Genetische Diversität – Projekt Bohnenvielfalt
Woran denken wir, wenn vom Schutz der biologischen Vielfalt die Rede ist? Meist erscheinen vor unserem inneren Auge seltene Vogel- oder Schmetterlingsarten, vielleicht auch Rote-Liste-Pflanzen. Wir denken fast immer an Arten. Doch biologische Vielfalt meint viel mehr: Sie umfasst auch die genetischen Unterschiede innerhalb einer Art – und gerade diese innerartliche Vielfalt ist entscheidend für die Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen.
Sehr anschaulich lässt sich genetische Vielfalt an der Sortenvielfalt von Kulturpflanzen begreifen, zum Beispiel bei Bohnen. Über Jahrtausende haben Menschen unzählige Bohnensorten selektiert und weitergegeben – ein riesiger Genpool, der weltweit zur Ernährungssicherheit beiträgt. Seit Saatgutzüchtung und Vermarktung zunehmend in den Händen weniger Unternehmen liegen, ist die Sortenvielfalt jedoch drastisch zurückgegangen. Mit jeder verschwindenden alten Sorte geht genetisches Potenzial verloren, etwa für Anpassung an Klima, Schädlinge oder lokale Böden. Sortenvielfalt ist letztlich eine Lebensversicherung.
Um Sortenverlust entgegenzuwirken, sammelt die Gartengruppe am Ökologischen Bildungszentrum seit vielen Jahren traditionelle Bohnensorten, die nicht mehr im Handel erhältlich sind. Damit diese Vielfalt wieder in Privatgärten wächst, wird das Saatgut – etwa beim Saatgutfestival am 1. März 2026 – gegen Spende abgegeben. Die Vorbereitung ist aufwändig, denn es handelt sich um hunderte Sorten. Deshalb füllten am 17. Januar zahlreiche Freiwillige gemeinsam Tütchen und sprachen darüber, wie wichtig der Erhalt traditioneller Sorten ist und wie man sie selbst vermehren kann.
Was bei Bohnen gilt, gilt auch für Wildpflanzen
Auch bei Wildpflanzen spielt die genetische Variabilität innerhalb einer Art eine zentrale Rolle. Deshalb darf bei Naturschutzmaßnahmen nur Saatgut aus demselben Herkunftsgebiet verwendet werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass tatsächlich die regional angepassten Pflanzen erhalten werden. Wird Saatgut aus größeren Entfernungen eingebracht, spricht man von Florenverfälschung – und riskiert, die lokale genetische Identität einer Art zu verlieren.
Im Verbundprojekt BioDivHubs dient das Bohnenprojekt deshalb als wertvolles Beispiel, um die Bedeutung genetischer Vielfalt verständlich zu machen. