Nach der Pflanzung im Frühjahr 2025 hat sich das Rewilding-Schaubeet am ÖBZ heuer zur vollen Pracht entwickelt. Die 24 unterschiedlichen Arten bieten seit April eine sich steigernde Blütenfülle, die stark von Insekten besucht wird. An einer Heilziest-Pflanze saßen oft so viele Wildbienen gleichzeitig, dass man sie kaum zählen konnte. Schmetterlings-Liebhaber hatten – und haben immer noch – gute Chancen auf interessante Beobachtungen: Viele Bläulinge, Dickkopffalter, Ochsenaugen und Distelfalter wurden gesichtet!
Man bekommt eine Vorstellung, in welchen Kombinationen sich mit heimischen Wildstauden wirkungsvolle Farbkontraste gestalten lassen. Viel fotografiert wurde zum Beispiel die Kombination aus Blau und Gelb – Weidenblättriges Ochsenauge mit Knäuel-Glockenblume, die vom Grüngelb des Labkrauts und dem Hellviolett der Taubenskabiose vermittelnd ergänzt wird. Über lange Zeit setzte die magentafarbene Skabiosen-Flockenblume kraftvolle Akzente. Erst mit der Dämmerung öffneten sich die Blüten der weißen Lichtnelke. Wer dagegen die zarte Graslilie bewundern wollte, musste sich vor der Mittagshitze am Beet einfinden.
Eine gärtnerische Besonderheit: das Beet wurde tatsächlich auch während der heißen Trockenphasen nie gegossen! Der ausgebrachte Sand wirkt wie eine Mulchschicht, unter der sich der Lehmboden feucht hält. Ohnedies bilden heimische Arten tiefe und weitreichende Wurzelsysteme aus, mit denen sie sich auch in Trockenphasen ausreichend versorgen können. Die Skabiosen-Flockenblume etwa bildet Wurzel bis in 2-3 Meter Tiefe!Wer sich intensiver mit den einzelnen Arten beschäftigen möchte oder die Pflanzenkombination im Privatgarten gerne nachpflanzen möchte, findet die Artenliste auf naturadb.de
Was wächst in unserem Rewilding-Beet?
Einfach den QR-Code scannen oder hier klicken, und die Pflanzen unseres Blühbeets entdecken. Dort findet ihr Informationen zu den einzelnen Arten, ihren Blütezeiten, Standortansprüchen und ihrem Nutzen für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und andere Tiere.
Im Januar 2026 bewarb sich das Münchner Umwelt-Zentrum e.V. am ÖBZ mit dem BfN-Projekt „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ für den Bayerischen Biodiversitätspreis im Wettbewerb des Bayerischen Naturschutzfonds, der in diesem Jahr unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“ stand. Der Schwerpunkt passte, denn auf dem ÖBZ-Gelände haben wir im Rahmen des Projekts das Saumhabitat entlang der Böschung zur Memeler Straße in den Fokus genommen (siehe Abb. 1), um diesen Bereich aufzuwerten.
Für die Teilnahme an diesem Wettbewerb erhielten wir eine Anerkennungsurkunde, unterzeichnet von Staatsminister Thorsten Glauber, als Würdigung unseres Beitrags zum Arten- und Biotopschutz.
Ein Saumbiotop in der Stadt
Das Saumbiotop erweitert den bereits bestehenden NaturErlebnisRaum des ÖBZ mit dem Ziel, unterschiedliche Biodiversitäts-Elemente innerhalb des bestehenden Gehölzsaums zu entwickeln. Die Bedeutung von Säumen und das Zusammenwirken einzelner Elemente wie Hecke, Trockenmauer, Sandarium, Laichgewässer kann damit anschaulich vermittelt werden.
Der nach Süden orientierte Gehölzsaum bietet den wärmsten und ökologisch interessantesten Standort des Grünzugs, weil er als Übergangslebensraum auf wenig Fläche unterschiedliche Kleinklimate verbindet und dadurch Bedingungen für vielfältige Bedürfnisse erfüllt. Mit seinem Strukturreichtum bietet der schmale Streifen ganzjährig Nahrungs-, Fortpflanzungs-, Rückzugs- und Überwinterungshabitate für verschiedene Arten. Beispielsweise gibt es in diesem Bereich eines der wenigen übrigen Wechselkröten-Vorkommen im Münchner Raum. Lineare Strukturen wirken generell als geschützte Korridore für die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Überall gibt es entlang von Wegen oder Begrenzungen derartige Saum-Strukturen. Konzepte für deren Entwicklung lassen sich also auf unterschiedliche Orte übertragen, die in der Summe als Trittsteinbiotope funktionieren.
