habersbrunner, Bund Naturschutz, und Prof. Dr. Monika Egerer, TUM)
Drei parallele Workshops
WS 1: Die beste Biodiversitätsmaßnahme ist Beziehungspflege!
WS 2: Welcher Biodiversitätstyp bin ich? (mit kreativen Horoskopen für 2026)
WS 3: Kreativer Praxisworkshop – Ein Nest aus Totholz (Landart-Kunstaktion)
Zentrale Erkenntnisse
Das Symposium hat gezeigt: Biodiversität ist kein rein biologisches Thema, sondern vor allem ein gesellschaftlicher und kultureller Aushandlungsprozess. Erst wenn wir die eigenen Bilder von „Natur“ und „Biodiversität“ reflektieren, können wir Missverständnisse vermeiden und wirklich gemeinsam handeln.
Besonders deutlich wurde das Spannungsfeld in Gemeinschaftsgärten: Hier treffen Freude am Gärtnern, sozialer Zusammenhalt und naturschutzfachliche Anforderungen (z. B. Florenverfälschung vs. lokaler Genpool) aufeinander. Genau dort liegt das große Potenzial des Projekts.
Jetzt downloaden: Die komplette Tagungsdokumentation
Am 1. März fand im Ökologisches Bildungszentrum München (ÖBZ) das 8. Saatgut-Festival statt. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und bot neben einer stark frequentierten Tauschbörse einen großen Info- und Saatgutmarkt, Mitmachaktionen für Kinder sowie eine vielseitige Vortragsreihe. Thematisiert wurden unter anderem Förderprogramme der Landeshauptstadt München für mehr Biodiversität, praktische Tipps für die naturnahe Gartenarbeit, der Umgang mit autochthonen Pflanzen sowie Fragen der Saatgutsouveränität und aktuelle politische Entwicklungen.
Das BioDivHubs-Projekt war gemeinsam mit dem Netzwerk Urbane Gärten München mit einem Infostand vertreten. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der an der Technische Universität München entwickelten Saatgutmischung zur Förderung artenreicher und standortangepasster Blühflächen im urbanen Raum. Das Interesse war groß: über hundert Saatgut-Tütchen wurden im Laufe des Tages verteilt!
Eine Anleitung zur Anlage einer Blühwiese sowie weiterführende Informationen finden sich im Kapitel „Blühwiese“ unseres Maßnahmenkatalogs (hier zum Download).
Ein herzlicher Dank gilt dem Referat für Klima- und Umweltschutz München (RKU) der Landeshauptstadt München für die wertvolle Unterstützung.
Save the Date: Das 9. Saatgut-Festival am ÖBZ ist für den letzten Februarsonntag des kommenden Jahres geplant.
In Zeiten des Klimawandels und zunehmender Abhängigkeit von der Agroindustrie rückt die Erhaltung samenfester Pflanzensorten stärker in den Fokus. Seit Jahrhunderten vermehren Menschen weltweit ihr eigenes Saatgut durch Selektion und Kreuzungen, was eine immense Vielfalt an Kulturpflanzen hervorgebracht hat. Diese regional angepassten Sorten bieten Potenzial, um zukünftige Herausforderungen zu meistern. Doch moderne Züchtungsmethoden, einschließlich Gentechnik und Patentierungen durch Konzerne, bedrohen diese Souveränität. Genau hier setzt das achte Saatgut-Festival an: Es lädt ein, die Vielfalt zu feiern, zu erhalten und zu genießen.
Am Sonntag, den 1. März 2026, von 10:00 bis 17:00 Uhr, verwandelt sich das Ökologische Bildungszentrum München (ÖBZ) in der Englschalkinger Straße 166 in einen Treffpunkt für Gärtner*innen, Naturschützer*innen und Interessierte. Veranstaltet wird das Festival vom ÖBZ, dem Münchner Umwelt-Zentrum und dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN), mit freundlicher Unterstützung des Referats für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.
Highlights des Festivals
Der Tag steht ganz im Zeichen der Saatgutvielfalt. Besucher*innen erwartet ein großer Saatgut-Markt mit Tauschbörse, wo private Gärtner*innen von 10:00 bis 13:00 Uhr Saatgut austauschen können. Weitere Infos zur Tauschbörse gibt es auf www.oebz.de/saatgutfestival. Zahlreiche Infostände bieten Einblicke in Projekte und Angebote.
Zusätzlich sorgt JIM’S FOODTRUCK für saisonales Bio-Catering aus der Region, und im Sonntagscafé gibt es Kuchen und warme Getränke. Eine interaktive Installation verspricht Überraschungen für alle Altersgruppen.
Ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm beleuchtet Themen von der Praxis bis zur Politik. Für die Kleinen gibt es eine offene Kinderaktion um 14:00, 14:45, 15:30 und 16:15 Uhr.
Praktische Infos
Der Eintritt ist frei. Anfahrt: U4 bis Arabellapark, dann Bus/Tram bis Cosimabad.
Das Saatgut-Festival ist mehr als eine Veranstaltung – es ist ein Aufruf zur Handlung für eine nachhaltige Zukunft. Kommen Sie vorbei und entdecken Sie, wie Sie selbst zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt beitragen können!
Alle Infos zu Vorträge, Aktionen und Mitwirkenden finden Sie hier.
Das vom Münchner Umwelt-Zentrum e.V. im ÖBZ gemeinsam mit dem Verein für Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) organisierte Saatgut-Festival wurde gefördert durch das Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.
München, 20.12.2025 – Ein großer Erfolg für das Münchner Verbundprojekt „BioDivHubs –Biodiversität ins Quartier“: Das Projekt wurde im UN-Dekade-Projektwettbewerb 2025 zur Wiederherstellung von Ökosystemen in der Kategorie „Stadtnatur – Aktivierung“ unter die TOP 10-Projekte gewählt.
Der Wettbewerb wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) durchgeführt. Er würdigt besonders wirkungsvolle, innovative Projekte, die Menschen für den Erhalt und die Wiederherstellung von Ökosystemen begeistern.
Das Projekt „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ fördert die biologische Vielfalt mitten in der Stadt: In vier Münchner Modellquartieren – am Ackermannbogen, am ÖBZ in Bogenhausen, in Giesing und in der Isarvorstadt – werden ausgehend von Gemeinschaftsgärten sogenannte BioDivHubs etabliert, die sich zu Foren für Beteiligung, Austausch und kreative Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt entwickeln.
In den BioDivHubs entstehen im gemeinsamen Prozess kreative Ansätze für biodiverse Stadträume. Wissenschaftlich begleitet werden die Aktivitäten durch partizipative Forschung, die Wirksamkeit der Maßnahmen wird evaluiert. Zusätzlich vermittelt ein vielfältiges Angebot an Workshops, Führungen und Bildungsformaten Wissen über stadtökologische Zusammenhänge und stärkt die Akzeptanz naturnaher Maßnahmen auf öffentlichen und privaten Flächen.
Die offizielle Bekanntgabe der Gewinnerprojekte erfolgte am 19. Dezember 2025 durch das Bundesamt für Naturschutz. Ab diesem Tag sind die prämierten Projekte online abrufbar unter: https://www.undekade-restoration.de/projekte/
Über das Projekt „Biodiversität ins Quartier“ Das Verbundprojekt wird koordiniert von der BürgerStiftung München gemeinsam mit Green City e.V., Münchner Umwelt-Zentrum e.V. im Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) in Kooperation mit dem Ackermannbogen e.V., dem Museum für Naturkunde Berlin und der Technischen Universität München. Ziel ist es, einen Beitrag zur Biodiversitätsstrategie der Stadt München zu leisten und Menschen zur Mitgestaltung ihrer Stadtnatur zu motivieren.
Blühwiesen und extensive Weiden gehören zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa, sind aber ohne Mahd und Pflege nur relativ kurzfristige Erscheinungen, da sie in Folge der natürlichen Sukzession verbuschen und sich schließlich zu Wald weiterentwickeln würden. (Siehe Artikel Wiesen & Weiden)
Die bunt blühenden Wiesen, wie wir sie kennen und lieben, Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren, wie Vögel und zahlreiche Insektenarten, sind also heutzutage eine Erscheinung unserer bäuerlichen Kulturlandschaft – wertvolle Biotope, die der Mensch durch naturnahe Nutzung schafft und erhält.
Wenn wir uns also größere und kleinere Blühinseln auch in unsere Städte holen, um die urbane Biodiversität zu fördern, dann folgen wir einer alten Kulturtradition, die wir nur ein wenig an den neuen Zweck anpassen müssen. In der Regel brauchen wir das gemähte Gras in der Stadt nicht für Nutzvieh – die anfallende Biomasse ist aber auch für uns wertvoll, da wir auf dieser Basis Kompost- und Mulchwirtschaft in unseren urbanen Gärten begünstigen können.
Anders als auf dem Land ist es im urbanen Bereich nicht notwendig, riesige Flächen anzulegen, weil wir sie in der Regel nicht mit schweren Landmaschinen möglichst wirtschaftlich bestellen müssen. Viele kleine verschiedene Blühinseln und Trittsteinbiotope, die von engagierten Anwohner*innen oder Beetpaten mit der Hand gepflegt werden können, sind in den Stadtvierteln und in den urbanen Garten- und Parkanlagen ebenso sinn- und wertvoll. Ideal wäre es, wenn ein grünes Band alle diese Klein- und Minibiotope miteinander verbinden würde, so dass das Wandern und der Austausch der Arten gewährleistet ist.
Die TU München und das Museum für Naturkunde in Berlin, Verbundpartner im Projekt BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier haben in ihrem Forschungsprojekt zu Wildbienen nachgewiesen, dass:
„Blühbereiche dazu beitragen einer Vielzahl von Tieren Lebensraum und Nahrungsangebot zu bieten. Unsere Forschung zu Wildbienen und anderen Bestäubern in Gemeinschaftsgärten ergab, dass der Blütenreichtum in den Gärten einen positiven Effekt auf die Individuenzahl, die Anzahl der Bestäubergruppen und die Vielfalt der Bestäuber insgesamt hatte. Es gab also in Gärten mit mehr Blüten tendenziell eine höhere Vielfalt an Bestäubergruppen wie Wildbienen, Schmetterlingen, Fliegen und Wespen, sowie mehr Individuen und einen höheren Artenvielfalt. (…) Mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Insekten und deren Interaktionen sind Blühbereiche in Gärten darüber hinaus ausgesprochen geeignete Lernorte für spannende Naturerfahrungen und Umweltbildungsangebote.“
Bewährte Pflanzkonzepte für die Stadt
Grob unterscheiden kann man neuangelegte Blühbereiche einerseits anhand der Standortmerkmale, der Nutzungsansprüche, des Pflegeaufwands, aber auch nach der Zusammensetzung der Pflanzen: Sollen vorwiegend mehrjährige Stauden gepflanzt werden oder soll eine bunte Wiesenblumenmischung mit mehrjährigen Wildstauden, einjährigen Wiesenblumen und Gräsern eingesät werden, die eine Mahd mindestens einmal im Jahr erfordert?
Wir unterscheiden:
Pionierflächen – Ruderalflächen
Blühstreifen, Blühwiesen
Staudenpflanzungen
Pionier- und Ruderalflächen
Foto: Konrad Bucher; Ruderalfläche vor dem Stadtacker am Ackermannbogen (München) im 2. Jahr: Straußblütige Wucherblume, Weidenblättriges Ochsenauge, Färberkamille, Kartäusernelke , Wegwarte und gewöhnlicher Natternkopf dominieren – in der untersten Schicht gedeihen Kleearten und angepflanzte Thymianarten
„Pionierflächen“ werden aus der Nutzung genommene Lebensräume mit offenem Boden genannt. Im nährstoffarmen und kalkhaltigen Schutt oder Kies siedeln sich gerne lichtliebende Krautpflanzen als erste Pioniere an. Auch wenn man nichts pflanzt oder ansäht ergrünen die Flächen allmählich, da genug „schlafende“ Samen überall in den Böden ruhen und von Vögeln und auch dem Wind Saatgut verfrachtet wird.
„Ruderal“ leitet sich vom lateinischen Wort rudus ab, was zerbröckeltes Gestein, Geröll, Schutt bezeichnet. Vegetationsökologisch unterscheidet man sehr viele unterschiedliche Ruderalstandorte, darunter auch stickstoffreiche, sehr üppig bewachsene Flächen. Oft sieht man an ungenutzten Bauflächen, stillgelegten Bahnstrecken und Böschungen einen sich mit den Jahren verändernden Bewuchs, der je nach Nährstoffangebot und Exposition sehr verschieden ausfallen kann. An offenen und nährstoffarmen Standorten siedeln sich oft Pflanzengesellschaften an, die denen der Trocken- und Kalkmagerrasen ähneln. Diese Pflanzen, die „lichtliebenden Hungerkünstler“, kann man in sonnigen, trockenen Lagen anpflanzen, wenn man den Mutterboden abträgt und mageres Substrat und Kies aufschüttet. Es können sowohl passendes Saatgut ausgebracht, als auch Topfpflanzen eingesetzt werden – oder eine Kombination aus beiden. Auch trockene Sommer überstehen sie ohne Bewässerung.
Es muss zwar nicht regelmäßig gemäht werden – invasive Neophyten, wie die Kanadische Goldrute oder das Einjährige Berufskraut sollten aber regelmäßig rausgenommen und der Boden offen gehalten werden.
Blühwiesen und Blühstreifen
Foto: Ruth Mahla, Angelegte Blühwiese vor dem Stadtacker am Ackermannbogen im 3. Jahr. mit Wiesensalbei, Margariten, Wiesen-Witwenblumen u.v.m.
Die meisten Blühwiesenarten benötigen viel Sonneneinstrahlung und Wärme für ein gutes Wachstum. Es lohnt sich immer, einen solchen Standort mit einer Blühwiese oder einen Blühstreifen aufzuwerten. Dabei ist auch das Nährstoffangebot ein wichtiger Faktor, was für eine Artenzusammensetzung sich auf der Fläche etablieren kann. Generell gilt: Je geringer das Nährstoffangebot, desto biodiverser das Biotop. Meist sind auch die die eher seltenen heimischen Wildpflanzen besonders wertvoll für die heimische Insektenwelt, die sich auf eine dieser Arten als Futterpflanze spezialisiert haben. So ist zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene auf den Pollen von wilden Glockenblumenarten (Campanula) angewiesen.
Auch wenn keine großen öffentlichen Flächen zur Verfügung stehen, kann man entlang von Rasenflächen, Wegen und Gemüsebeeten im Garten Blühstreifen entwickeln, die die biologische Vielfalt stärken, wunderschön aussehen und außerdem wertvolle, kräuterreiche Biomasse in den urbanen Garten bringen – denn Blühwiesen- oder Streifen sollten einmal oder zweimal im Jahr gemäht werden. Das Mähgut muss aus der Fläche genommen werden, um eine Wiederanreicherung mit Nährstoffen zu verhindern. Dieses duftende Heu ist idealer, hochwertiger Mulch für die Beete und bestes Kompostmaterial. So kann auch das Prinzip des urbanen Dreizonen-Gartens verwirklicht werden, welches darauf aufbaut in sog. „Hotspots“ im Garten selbst, oder in angrenzenden Flächen im Quartier, einerseits Lebensraum für die biologische Artenvielfalt zu schaffen, als auch wertvolle Biomasse zu erzeugen, die für den intensiven Biogemüsebau in der „Ertragszone“ im Garten genutzt werden kann.
2025 haben die Verbundpartner des BioDivHubs-Projekts den wunderschön illustrierten Katalog: „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ veröffentlicht. Er bietet eine Sammlung leicht verständlicher und praxisnaher, langjährig erprobter und wissenschaftlich fundierter Anleitungen, wie Gartenengagierte die biologische Vielfalt in der Stadt fördern können. Auch für die Anlage von Blühbereichen gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die sich an den Gegebenheiten der Urbanen Gärten orientiert. Es wird unmittelbar verständlich: Wir können wirklich „Tiere pflanzen“! Der Maßnahmenkatalog ist als kostenloses E-Book, oder als Printausgabe bei TUM University Press erhältlich: Zum Katalog
Bild: Auszug aus dem Maßnahmenkatalog der TUM: Illustration von Valentina Arros
BioDivHubs Saatgutmischung TUM
Die Expert*innen der Technischen Universität München haben eine besonders insektenfreundliche Saatgutmischung mit heimischen Wildpflanzen entwickelt, die sich besonders für sonnig-trockene Standorte eignet. Diese Mischung ist die Grundlage für widerstandsfähige Blühwiesen im Münchner Raum, die wunderschön und ausdauernd blühen, und damit – von Frühling bis spät in den Herbst hinein – Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von zum Teil auch seltenen Wildbienenarten, Schmetterlingen und andere Insekten bereit stellen.
Die Mischung besteht aus 31 heimischen Arten und ist gut an das Münchner Klima und die vorherrschenden durchlässigen Böden auf der Schotterebene angepasst. Feldversuche der TUM wiesen nach, dass alle Arten dieser Blühwiese mehrere Wochen Trockenheit ohne Bewässerung überstehen können, was angesichts der zunehmenden Hitze- und Trockenperioden in Zeiten des Klimawandels Vorraussetzung für eine nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung zu mehr Biodiversität im urbanen Raum ist.
Wie kann ich als urbane Gärtner*in einen Blühstreifen oder eine Blühwiese anlegen?
Das Wichtigste ist, dass ihr euch regional angepasstes Biosaatgut beschafft. Nicht jede bunte Mischung aus dem Gartencenter wird zur insektenfreundlichen und ausdauernden Blühwiese, auch wenn mit dem Label „bienenfreundlich“ inflationär geworben wird. Innerhalb der heimischen Pflanzen finden sich oft deutliche genetische Unterschiede, weshalb zum Schutz der genetischen Vielfalt nur regionale, sogenannte gebietseigene Herkünfte verwendet werden sollten. So blühen zum Beispiel Pflanzen aus den Wärmeinseln in Unterfranken im kühlen Voralpenland aufgrund ihrer Genetik unter Umständen zwei Wochen früher, während ihre Bestäuber dort noch gar nicht geschlüpft sind.
Daher ist gebietseigenes oder autochthones (aus der unmittelbaren Umgebung) Saatgut das beste Mittel zur Förderung der Biodiversität vor Ort. Auf Anfrage könnt ihr gerne die BioDivHubs-Mischung mit gebietseigenen Saatgut erhalten. Aber auch beim Bund Naturschutz, bei Naturgarten e.V. und beim LBV gibt es gute Mischungen mit heimischen Arten. Um eine Vorstellung von der Vielzahl der geeigneten heimischen Wildblumenarten zu bekommen, seht euch die 31 heimischen Arten auf Natura DB an. Weiter unten findet ihr auch eine Liste zum Ausdrucken.
Geeignete Zeiten für die Aussaat sind im Frühjahr von März bis Mai, sowie im September. Das Saatbett sollte möglichst homogen, locker, feinkrümelig und vegetationsfrei sein. Dann fällt es auch leichter, die Saat gleichmäßig auszustreuen, anzudrücken und bei Bedarf vorsichtig mit einer feinen Tülle anzugießen, ohne dass es weggeschwemmt wird. Damit die Pflanzen gleichmäßig keimen, muss der Boden in den ersten Wochen feucht gehalten werden.
Entlang von Beeten oder am Rande eines Ackers ist die Anlage eines Blühstreifens kein großer Aufwand – allerdings sollte der Boden nicht zu nährstoffreich sein, was in den Gärten aber oft der Fall ist. Erde vom Gemüseacker sollte deswegen abgetragen und mit nährstoffärmerer Erde ersetzt werden. Man kann zu fette Erde aber auch mit viel Sand abmagern.
Falls eine Rasenfläche zur Blühwiese umgewandelt werden soll, ist der Aufwand schon erheblich größer und bei größeren Flächen ohne maschinellen Einsatz sehr arbeitsintensiv und anstrengend. Für kleine Flächen empfiehlt sich das „Holländern“: Man hebt eine Erdscholle zwei Spaten tief aus und versenkt sie mit der Grasnarbe nach unten im Boden. Bei größeren Flächen kann man sich einen Rotationspflug ausleihen, der die Grasnarbe untergräbt und das Erdreich lockert. Weitere Machinen, wie die Kreiselegge zur Vorbereitung eines feinkrümeligen Saatbetts, ein Saatgutstreuer und eine Rasenwalze erleichtern die weiteren Arbeitsgänge.
Wichtig ist es, nach der Bodenbearbeitung das Erdreich 2 – 3 Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit gehen sicher noch Samen der im Boden vorhandenen Beikräuter auf – die kann man dann vor der Feinplanie und dem Einsähen entweder per Hand jäten (bei kleinen Flächen), oder durch Hacken und Rechen von ihren Wurzeln trennen.
Da die meisten heimischen Wiesenarten Lichtkeimer sind, genügt es, das Saatgut anzudrücken. Es muss nicht mit Erde bedeckt werden.
Artenauswahl für eine Blühwiese an einem sonnigen Standort
Der ökologische Wert der Wildpflanzen ist so bedeutend, da sich im Laufe vieler Jahrtausende eine ganz spezifische, an die gegebenen Bedingungen (Klima, Boden usw.) angepasste Pflanzenwelt entwickelt hat, welche die Lebensgrundlage für eine vielfältige Tierwelt bildet. Tiere und Pflanzen haben sich zusammen zu einen engmaschigen Beziehungsnetz entwickelt und sind aufeinander angewiesen. Wenn aus einen solchen Netz zu viele Arten verschwinden, wird das Ökosystem instabil, weil die Lebens- und Nahrungsgrundlage nicht mehr vorhanden ist. Neu bei uns eingebrachte, gebietsfremde Pflanzenarten stören dieses sensible Beziehungsnetz. Sie sind oft konkurrenzstärker und bilden dann dichte, grossflächige Bestände, die die naturnahen Pflanzengemeinschaften von ihrem Standort verdrängen. (z.B. Seerosen-Hybriden, Kanadische Goldrute, Indisches Springkraut, Japanischer Knöterich, Riesen-Bärenklau etc.). Meist profitieren nur häufig vorkommende „Allerweltsarten“ , wie z.B. Amseln und andere Generalisten von den sog. invasiven Neophyten, während die Spezialisten, die eine ganz bestimmte Pflanzenart zum Überleben brauchen, still und oft unbemerkt aussterben.
Wir haben eine echte Chance die Restbestände unserer Wildflora- und Fauna in unseren Gärten, Parks, urbanen Freiflächen und sogar auf unseren Balkonen wieder anzusiedeln, bzw. zu schützen. Wie bei den Blühwiesen gilt aber auch hier, dass es genügend große und viele solch naturnah gestalteter Lebensinseln und Trittsteinbiotope geben muss, damit ein erfolgreicher Austausch der Individuen und des Genpools gewährleistet ist. Ein grünes Band durch die ganze Stadt muss hier die Zielvorstellung sein.
Diese urbanen Blühbereiche müssen durchaus nicht wie eine sich selbst überlassene Fläche wild und „unordentlich“ sein. Man kann mit Wildpflanzen sowohl ökologisch wertvolle, als auch ästhetisch ansprechende und kunstvolle urbane Areale schaffen, die alle unsere Sinne ansprechen und gleichzeitig unser Bedürfnis nach Ordnung und harmonischen Strukturen befriedigen. Wir können die zarte Schönheit der Wildpflanzen nutzen und sie zu einem Teil unserer urbanen gestalteten und gepflegten Umwelt machen: Einen Garten!
Ludwig von Sckell, der bedeutende Gartengestalter des 18. Jahrhunderts, der den Englischen Garten in München vollendete sagte dazu: „Das Bestreben der Natur passt vorzüglich dahin, ihren Pflanzen jene Stellen anzuweisen, wo sich diese ernähren und verbreiten können, ohne Rücksicht, ob sich gerade diejenigen, die sie in Verbindung bringt, malerisch ausdrücken oder nicht. Allein die Kunst bemüht sich, beides zu erreichen.“
Staudenbeete können auf unterschiedlichsten Standorten angelegt werden. Auch kleine Flächen und schmale Streifen, oder Hochbeete und Pflanztröge sind für bestimmte Wildstauden geeignet. Es ist wichtig Exposition, Nährstoffangebot und Bodenfeuchte zu berücksichtigen. Die Einteilung in verschiedene Lebensbereiche ist bei der Auswahl passender Arten eine gute Hilfe.
Foto: Susan Karlebowski; Wildstaudenbeet im ÖBZ, sonnige Freifläche
Lebensbereiche nach Prof. Dr. Sieber
Üblicherweise ordnet man Wildstauden verschiedenen Lebensbereichen zu – die Leitidee ist hier, die heimischen Pflanzengesellschaften, wie sie sich an natürlichen Standorten typischerweise entwickeln, bestmöglich nachzuahmen, um gute Wuchsbedingungen für die zugekauften Wildstauden zu schaffen. Beim Einkauf von Wildstauden helfen auch die Suchfilter von Staudengärtnereien, und die Kürzel, wie sie in der Abbildung unten verwendet werden. In den urbanen Gärten gibt es z.B. oft einen Randsaum mit größeren Bäumen und verschiedenen Gehölzen – diese Situation kommt dem Lebensbereich Gehölzrand am nächsten. Oft sind solche Lagen dadurch charakterisiert, dass es eine vollsonnige und wärmere und eine beschattete und damit kühlere Seite gibt. Dementsprechend kann man aus einer Vielzahl von Pflanzen auswählen – von Schattenpflanzen wie Farne bis sonnenliebende Glockenblumen. Die Bodenart spielt in der Natur eine ausschlaggebende Rolle. Tiefgründig humusreiche und lehmige Böden sind nährstoffreich und feuchter als weniger tiefgründige, durchlässige, magere Böden auf Kies oder Schotter. Dementsprechend entwickeln sich jeweils angepasste, sehr unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Im Gartenbau kann man aber natürlich auch Einfluß auf das Substrat nehmen und hat somit mehr Gestaltungsfreiheit. Mit gartenbaulichen Maßnahmen kann man die verschiedensten Lebensbereiche auch auf kleiner Fläche bauen und so die urbanen Gärten zu Lebensinseln für eine große biologische Vielfalt umgestalten.
Pflanzplanung: Leitstauden als markante Punkte im Beet
Bei der Auswahl der Stauden unterscheiden Landschaftsarchitekt*innen oft zwischen Leitstauden, Begleitstauden und Füllstauden. Mit den Leitstauden, die besonders hoch und auffällig sein sollen, schafft man optische Achsen und Orientierung auf der Fläche. Sie werden als Mittelpunkte wahrgenommen und ziehen zuerst die Blicke auf sich. Meist werden sie einzeln oder maximal in Zweier- oder Dreiergruppen gepflanzt. Erst danach werden die sog. Begleitstauden gepflanzt. Sie sind nicht so groß und auffällig wie die Leitstauden, umrahmen diese aber und setzen weitere farbige Akzente.
Wenn noch freier Platz im Beet ist, kann man mit Füllstauden noch mehr Vielfalt und weitere Farbakzente pflanzen. Auch zarte und niedrige Frühblüher an den Rändern sind wunderschön und als erste Insektennahrung im Jahr besonders wertvoll. Die Auswahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten sorgt dafür, dass das Beet viele Monate über blüht und Insektennahrung bietet.
Pflanzliste für das Wildstaudenbeet am Ackermannbogen. Lebensbereich Gehölzrand
Von der ersten Idee zum prächtigen Wildstaudenbeet
Am Anfang steht, glaube ich, die Begeisterung für bestimmte Wildblumen – oft sind damit auch Erinnerungen aus der Kindheit verbunden. Der zarte Duft von Veilchen und Wildrosen, die wunderschönen Pflanzen des Gebirges, mit ihren leuchtenden Farben… Um in euren urbanen Gärten geeignete Flächen für eure Lieblinge zu entwickeln, müßt ihr erstmal eine Bestandsaufnahme machen. Welche Lebensbereiche sind schon natürlicherweise vorhanden? Welche kann man bauen? Welche der Lieblingspflanzen passen dorthin, und mit welchen anderen Pflanzen kann ich sie kombinieren? Eine Staudenanpflanzung ist auch immer ein kreativer Akt: Kataloge der guten (BIO)-Staudengärtnereien oder Bücher von berühmten Landschaftsarchitekten, wie zum Beispiel „Gärten inspiriert von der Natur“ von Piet Oudolf und Henk Gerritsen, helfen beim Träumen und Planen.
Das BioDivHubs-Projekt hat durch viele Aktionen in den Gemeinschaftsgärten und in den vier Modell-Quartieren, und auch durch Kunstaktionen das Wissen und die Liebe zu den „schönen Wilden“ befördert. Unsere Postkarten zeigen zum Beispiel Nahaufnahmen von Pflanzen, die im Zuge des Balkonprojekts am Ackermannbogen von den Teilnehmer*innen auf den eigenen Balkonen gepflegt werden.
