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Autor: Claudia Oberbeil

Neues Trockenmauer-Biotop mit Sandarium

Im Frühjahr 2026 wurde die südlich ausgerichtete Fläche im Saumbereich der ans ÖBZ angrenzenden Memeler Straße, auf der früher vornehmlich Topinambur angebaut wurde, umgestaltet. Zunächst wurde die Fläche so vorbereitet, dass man auf ihr eine Natursteinmauer errichten konnte. Mit Unterstützung der Ausbildungsabteilung des Bereichs Gartenbau der Landeshauptstadt München wurde hier eine 20 Meter lange Trockenmauer aufgeschichtet und der Bereich dahinter mit Sand aufgeschüttet.

Diese biodiversitätsfördernde Maßnahme umfasst neben der Trockenmauer ein Sandarium und Totholz und wird im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ weiterentwickelt. Demnächst wird sie noch um ein Laichgewässer für Wechselkröten bereichert.

In unmittelbarer Nähe befinden sich das „Rewilding the City“ – Schaubeet und vor dem Haus das inklusive Hochbeet mit heimischen Wildstauden – ebenfalls Aktivitäten, die im Zuge des BioDivHubs-Projekts entstanden sind. Das Hochbeet ist so geformt, dass Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen auch daran arbeiten können. Einen Beitrag über dieses besondere Hochbeet für heimische Spezialisten findet ihr hier).

Angrenzend an die Trockenmauer und das Schaubeet ist die neue Wildbienen-Lernstation installiert, sodass man an diesem Ort auf dichtem Raum vielfältige Biotopstrukturen zeigen kann, was insgesamt das ÖBZ-Gelände als Lernort für Biodiversität aufwertet.

Die Wissenschaftsillustratorin und Künstlerin Valentina Arros hat für das BioDivHubsprojekt schon viele Rewilding-Maßnahmen illustriert – nun hat sie auch diese wunderschöne Lernstation aufwändig gestaltet. Hier kann man spielerisch in das Leben der Wildbienen eintauchen – und im Sommer daneben ihre Nahrungspflanzen in voller Blüte erleben. Wer sich ein bißchen Zeit nimmt, und genau hinschaut, kann auch schon einige Arten unterscheiden lernen…


Text: ÖBZ, Ruth Mahla; Bilder: Ruth Mahla

Hochbeet für heimische Spezialisten

Als mobile Begrünungsmaßnahme bieten Hochbeet gerade im verdichteten Siedlungsbereich attraktive Möglichkeiten. Meist werden Hochbeete mit nährstoffreichem Substrat gefüllt und mit üppig wachsenden Arten wie Sommerblumen und Gemüse bepflanzt, die in kurzer Zeit eine prächtige Optik erzielen. Diese Arten müssen aber auch viel gegossen werden, was in heißen, trockenen Sommern zum Problem werden kann – besonders dann, wenn die Beete an öffentlichen Plätzen oder in Schulhöfen stehen, wo sie nicht ständig bewässert werden können wie auf dem Privatbalkon.

Es gibt aber auch heimische Arten, die mit diesem Hitze- und Trockenstress besser zurechtkommen und weniger Wasser und Pflege benötigen als die übliche Hochbeet-Bepflanzung. Als heimische Pflanzen sind sie für nahrungssuchende Insekten besonders interessant und daher auch ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität.

In der richtigen Kombination bietet die sogenannte Magerrasenvegetation eine attraktive Optik. Manch seltener Art ist uns gar nicht bekannt und kann im Hochbeet aus einer neuen Perspektive kennengelernt werden – neben den vielen Insekten, die sich hier einfinden werden.

Wir haben folgende Arten für den vollsonnigen Standort ausgewählt:

  • Edelgamander (Teucrium chamaedrys)
  • Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia)
  • Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum)
  • Quendel (Thymus pulegioides)
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
  • Schafschwingel (Festuca ovina)
  • Skabiosenflockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Staudenlein (Linum perenne)
  • Taubenskabiose (Scabiosa columbaris)

Unser Hochbeet ist für Rollstuhl-Fahrer*innen konzipiert und kann an einer Seite unterfahren werden. Dadurch entsteht partiell eine flache Substratschicht, in der nur Trockenheits-Spezialisten gedeihen können.