Somit hat die Maßnahme modellhaften Charakter für ähnliche Aufwertungen in der Stadt und basiert auf einem übertragbaren Konzept für die Anlage von Saumhabitaten mit unterschiedlichen biodiversitätsfördernden Elementen. Durch eine aussagekräftige Beschilderung und Angeboten für Workshops und Führungen wird es Teil der BNE-Programme des ÖBZ.
Entlang der Böschung werden unterschiedliche Elemente geplant und umgesetzt, siehe Abb. 2.
Die bestehenden Heckenstrukturen werden um weitere Arten, speziell auch essbare Wildobstarten ergänzt, und auch die Krautschicht wird artenreicher gestaltet. An einem Teil der Böschung planen wir eine Lehmsteilwand als Biotop für bodennistende Wildbienen.
Die Trockenmauer mit Sandarium
Als größere Maßnahme im Frühjahr 2026 haben wir mit Unterstützung der Galabau-Azubis der Landeshauptstadt München den sonnigsten und damit wärmsten Ort in diesem Saum mit einer Natursteinmauer umgestaltet und dahinter ein Sandarium angelegt (eine Anleitung für die fachgerechte Umsetzung findet sich im Maßnahmenkatalog, einem Produkt des BioDivHubs-Projekts). Im Juni haben wir in unmittelbarer Nähe die von Valentina Arros konzipierte Wildbienen-Lernstation mit vier interaktiven Schautafeln installiert (www.biodivhubs.net/neues-trockenmauer-biotop-sandarium).
Zurück zur Trockenmauer: Durch den gegebenen Niveau-Unterschied entlang der Böschung und durch die Südorientierung sind die Bedingungen für einen xerothermen Trockenmauer-Standort wie geschaffen.. Die Trockenmauer bietet mit ihrem Strukturreichtum vielfältigste Nist- und Versteckmöglichkeiten für viele Arten, vor allem Insekten und Amphibien. Der größte Teil der Trockenmauer wurde mit unterschiedlichem Steinmaterial gebaut, andere Abschnitte aus Totholz. Die ganze Fläche hinter der Trockenmauer, also das neu geschaffene, hohe Niveau wird mit durchlässigem Material und Sand aufgefüllt. Was die Bepflanzung betrifft, bietet die Trockenmauer endlich ein großes Potential für die Verwendung all der Arten der trockenwarmen Standorte, die auf den bislang üblichen Beetstandorten keine geeigneten Voraussetzungen finden.
Das Wechselkröten-Biotop
Innerhalb des Sandariums setzen wir in den kommenden Wochen eine weitere Biodiversitätsmaßnahme um: Ein Laichgewässer für die Wechselkröte. Da es im Umfeld des ÖBZ einen Wechselkrötenbestand gibt, wurde hier mit Unterstützung des LBV bereits vor Jahren ein flaches Laichgewässer vor dem Gehölzrand angelegt. Hier laichen Arten wie Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch. Weil dieser Teich inzwischen stark bewachsen ist und das Wasser im Winter nicht abgelassen werden kann, wird er von den Wechselkröten nicht genutzt. Deshalb legte die Gartengruppe als Experiment innerhalb der ÖBZ-Gärten ein kleines ablassbares Laichgewässer an, das von Wechselkröten sofort angenommen wurde. Um den Fortbestand der Population zu sichern, reicht seine Größe jedoch nicht aus. Aus diesem Grund wird jetzt auf dem höher gelegenen Niveau hinter der Trockenmauer ein größeres Biotop für die wärmeliebende Wechselkröte angelegt, diesmal mit seitlichem Wasserabfluss. Die Hohlräume der Trockenmauer dienen den Wechselkröten erfahrungsgemäß ganzjährig als Versteck. Der Standort ist also ideal, die Vorbereitungen sind bereits getroffen.