Für die Vorbereitung und die Anlage von Wildstaudenbeeten gibt der neue Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ eine Schritt für Schritt Anleitung und viele Tipps für eine erfolgreiche Pflanzung.
Die abgestorbenen Stängel mit Samenständen bieten im Herbst und Winter eine ganz eigene fragile Ästhetik, die man mit in die Planung einbeziehen kann. Außerdem sind sie für Insekten und Vögel Unterschlupf und Nahrungsquelle und sollten deswegen unbedingt bis zum Frühjahr stehen bleiben dürfen.
Foto: Ruth Mahla, Winteraspekt im Ökologischem Bildungszentrum München (ÖBZ)
Beim Schnitt im Frühjahr sollte man nicht alle Bereiche auf einmal schneiden, um temporäre Rückzugsräume zu belassen. Das Schnittgut – wertvolle Biomasse für Kompost und Mulch, kann man noch für ein paar Tage locker liegen lassen, bevor es gehäckselt oder kompostiert wird. Auf diese Weise haben an und in den Stängeln überwinternde Insekten noch eine Chance den Ort zu wechseln.
Haben sich Stauden erstmal entwickelt, hält sich eine Pflanzung viele Jahre. Dennoch bleiben Kontrollen mit kleinen Eingriffen und Jätaktionen ein- bis zweimal im Jahr notwendig, denn wenn sich bestimmte „Wurzel-Unkräuter“ ungestört entwickeln dürfen, wird es schwierig und sehr arbeitsintensiv, die Fläche wieder zu bereinigen.
Viele unterschiedliche Lebensräume auf kleiner Fläche
Blühflächen können auch gut mit anderen Biodiversitätsmaßnahmen kombiniert werden, beziehungsweise ineinander übergehen. Eine südexponierte Trockenmauer am Rande einer vollsonnigen Ruderalfläche, Totholz als Strukturelement und Lebensraum in einer Staudenpflanzung oder eine Benjeshecke als Übergang von Gehölzrand und Blühwiese… . Der Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ gibt einen fundierten Überblick über die möglichen Maßnahmen und für welche Flächen sie sich eignen. Zum Katalog
Unterstützung aus dem Netzwerk für die Anlage von Blühflächen und anderen Biodiversitätselementen
Workshops zur Anlage von Blühflächen oder anderen Biodiversitätselementen können Urbane Gemeinschaftsgärten über uns buchen. Bitte meldet euch frühzeitig – am besten noch vor Weihnachten für einen Workshop im Frühjahr bei Ruth Mahla: info@urbane-gaerten-muenchen.de
eine genaue Beschreibung der Anlage der verschiedenen Blüh- und anderer Biodiversitätsflächen mit vielen weiteren Tipps findet ihr in „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“. Zum Katalog.
Falls ihr nicht selbst tätig werden wollt: Bei Naturgarten e.V. findet ihr eine Liste der Fachbetriebe, die sich auf die Anlage von Naturgärten und Biodiversitätsstrukturen spezialisiert haben: https://naturgarten-fachbetriebe.de/karte/.
Aber auch beim Bau- und Gartencenter um die Ecke findet ihr oft Unterstützung in Form von Geräten und Maschinen zum Ausleihen.
Die Biodiversitätsberatung der Stadt München berät euch bei euren Vorhaben und gibt Auskunft über Fördermöglichheiten. Die Website zum Förderprogramm Biodiversitätsbausteine und der Biodiversitätsberatung erreicht ihr hier: muenchen.de/biodiv-foerdern; muenchen.de/biodiv-beratung.
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. bietet eine Umwelt- und Biodiversitätsberatung und unterstützt mit Saatgut und Pflanzaktionen. Telefonische Biodiversitätsberatung: Tel.: 089 / 51 56 76 – 66 , Mi. 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr; Ansprechpartnerin: Julie Weissmann: E-mail: julie.weissmann@bn-muenchen.de
Fotos: Susan Karlebowski, Konrad Bucher, Ruth Mahla, David Schoo; Illustrationen: Valentina Arros; Text zusammengestellt von Ruth Mahla