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5. August 2020

Das Saumhabitat am ÖBZ

Im Januar 2026 bewarb sich das Münchner Umwelt-Zentrum e.V. am ÖBZ mit dem BfN-Projekt „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ für den Bayerischen Biodiversitätspreis im Wettbewerb des Bayerischen Naturschutzfonds, der in diesem Jahr unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“ stand. Der Schwerpunkt passte, denn auf dem ÖBZ-Gelände haben wir im Rahmen des Projekts das Saumhabitat entlang der Böschung zur Memeler Straße in den Fokus genommen (siehe Abb. 1), um diesen Bereich aufzuwerten.

Für die Teilnahme an diesem Wettbewerb erhielten wir eine Anerkennungsurkunde, unterzeichnet von Staatsminister Thorsten Glauber, als Würdigung unseres Beitrags zum Arten- und Biotopschutz.

Ein Saumbiotop in der Stadt

Das Saumbiotop erweitert den bereits bestehenden NaturErlebnisRaum des ÖBZ mit dem Ziel, unterschiedliche Biodiversitäts-Elemente innerhalb des bestehenden Gehölzsaums zu entwickeln. Die Bedeutung von Säumen und das Zusammenwirken einzelner Elemente wie Hecke, Trockenmauer, Sandarium, Laichgewässer kann damit anschaulich vermittelt werden.

Abbildung 1: Standort des zukünftigen Saumhabitats, © Konrad Bucher

Der nach Süden orientierte Gehölzsaum bietet den wärmsten und ökologisch interessantesten Standort des Grünzugs, weil er als Übergangslebensraum auf wenig Fläche unterschiedliche Kleinklimate verbindet und dadurch Bedingungen für vielfältige Bedürfnisse erfüllt. Mit seinem Strukturreichtum bietet der schmale Streifen ganzjährig Nahrungs-, Fortpflanzungs-, Rückzugs- und Überwinterungshabitate für verschiedene Arten. Beispielsweise gibt es in diesem Bereich eines der wenigen übrigen Wechselkröten-Vorkommen im Münchner Raum.
Lineare Strukturen wirken generell als geschützte Korridore für die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Überall gibt es entlang von Wegen oder Begrenzungen derartige Saum-Strukturen. Konzepte für deren Entwicklung lassen sich also auf unterschiedliche Orte übertragen, die in der Summe als Trittsteinbiotope funktionieren.

Somit hat die Maßnahme modellhaften Charakter für ähnliche Aufwertungen in der Stadt und basiert auf einem übertragbaren Konzept für die Anlage von Saumhabitaten mit unterschiedlichen biodiversitätsfördernden Elementen. Durch eine aussagekräftige Beschilderung und Angeboten für Workshops und Führungen wird es Teil der BNE-Programme des ÖBZ.

Unterschiedliche Elemente innerhalb des Saumhabitats

Abbildung 2: Elemente des Saumhabitats, © Konrad Bucher

Entlang der Böschung werden unterschiedliche Elemente geplant und umgesetzt, siehe Abb. 2.

Die bestehenden Heckenstrukturen werden um weitere Arten, speziell auch essbare Wildobstarten ergänzt, und auch die Krautschicht wird artenreicher gestaltet. An einem Teil der Böschung planen wir eine Lehmsteilwand als Biotop für bodennistende Wildbienen.

Die Trockenmauer mit Sandarium

Als größere Maßnahme im Frühjahr 2026 haben wir mit Unterstützung der Galabau-Azubis der Landeshauptstadt München den sonnigsten und damit wärmsten Ort in diesem Saum mit einer Natursteinmauer umgestaltet und dahinter ein Sandarium angelegt (eine Anleitung für die fachgerechte Umsetzung findet sich im Maßnahmenkatalog, einem Produkt des BioDivHubs-Projekts). Im Juni haben wir in unmittelbarer Nähe die von Valentina Arros konzipierte Wildbienen-Lernstation mit vier interaktiven Schautafeln installiert (www.biodivhubs.net/neues-trockenmauer-biotop-sandarium).