Die Herausforderung, sensible Bereiche einerseits zu schützen, sie gleichzeitig im Sinne eines lebendigen Lernorts für Besucher*innen gut zugänglich zu machen, kann durch die abgrenzende Funktion einer Trockenmauer gelingen.
Partizipation als Herangehensweise bei Planung und Umsetzung
Die Gestaltung des Saumhabitats macht das Zusammenwirken unterschiedlicher Strukturen und Elemente innerhalb dieses Ökosystems erleb- und begreifbar. Der Wert der einzelnen Maßnahmen erhöht sich in der Wechselbeziehung zu den anderen Maßnahmen. Das zu verstehen funktioniert am nachhaltigsten, wenn man an von der Planung bis zur Umsetzung aktiv beteiligt ist. Deshalb ist das ganze Projekt als längerfristiger partizipativer Prozess angelegt. Bei möglichst vielen Schritten sollen interessierte Menschen aus dem Quartier, der Gemeinschaftsgarten-Gruppen, auch von Schulen und Auszubildende beteiligt werden.
Wir möchten die Menschen in vorbereitenden Workshops und Aktionen für die Biodiversität begeistern, das Kennenlernen der Arten ermöglichen und die Beziehung zum Ort und den entstehenden Maßnahmen fördern. Die erfolgreiche Einbeziehung einer breiten Zielgruppe erhöht die Chance auf ein längerfristiges Engagement bei Weiterentwicklung und Pflege der entstehenden Maßnahmen.
Für den 4. September 2026 laden wir zur nächsten Mitmachaktion ein. An diesem Tag werden wir am ÖBZ das Wechselkrötengewässer anlegen. Wer Interesse hat, daran mitzuwirken, melde sich bitte hier im ÖBZ an.
Sehenswert: Ein Vielfalts-Biotop an der wärmsten Stelle auf dem ÖBZ-Gelände
Im Frühjahr 2026 wurde die südlich ausgerichtete Fläche im Saumbereich der ans ÖBZ angrenzenden Memeler Straße, auf der früher vornehmlich Topinambur angebaut wurde, umgestaltet. Zunächst wurde die Fläche so vorbereitet, dass man auf ihr eine Natursteinmauer errichten konnte. Mit Unterstützung der Ausbildungsabteilung des Bereichs Gartenbau der Landeshauptstadt München wurde hier eine 25 Meter lange Trockenmauer aufgeschichtet und der Bereich dahinter mit Sand aufgeschüttet.
Diese biodiversitätsfördernde Maßnahme umfasst neben der Trockenmauer ein Sandarium und Totholz und wird im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ weiterentwickelt. Demnächst wird sie noch um ein Laichgewässer für Wechselkröten bereichert.
In unmittelbarer Nähe befinden sich das „Rewilding the City“ – Schaubeet und vor dem Haus das inklusive Hochbeet mit heimischen Wildstauden – ebenfalls Aktivitäten, die im Zuge des BioDivHubs-Projekts entstanden sind. Das Hochbeet ist so geformt, dass Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen auch daran arbeiten können. Einen Beitrag über dieses besondere Hochbeet für heimische Spezialisten findet ihr hier).
Vielfältige Biotope – viel zu entdecken
Angrenzend an die Trockenmauer und das Schaubeet ist die neue Wildbienen-Lernstation installiert, sodass man an diesem Ort auf dichtem Raum vielfältige Biotopstrukturen zeigen kann, was insgesamt das ÖBZ-Gelände als Lernort für Biodiversität aufwertet.