Diese Biodiversitätsmahme entstand 2025/26 im Rahmen des vom BfN geförderten Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“.

© Marc Haug

Koordinaten: 48.153080780583025, 11.634766797819493

Weitere Fotos findet ihr auf der Website des ÖBZ

Bericht vom BioDivHubs-Planungsworkshop:

Am 18. Juni fand das erste Planungstreffen für das BioDivHubs-Projekt „Pflanzung einer Wildobsthecke im Modellquartier Ackermannbogen“ statt. Vor Kurzen wurde eine geeignete öffentliche Fläche nahe beim StadtAcker am Ackermannbogen vom Baureferat, Abteilung Gartenbau dafür freigegeben. In Kooperation mit Green City e.V. kann dort ein Patenschafts-Vertrag abgeschlossen werden. Solange die Fläche vom Projekt und den Teilnehmenden gepflegt wird, können wir dort nun im Herbst Wildobst, Wildrosen und andere Wildgehölze entweder als Hecke oder als lockere Gruppen pflanzen. 10 interessierte Teilnehmer*innen aus der Nachbarschaft wollen bei dem Vorhaben mitmachen und von Anfang an dabei sein. Weitere Beteiligte für die Umsetzung sind jederzeit herzlich willkommen!

Foto: Die Planungsgruppe – im Hintergrund die Fläche (mit Vogelkirsche)

Variante 3

Tatsächlich wurde aus der ursprünglich angedachten Hecke sehr schnell eine Planung für lockere und begehbare Gehölzgruppen in verschiedenen Höhenstaffelungen. Das dreieckige Grundstück eignet sich für eine solche Gestaltung einfach besser. Konrad Bucher, StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Verbundpartner vom MUZ, zeigte uns drei verschiedene Planungsvarianten, wobei sich alle sofort einstimmig für die Variante 3 entschieden. Im nächsten Schritt wird der Entwurf mit dem Baureferat Gartenbau abgestimmt.

Mit Bildern und Beschreibungen der vorgesehen Pflanzen macht uns Konrad Bucher richtig Lust auf die wilden Schönheiten, und wir verabredeten uns zu einem Ausflug zur Baumschule von Ernst Habersbrunner – der Experte für Wildpflanzen und auch Wildgehölze im Münchner Raum.

Wir möchten nur sog. autochthone Wildpflanzen verwenden, die natürlich in der Region München vorkommen und sich seit langer Zeit an die spezifischen Umweltbedingungen hier angepasst haben. Denn die Pflanzung soll nicht nur die menschliche Nachbarschaft erfreuen, sondern vor allem auch für die heimische Tierwelt wichtige ökologische Funktionen erfüllen: Die Blüten bieten den Wildbienen und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum und die Vögel brauchen die Beeren als Nahrung im Sommer und Herbst und das Dickicht als Schutzraum und Nistmöglichkeit.

Bilder: Konrad Bucher

Die meisten Wildfruchgehölze kennt und sieht man oft – Weißdorn, Schlehe, Berberitze und Wildrosen kommen sowohl im Olympiapark als auch im Englischen Garten vor, wobei in Parks und Gärten meistens die aus Asien stammende Berberis thunbergii gepflanzt wird, nicht die heimische Berberis vulgaris. Und von den Wildrosen ist üblicherweise nur die Rosa canina (Hundsrose) bekannt, obwohl bei uns auch viele andere Arten wild vorkommen. Sanddorn und Wacholder sind ebenfalls heimisch, aber weniger häufig zu sehen und an besondere Standortbedingungen gebunden.