Zurück zur Trockenmauer: Durch den gegebenen Niveau-Unterschied entlang der Böschung und durch die Südorientierung sind die Bedingungen für einen xerothermen Trockenmauer-Standort wie geschaffen.. Die Trockenmauer bietet mit ihrem Strukturreichtum vielfältigste Nist- und Versteckmöglichkeiten für viele Arten, vor allem Insekten und Amphibien. Der größte Teil der Trockenmauer wurde mit unterschiedlichem Steinmaterial gebaut, andere Abschnitte aus Totholz. Die ganze Fläche hinter der Trockenmauer, also das neu geschaffene, hohe Niveau wird mit durchlässigem Material und Sand aufgefüllt. Was die Bepflanzung betrifft, bietet die Trockenmauer endlich ein großes Potential für die Verwendung all der Arten der trockenwarmen Standorte, die auf den bislang üblichen Beetstandorten keine geeigneten Voraussetzungen finden.

Das Wechselkröten-Biotop

Innerhalb des Sandariums setzen wir in den kommenden Wochen eine weitere Biodiversitätsmaßnahme um: Ein Laichgewässer für die Wechselkröte. Da es im Umfeld des ÖBZ einen Wechselkrötenbestand gibt, wurde hier mit Unterstützung des LBV bereits vor Jahren ein flaches Laichgewässer vor dem Gehölzrand angelegt. Hier laichen Arten wie Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch. Weil dieser Teich inzwischen stark bewachsen ist und das Wasser im Winter nicht abgelassen werden kann, wird er von den Wechselkröten nicht genutzt. Deshalb legte die Gartengruppe als Experiment innerhalb der ÖBZ-Gärten ein kleines ablassbares Laichgewässer an, das von Wechselkröten sofort angenommen wurde. Um den Fortbestand der Population zu sichern, reicht seine Größe jedoch nicht aus. Aus diesem Grund wird jetzt auf dem höher gelegenen Niveau hinter der Trockenmauer ein größeres Biotop für die wärmeliebende Wechselkröte angelegt, diesmal mit seitlichem Wasserabfluss. Die Hohlräume der Trockenmauer dienen den Wechselkröten erfahrungsgemäß ganzjährig als Versteck. Der Standort ist also ideal, die Vorbereitungen sind bereits getroffen.

Die Herausforderung, sensible Bereiche einerseits zu schützen, sie gleichzeitig im Sinne eines lebendigen Lernorts für Besucher*innen gut zugänglich zu machen, kann durch die abgrenzende Funktion einer Trockenmauer gelingen.

Partizipation als Herangehensweise bei Planung und Umsetzung

Die Gestaltung des Saumhabitats macht das Zusammenwirken unterschiedlicher Strukturen und Elemente innerhalb dieses Ökosystems erleb- und begreifbar. Der Wert der einzelnen Maßnahmen erhöht sich in der Wechselbeziehung zu den anderen Maßnahmen. Das zu verstehen funktioniert am nachhaltigsten, wenn man an von der Planung bis zur Umsetzung aktiv beteiligt ist. Deshalb ist das ganze Projekt als längerfristiger partizipativer Prozess angelegt. Bei möglichst vielen Schritten sollen interessierte Menschen aus dem Quartier, der Gemeinschaftsgarten-Gruppen, auch von Schulen und Auszubildende beteiligt werden.

Wir möchten die Menschen in vorbereitenden Workshops und Aktionen für die Biodiversität begeistern, das Kennenlernen der Arten ermöglichen und die Beziehung zum Ort und den entstehenden Maßnahmen fördern. Die erfolgreiche Einbeziehung einer breiten Zielgruppe erhöht die Chance auf ein längerfristiges Engagement bei Weiterentwicklung und Pflege der entstehenden Maßnahmen.

Für den 4. September 2026 laden wir zur nächsten Mitmachaktion ein. An diesem Tag werden wir am ÖBZ das Wechselkrötengewässer anlegen. Wer Interesse hat, daran mitzuwirken, melde sich bitte hier im ÖBZ an.


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