Das inklusive HochbeetDie Projektpflanzen in schönster Blüte: Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)und Echtes Labkraut (Galium verum),dazwischen majestätische Königskerzen (Verbascum thapsus)und viele weitere einheimische WildpflanzenFotos: Ruth Mahla
Die Wildbienen-Lernstation von Valentina Arros
Die Wissenschaftsillustratorin und Künstlerin Valentina Arros hat für das BioDivHubsprojekt schon viele Rewilding-Maßnahmen illustriert – nun hat sie auch diese wunderschöne Lernstation aufwändig gestaltet. Hier kann man spielerisch in das Leben der Wildbienen eintauchen – und im Sommer daneben ihre Nahrungspflanzen in voller Blüte erleben. Wer sich ein bißchen Zeit nimmt, und genau hinschaut, kann auch schon einige Arten unterscheiden lernen…
Als mobile Begrünungsmaßnahme bieten Hochbeet gerade im verdichteten Siedlungsbereich attraktive Möglichkeiten. Meist werden Hochbeete mit nährstoffreichem Substrat gefüllt und mit üppig wachsenden Arten wie Sommerblumen und Gemüse bepflanzt, die in kurzer Zeit eine prächtige Optik erzielen. Diese Arten müssen aber auch viel gegossen werden, was in heißen, trockenen Sommern zum Problem werden kann – besonders dann, wenn die Beete an öffentlichen Plätzen oder in Schulhöfen stehen, wo sie nicht ständig bewässert werden können wie auf dem Privatbalkon.
Es gibt aber auch heimische Arten, die mit diesem Hitze- und Trockenstress besser zurechtkommen und weniger Wasser und Pflege benötigen als die übliche Hochbeet-Bepflanzung. Als heimische Pflanzen sind sie für nahrungssuchende Insekten besonders interessant und daher auch ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität.
In der richtigen Kombination bietet die sogenannte Magerrasenvegetation eine attraktive Optik. Manch seltener Art ist uns gar nicht bekannt und kann im Hochbeet aus einer neuen Perspektive kennengelernt werden – neben den vielen Insekten, die sich hier einfinden werden.
Wir haben folgende Arten für den vollsonnigen Standort ausgewählt:
Unser Hochbeet ist für Rollstuhl-Fahrer*innen konzipiert und kann an einer Seite unterfahren werden. Dadurch entsteht partiell eine flache Substratschicht, in der nur Trockenheits-Spezialisten gedeihen können.
Diese Biodiversitätsmahme entstand 2025/26 im Rahmen des vom BfN geförderten Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“.
Am 18. Juni fand das erste Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ statt. Vor Kurzen wurde eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker am Ackermannbogen vom Baureferat, Abteilung Gartenbau dafür freigegeben. In Kooperation mit Green City e.V. kann dort ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen werden. Solange die Fläche vom Projekt und den Teilnehmenden gepflegt wird, können wir dort nun im Herbst Wildobst, Wildrosen und andere Wildgehölze entweder als Hecke oder als lockere Gruppen pflanzen. 10 interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft wollen bei dem Vorhaben mitmachen und von Anfang an dabei sein. Weitere Beteiligte für die Umsetzung sind jederzeit herzlich willkommen!
Foto: Die Planungsgruppe – im Hintergrund die Fläche (mit Vogelkirsche)
Entscheidung für Variante 3: lockere Gehölzgruppen
Variante 3
Tatsächlich wurde aus der ursprünglich angedachten Hecke sehr schnell eine Planung für lockere und begehbare Gehölzgruppen in verschiedenen Höhenstaffelungen. Das dreieckige Grundstück eignet sich für eine solche Gestaltung einfach besser. Konrad Bucher, StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Verbundpartner vom MUZ, zeigte uns drei verschiedene Planungsvarianten, wobei sich alle sofort einstimmig für die Variante 3 entschieden. Im nächsten Schritt wird der Entwurf mit dem Baureferat Gartenbau abgestimmt.
Auswahl der Pflanzen
Mit Bildern und Beschreibungen der vorgesehen Pflanzen macht uns Konrad Bucher richtig Lust auf die wilden Schönheiten, und wir verabredeten uns zu einem Ausflug zur Baumschule von Ernst Habersbrunner – der Experte für Wildpflanzen und auch Wildgehölze im Münchner Raum.
Wir möchten nur sog. autochthone Wildpflanzen verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Denn die Pflanzung soll nicht nur die menschliche Nachbarschaft erfreuen, sondern vor allem auch für die heimische Tierwelt wichtige ökologische Funktionen erfüllen: Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.
Dickicht aus Berberis und Rosa arvensisRosa rubiginosa
Bilder: Konrad Bucher
Die meisten Wildfruchgehölze kennt und sieht man oft – Weißdorn, Schlehe, Berberitze und Wildrosen kommen sowohl im Olympiapark als auch im Englischen Garten vor, wobei in Parks und Gärten meistens die aus Asien stammende Berberis thunbergii gepflanzt wird, nicht die heimische Berberis vulgaris. Und von den Wildrosen ist üblicherweise nur die Rosa canina (Hundsrose) bekannt, obwohl bei uns auch viele andere Arten wild vorkommen. Sanddorn und Wacholder sind ebenfalls heimisch, aber weniger häufig zu sehen und an besondere Standortbedingungen gebunden.