Die dreieckige Fläche ist zum größten Teil ein vollsonnig – trocken-heißer Standort – der Boden ein kiesig, sandiger Lehm auf Schotter, wenig humos und eher mager – gute Bedingungen für alle genannnten Arten. Nur im vorderen Zwickel der Fläche ist es zu schattig für sonnenhungrige Arten wie Sanddorn und Wachholder. Hier kann man schattenliebende Wildstauden für den Gehölzrand als Unterpflanzung einfügen. Auch einige Wildrosenarten können halbschattige Bereiche mit ihren Ausläufern füllen, zum Beispiel Zimtrose (Rosa majalis) und Essigrose (Rosa gallica).
Die Feldrose (Rosa arvensis) wächst mit ihren langen Ranken in andere Gehölze hinein und bildet ein dichtes und „kleinteiliges Gewirr“. Die schöne Weinrosa (Rosa rubiginosa) hingegen bildet keine Ausläufer, duftet besonders gut und kann als Solitärpflanze neben dem Weißdorn oder einer Berberitze stehen.

Bilder: Ruth Mahla

Der Maßnahmenkatalog des BioDivHubs-Projekts „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ beinhaltet auch eine detaillierte Pflanzanleitung für Vielfaltshecken: Kostenloser Download hier

Gartentipp vom NABU: Robuste Schönheiten: Heimische Wildrosen für den Naturgarten


Text: Ruth Mahla; Bilder: Konrad Bucher, Ruth Mahla

Ein Sandarium für die Grundschule am Agilolfingerplatz

An der Grundschule am Agilolfinger Platz spielt Bildung für Nachhaltige Entwicklung eine große Rolle: in den letzten Jahren wurden auf dem Schulgelände in gemeinsamer Zusammenarbeit der gesamten Schulfamilie (Schüler*innen, Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeitende, Eltern) ein Blühwiesenstreifen mit einheimischen Wildblumen angelegt und mehrere Hochbeete errichtet. Das Thema Insekten und heimische Biodiversität in der Stadt steht damit im Fokus der Schule und wurde dieses Jahr durch den Bau eines “Sandariums” ergänzt:  Im Rahmen des Projekts BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier entstand ein neues Wildbienen Nisthabitat auf dem Schulhof.

Am Bau beteiligt waren engagierte Eltern und Kinder des Naturindianer BNE-Horts, die  Hort-Leitung Olly Fritsch und Andrea Skiba von Green City e.V. Unter der Anleitung von Gartenbauer  Sascha Geiger entstand in Teamarbeit ein von einer Trockenmauer eingerahmtes Sandarium auf dem Schulhof. Der Standort, in unmittelbarer Nähe des Blühwiesenstreifens, wurde bewusst gewählt, um das Nahrungsangebot für die Wildbienen zu sichern. Während des Baus lernten Kinder und Erwachsene Steine zuzuschneiden und sie mit der richtigen Ausrichtung aufeinander zu setzen. Nach jeder Reihe wurde der Sand aufgefüllt und festgeklopft, bis Steine und Sand aufgebraucht waren. Im letzten Schritt wurde das Sandarium von Schüler*innen mit heimischen Arten bepflanzt und kann jetzt von den Wildbienen besiedelt werden.

Die offizielle Einweihung des Sandariums wird am Schulfest der Agilolfinger Schule am 3. Juli 2026 stattfinden. Green City e.V. stellt dabei das Projekt BioDivHubs der Schulgemeinschaft vor und informiert mit Spielen und kindgerechten Materialien über das Thema Wildbienen.  

Nisthabitate für Wildbienen

Wildbienen sind wichtige Helfer in der Natur. Sie bestäuben Blumen, Obst und Gemüse. Ohne sie gäbe es viele Pflanzen nicht! Die meisten Wildbienen bauen ihre Nester im Boden. Dafür brauchen sie warme, sonnige Plätze mit Sand. Besonders in Städten gibt es oft zu wenige geeignete Orte. Um den Wildbienen zu helfen, bauen Menschen besondere Sandflächen. Diese heißen Sandarium und helfen Wildbienen dabei, einen sicheren Platz zum Nisten zu finden. Im Sand graben die Bienen kleine Gänge und Kammern. Dort legen sie ihre Eier ab und die jungen Bienen können geschützt unter der Erde heranwachsen. Mehr Infos dazu im Maßnahmenkatalog des BioDivHubs Projekts.

Fotos und Text: Andrea Skiba

Convivium meets BioDivHubs

Der Demonstrationsgarten vor der Pinakothek der Moderne.

Die Ausstellung „Convivium – Nahrungssysteme am Limit“ zeigt die global vernetzte Lebensmittelproduktion und die damit verbunden Folgen von Klimawandel über Ressourcenverbrauch bis zu Biodiversitätsverlust.

Der Demonstrationsgarten veranschaulicht das Thema Biodiversität im urbanen Kontext. Die Arten und Sortenvielfalt bildet die Grundlage für die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit. Sie sorgt für stabile Ökosysteme, sauberes Wasser, fruchtbare Böden und liefert die kulinarische Vielfalt auf unseren Tellern.

In Zusammenarbeit mit der Pinakothek der Modernen wurde der BioDivHubs Demonstrationsgarten bei der Sommerküche aufgestellt. Eines der fünf Hochbeete wurde am 27ten Mai mit essbaren (Wild-)Kräutern bepflanzt, welche die Sommerküche für Kochevents nutzen kann. Die Blüten vieler Kräutern sind zudem bei Insekten beliebt, wie z. B. der heimische Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) oder Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides) und Echter Dost (Origanum vulgare).

Am 12.09.26 werden wir aus den frisch geernteten Kräutern und saisonalem & regionalem Gemüse eine Suppe kochen. Treffpunkt um 11:00 Uhr bei der Sommerküche. Der Eintritt für den Besuch der Ausstellung Convivium ist kostenfrei (für alle, die sich zum Workshop anmelden, max. 20 TeilnehmerInnen). Wir werden uns die Ausstellung und den Demonstrationsgarten ansehen und im Anschluss gemeinsam kochen. Dabei in lockerer Atmosphäre über regenerative Landwirtschaft, urbane Selbstversorgung und Biodiversität ins Gespräch kommen.

Anmeldung: david.schoo@tum.de

Das gesamte Programm der Sommerküche und mehr Informationen über die Ausstellung Convivium.

Ein Nest für Menschen

Wie Kunst und Biodiversität in München zusammenfinden.

Mitten in München ist etwas Besonderes entstanden: ein großes, begehbares Nest aus Ästen, Zweigen, Laub und Moos. Kein klassisches Kunstwerk mit Absperrband und „Bitte nicht berühren“, sondern ein lebendiger Ort zum Mitmachen, Austauschen und Verweilen. Das Projekt „Das Nest“ ist Teil des Verbundprojekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ und wurde von Green City e.V. gemeinsam mit der Giesinger Künstlerin Katharina Schweissguth und der Lehrkraft Nadja Gruber mit der 7a der Mittelschule an der Fromundstraße umgesetzt.

Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie kraftvoll: Menschen bauen gemeinsam einen Raum aus Naturmaterialien – inspiriert vom Nestbau der Vögel. Dabei entsteht nicht nur eine organische Struktur, sondern auch ein Ort der Begegnung.

Biodiversität erlebbar machen

Das Nest ist Teil des größeren Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“. Ziel dieses Münchner Verbundprojekts ist es, biologische Vielfalt direkt in die Stadtviertel zu bringen und gemeinsam mit den Bewohner*innen neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Tiere zu schaffen.

In Modellquartieren wie Giesing oder der Isarvorstadt entstehen dabei nicht nur Blühflächen und begrünte Innenhöfe, sondern auch Orte des Lernens und Mitgestaltens. Die sogenannten BioDivHubs verbinden Nachbarschaft, Wissenschaft, Umweltbildung und kreatives Engagement miteinander.

Gerade Projekte wie „Das Nest“ zeigen, dass Biodiversität weit mehr ist als Naturschutz im klassischen Sinne. Es geht auch darum, die Beziehung zwischen Mensch und Natur neu zu erleben – mitten im urbanen Alltag.

Kunst, die verbindet

Für Katharina Schweissguth steht der Nestbau symbolisch für ein menschliches Grundbedürfnis: Schutz, Gemeinschaft und Geborgenheit. Besonders spannend ist dabei die Arbeitsweise: gebaut wird ohne festen Plan, nur mit den vorhandenen Naturmaterialien und gemeinsamer Körperkraft – ähnlich wie Vögel ihre Nester erschaffen.

Genau darin liegt die besondere Qualität des Projekts. Wer mitbaut, erlebt unmittelbar, wie aus einzelnen Zweigen Schritt für Schritt ein gemeinsamer Raum entsteht. Menschen kommen ins Gespräch, helfen einander und entdecken dabei ganz nebenbei die Schönheit und Bedeutung natürlicher Materialien.

Das Nest wird so zu einem Symbol dafür, wie Stadtgesellschaft funktionieren kann: offen, gemeinschaftlich und im Einklang mit der Natur.

Green City e.V. als Motor für urbane Stadtnatur

Green City e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für nachhaltige Stadtentwicklung, Klimaschutz und urbanes Grün in München. Im Rahmen der BioDivHubs koordiniert der Verein zahlreiche Mitmachformate, Workshops und Aktionen, die zeigen, wie Biodiversität direkt vor der eigenen Haustür gefördert werden kann.

Besonders schön: Die Projekte richten sich ausdrücklich an alle Menschen im Quartier. Vorkenntnisse braucht es nicht – nur Neugier und Lust, gemeinsam aktiv zu werden.

Ein temporärer Ort mit bleibender Wirkung

Auch wenn das Nest selbst vergänglich ist und sich mit der Zeit wieder in die Natur zurückverwandelt, bleibt seine Wirkung bestehen. Es schafft Aufmerksamkeit für Stadtnatur, regt Gespräche an und macht sichtbar, wie gemeinschaftliche Aktionen öffentliche Räume verändern können.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des Projekts: Biodiversität beginnt nicht irgendwo weit draußen, sondern direkt dort, wo Menschen zusammenkommen, gestalten und Verantwortung übernehmen. Manchmal reicht dafür schon ein Haufen Äste – und die Bereitschaft, gemeinsam etwas wachsen zu lassen.

Text und Bilder: Marion Eder.

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt

Am heutigen 22. Mai, dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt, möchten wir auf die bisherigen Entwicklungen unseres Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ aufmerksam machen. Seit Projektbeginn im Juni 2023 engagieren wir uns in den vier Münchner Modellquartieren Ackermannbogen, Bogenhausen, Giesing und Isarvorstadt für mehr Biodiversität und ökologische Lebensqualität im urbanen Raum. Mit zahlreichen Maßnahmen und gemeinschaftlichen Initiativen schaffen wir naturnahe Lebensräume, stärken lokale Netzwerke und das Bewusstsein für Biodiversität im Alltag und fördern ökologische Vielfalt direkt im Quartier.

In den vergangenen drei Jahren wurden in den vier Modellquartieren insgesamt 13 Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt wie „Naturschutz auf dem Balkon“, Blühflächen, Bepflanzung von Frühblüher, Rewilding-Schaubeet, Totholz-Nest, Benjeshecken, Trittstein-Biotopen, usw. Knapp 140 Veranstaltungen wurden durchgeführt, von Informationsveranstaltungen über Workshops bis hin zu Führungen und mit über 2355 Teilnahmen. Auf den insgesamt 15 sogenannten Studiengärten wurden bereits 18 praktische Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt wurden, wie Staudenbeete, Sandarien, Vielfalthecken, usw., und verschiedene Aktionen zur Förderung der Biodiversität fanden statt. Ein umfassender Maßnahmenkatalog für Gärtner*innen wurde auch veröffentlicht und ist kostenlos zum Downloaden. Diese Biodiversitätsmaßnahmen in den Modellquartiere und in den Studiengärten kann man ab jetzt auch auf unserer interaktiven Maßnahmenkarten zu sehen!

Das Projekt „BioDivHubs“ läuft noch bis Ende Mai 2028 und wir freuen uns auf die kommenden Jahre voller Begegnung, Gestaltung und Wachstum für mehr Artenvielfalt in der Stadtnatur!

Foto: MakroWilli

Heute ist Weltbienentag

Wenn wir über Bienen sprechen, denken viele zuerst an Honigbienen. Doch in Deutschland leben über 500 Wildbienenarten, darunter Hummeln, Mauer- oder Sandbienen. Viele von ihnen sind bedroht und für unsere Ökosysteme genauso wichtig wie die Honigbiene.