Die dreieckige Fläche ist zum größten Teil ein vollsonnig – trocken-heißer Standort – der Boden ein kiesig, sandiger Lehm auf Schotter, wenig humos und eher mager – gute Bedingungen für alle genannnten Arten. Nur im vorderen Zwickel der Fläche ist es zu schattig für sonnenhungrige Arten wie Sanddorn und Wachholder. Hier kann man schattenliebende Wildstauden für den Gehölzrand als Unterpflanzung einfügen. Auch einige Wildrosenarten können halbschattige Bereiche mit ihren Ausläufern füllen, zum Beispiel Zimtrose (Rosa majalis) und Essigrose (Rosa gallica). Die Feldrose (Rosa arvensis) wächst mit ihren langen Ranken in andere Gehölze hinein und bildet ein dichtes und „kleinteiliges Gewirr“. Die schöne Weinrosa (Rosa rubiginosa) hingegen bildet keine Ausläufer, duftet besonders gut und kann als Solitärpflanze neben dem Weißdorn oder einer Berberitze stehen.
Wichtig ist bei der Artenauswahl, dass das BioDivHubs-Projekt immer wieder auf die große Vielfalt der heimischen Flora und Fauna hinweist – und neben den „Allerweltsarten“ auch die Unbekannteren und Seltenen zeigt, die weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind.
Die Essigrose (Rosa gallica)….blüht nur ein paar Tage im Mai – aber wunderschön und intensiv duftend – übrigens auch im Topf auf dem Balkon
Bilder: Ruth Mahla
Der Maßnahmenkatalog des BioDivHubs-Projekts „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ beinhaltet auch eine detaillierte Pflanzanleitung für Vielfaltshecken: Kostenloser Download hier
An der Grundschule am Agilolfinger Platz spielt Bildung für Nachhaltige Entwicklung eine große Rolle: in den letzten Jahren wurden auf dem Schulgelände in gemeinsamer Zusammenarbeit der gesamten Schulfamilie (Schüler*innen, Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeitende, Eltern) ein Blühwiesenstreifen mit einheimischen Wildblumen angelegt und mehrere Hochbeete errichtet. Das Thema Insekten und heimische Biodiversität in der Stadt steht damit im Fokus der Schule und wurde dieses Jahr durch den Bau eines “Sandariums” ergänzt: Im Rahmen des Projekts BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier entstand ein neues Wildbienen Nisthabitat auf dem Schulhof.
Am Bau beteiligt waren engagierte Eltern und Kinder des Naturindianer BNE-Horts, die Hort-Leitung Olly Fritsch und Andrea Skiba von Green City e.V. Unter der Anleitung von Gartenbauer Sascha Geiger entstand in Teamarbeit ein von einer Trockenmauer eingerahmtes Sandarium auf dem Schulhof. Der Standort, in unmittelbarer Nähe des Blühwiesenstreifens, wurde bewusst gewählt, um das Nahrungsangebot für die Wildbienen zu sichern. Während des Baus lernten Kinder und Erwachsene Steine zuzuschneiden und sie mit der richtigen Ausrichtung aufeinander zu setzen. Nach jeder Reihe wurde der Sand aufgefüllt und festgeklopft, bis Steine und Sand aufgebraucht waren. Im letzten Schritt wurde das Sandarium von Schüler*innen mit heimischen Arten bepflanzt und kann jetzt von den Wildbienen besiedelt werden.
Die offizielle Einweihung des Sandariums wird am Schulfest der Agilolfinger Schule am 3. Juli 2026 stattfinden. Green City e.V. stellt dabei das Projekt BioDivHubs der Schulgemeinschaft vor und informiert mit Spielen und kindgerechten Materialien über das Thema Wildbienen.
Nisthabitate für Wildbienen
Wildbienen sind wichtige Helfer in der Natur. Sie bestäuben Blumen, Obst und Gemüse. Ohne sie gäbe es viele Pflanzen nicht! Die meisten Wildbienen bauen ihre Nester im Boden. Dafür brauchen sie warme, sonnige Plätze mit Sand. Besonders in Städten gibt es oft zu wenige geeignete Orte. Um den Wildbienen zu helfen, bauen Menschen besondere Sandflächen. Diese heißen Sandarium und helfen Wildbienen dabei, einen sicheren Platz zum Nisten zu finden. Im Sand graben die Bienen kleine Gänge und Kammern. Dort legen sie ihre Eier ab und die jungen Bienen können geschützt unter der Erde heranwachsen. Mehr Infos dazu im Maßnahmenkatalog des BioDivHubs Projekts.
Der Demonstrationsgarten vor der Pinakothek der Moderne.
Die Ausstellung „Convivium – Nahrungssysteme am Limit“ zeigt die global vernetzte Lebensmittelproduktion und die damit verbunden Folgen von Klimawandel über Ressourcenverbrauch bis zu Biodiversitätsverlust.
Der Demonstrationsgarten veranschaulicht das Thema Biodiversität im urbanen Kontext. Die Arten und Sortenvielfalt bildet die Grundlage für die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit. Sie sorgt für stabile Ökosysteme, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und liefert die kulinarische Vielfalt auf unseren Tellern.
In Zusammenarbeit mit der Pinakothek der Modernen wurde der BioDivHubs Demonstrationsgarten bei der Sommerküche aufgestellt. Eines der fünf Hochbeete wurde am 27ten Mai mit essbaren (Wild-)Kräutern bepflanzt, welche die Sommerküche für Kochevents nutzen kann. Die Blüten vieler Kräutern sind zudem bei Insekten beliebt, wie z. B. der heimische Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) oder Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides) und Echter Dost (Origanum vulgare).
Am 12.09.26 werden wir aus den frisch geernteten Kräutern und saisonalem & regionalem Gemüse eine Suppe kochen. Treffpunkt um 11:00 Uhr bei der Sommerküche. Der Eintritt für den Besuch der Ausstellung Convivium ist kostenfrei (für alle, die sich zum Workshop anmelden, max. 20 TeilnehmerInnen). Wir werden uns die Ausstellung und den Demonstrationsgarten ansehen und im Anschluss gemeinsam kochen. Dabei in lockerer Atmosphäre über regenerative Landwirtschaft, urbane Selbstversorgung und Biodiversität ins Gespräch kommen.
Wie Kunst und Biodiversität in München zusammenfinden.
Mitten in München ist etwas Besonderes entstanden: ein großes, begehbares Nest aus Ästen, Zweigen, Laub und Moos. Kein klassisches Kunstwerk mit Absperrband und „Bitte nicht berühren“, sondern ein lebendiger Ort zum Mitmachen, Austauschen und Verweilen. Das Projekt „Das Nest“ ist Teil des Verbundprojekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ und wurde von Green City e.V. gemeinsam mit der Giesinger Künstlerin Katharina Schweissguth und der Lehrkraft Nadja Gruber mit der 7a der Mittelschule an der Fromundstraße umgesetzt.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie kraftvoll: Menschen bauen gemeinsam einen Raum aus Naturmaterialien – inspiriert vom Nestbau der Vögel. Dabei entsteht nicht nur eine organische Struktur, sondern auch ein Ort der Begegnung.
Biodiversität erlebbar machen
Das Nest ist Teil des größeren Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“. Ziel dieses Münchner Verbundprojekts ist es, biologische Vielfalt direkt in die Stadtviertel zu bringen und gemeinsam mit den Bewohner*innen neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Tiere zu schaffen.
In Modellquartieren wie Giesing oder der Isarvorstadt entstehen dabei nicht nur Blühflächen und begrünte Innenhöfe, sondern auch Orte des Lernens und Mitgestaltens. Die sogenannten BioDivHubs verbinden Nachbarschaft, Wissenschaft, Umweltbildung und kreatives Engagement miteinander.
Gerade Projekte wie „Das Nest“ zeigen, dass Biodiversität weit mehr ist als Naturschutz im klassischen Sinne. Es geht auch darum, die Beziehung zwischen Mensch und Natur neu zu erleben – mitten im urbanen Alltag.