Honigbienen sind Generalistinnen: Sie nutzen viele verschiedene Blütenpflanzen und können weite Strecken fliegen. Viele Wildbienen dagegen sind spezialisiert und auf ganz bestimmte heimische Pflanzen oder Familien angewiesen. Manche schaffen nur wenige hundert Meter bis zur nächsten Nahrungsquelle. Genau deshalb sind vielfältige, naturnahe Blühflächen in der Stadt so wichtig!

Im BioDivHub-Projekt setzen wir uns für mehr Biodiversität in München ein: mit urbanen Gärten, naturnahen Flächen und gemeinschaftlichem Engagement für Mensch und Natur.

Was hilft?
✔️ heimische Pflanzen
✔️ weniger Mähen
✔️ wilde Ecken zulassen
✔️ pestizidfreie Gärten
✔️ mehr Lebensräume statt nur mehr Bienenstöcke

Fotos: David Schoo

Rewilding Ackermannbogen: Pflanzaktion im Wildstaudenbeet

Zu unserer Freude haben alle Pflanzen, die die Nachbarschaft am Ackermannbogen letztes Jahr im großen, halbschattigen Dreiecksbeet vor dem Rigoletto am Ackermannbogen gepflanzt hat, überlebt und die Frühlingsgeophyten blühten auch schon in dieser ersten Saison wunderschön. Trotzdem sieht das Beet in den Augen vieler, die buntere und üppigere Beete gewohnt sind etwas karg aus. Klar – unsere aus Projektmitteln gekauften Pflanzen im ersten Jahr sind noch sehr klein und die Schönheit der Wildpflanzen ist oft auch durch ihre Zartheit nicht so offensichtlich, wie die großen Blüten der gezüchteten Prachtgewächse. Deswegen hat Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt mit seinem engagierten Team am Ackermannbogen beschlossen, einige Stauden nachzupflanzen, damit sie schneller zu dichten Polstern zusammenwachsen können.

Die Skizze zeigt die Anlage des sog. Dreiecksbeetes unter 3 Bäumen mit einer Vielzahl von Arten, die typisch sind für halbschattige heimische Waldssäume mit kleinen Sonneninseln. Hohe und üppige Leitstauden wie der Waldgeißbart und der klebrige Salbei werden eingerahmt von niedrigeren Arten, so dass sich eine abwechslungsreiche Struktur ergibt.

Gemeinsames Pflanzen und Lernen

Das BioDivHubs-Projekt hat nicht nur das Ziel, die biologische Vielfalt in vier ausgewählten Münchner Quartieren zu fördern, sondern vor allem auch die Menschen für alle Aspekte der Biodiversität in ihrem städtischen Lebensumfeld zu sensibilisieren und zu begeistern. Und so hat sich am Ackermannbogen ein Kreis von Freiwilligen gebildet, die unter der fachlichen Leitung von StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Mitarbeiter Konrad Bucher nicht nur ihre eigenen Balkone, Terassen und Gärten ökologisch aufwerten, sondern auch Pflanzungen auf öffentlichen Flächen im Viertel durchführen und dabei selbst zu Expert*innen für heimische Wildpflanzen werden.

Innerhalb einer Stunde waren die Wildpflanzen gesetzt – nun musste die Fläche noch ausreichend gewässert werden, damit Brauner Storchschnabel, Graslilien, Odermennig & Co auch gut anwachsen. Ist der Boden einmal durch den dichten Bewuchs vollständig beschattet und sind die Pflanzen älter und robuster, muss dieses Beet nur bei anhaltender Hitze und Trockenheit im Sommer gegossen werden.

Das ausgiebige Wässern des Beetes hat über eine Stunde gedauert

Für einen dauerhaften Erfolg solcher Pflanzungen ist es wichtig, dass sich die Nachbarschaft weiter darum kümmert – jätet, nachpflanzt und bei Bedarf gießt, denn wir bekommen nur die Erlaubnis öffentliche Flächen zu gestalten, wenn der Stadtverwaltung nicht zusätzliche Arbeit daraus erwächst.

Text und Fotos: Ruth Mahla

Gefördert durch:

Mit Unterstützung von:

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