Kunst, die verbindet
Für Katharina Schweissguth steht der Nestbau symbolisch für ein menschliches Grundbedürfnis: Schutz, Gemeinschaft und Geborgenheit. Besonders spannend ist dabei die Arbeitsweise: gebaut wird ohne festen Plan, nur mit den vorhandenen Naturmaterialien und gemeinsamer Körperkraft – ähnlich wie Vögel ihre Nester erschaffen.
Genau darin liegt die besondere Qualität des Projekts. Wer mitbaut, erlebt unmittelbar, wie aus einzelnen Zweigen Schritt für Schritt ein gemeinsamer Raum entsteht. Menschen kommen ins Gespräch, helfen einander und entdecken dabei ganz nebenbei die Schönheit und Bedeutung natürlicher Materialien.
Das Nest wird so zu einem Symbol dafür, wie Stadtgesellschaft funktionieren kann: offen, gemeinschaftlich und im Einklang mit der Natur.
Green City e.V. als Motor für urbane Stadtnatur
Green City e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für nachhaltige Stadtentwicklung, Klimaschutz und urbanes Grün in München. Im Rahmen der BioDivHubs koordiniert der Verein zahlreiche Mitmachformate, Workshops und Aktionen, die zeigen, wie Biodiversität direkt vor der eigenen Haustür gefördert werden kann.
Besonders schön: Die Projekte richten sich ausdrücklich an alle Menschen im Quartier. Vorkenntnisse braucht es nicht – nur Neugier und Lust, gemeinsam aktiv zu werden.
Ein temporärer Ort mit bleibender Wirkung
Auch wenn das Nest selbst vergänglich ist und sich mit der Zeit wieder in die Natur zurückverwandelt, bleibt seine Wirkung bestehen. Es schafft Aufmerksamkeit für Stadtnatur, regt Gespräche an und macht sichtbar, wie gemeinschaftliche Aktionen öffentliche Räume verändern können.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des Projekts: Biodiversität beginnt nicht irgendwo weit draußen, sondern direkt dort, wo Menschen zusammenkommen, gestalten und Verantwortung übernehmen. Manchmal reicht dafür schon ein Haufen Äste – und die Bereitschaft, gemeinsam etwas wachsen zu lassen.
Am heutigen 22. Mai, dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt, möchten wir auf die bisherigen Entwicklungen unseres Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ aufmerksam machen. Seit Projektbeginn im Juni 2023 engagieren wir uns in den vier Münchner Modellquartieren Ackermannbogen, Bogenhausen, Giesing und Isarvorstadt für mehr Biodiversität und ökologische Lebensqualität im urbanen Raum. Mit zahlreichen Maßnahmen und gemeinschaftlichen Initiativen schaffen wir naturnahe Lebensräume, stärken lokale Netzwerke und das Bewusstsein für Biodiversität im Alltag und fördern ökologische Vielfalt direkt im Quartier.
In den vergangenen drei Jahren wurden in den vier Modellquartieren insgesamt 13 Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt wie „Naturschutz auf dem Balkon“, Blühflächen, Bepflanzung von Frühblüher, Rewilding-Schaubeet, Totholz-Nest, Benjeshecken, Trittstein-Biotopen, usw. Knapp 140 Veranstaltungen wurden durchgeführt, von Informationsveranstaltungen über Workshops bis hin zu Führungen und mit über 2355 Teilnahmen. Auf den insgesamt 15 sogenannten Studiengärten wurden bereits 18 praktische Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt wurden, wie Staudenbeete, Sandarien, Vielfalthecken, usw., und verschiedene Aktionen zur Förderung der Biodiversität fanden statt. Ein umfassender Maßnahmenkatalog für Gärtner*innen wurde auch veröffentlicht und ist kostenlos zum Downloaden. Diese Biodiversitätsmaßnahmen in den Modellquartiere und in den Studiengärten kann man ab jetzt auch auf unserer interaktiven Maßnahmenkarten zu sehen!
Das Projekt „BioDivHubs“ läuft noch bis Ende Mai 2028 und wir freuen uns auf die kommenden Jahre voller Begegnung, Gestaltung und Wachstum für mehr Artenvielfalt in der Stadtnatur!
Foto: MakroWilli
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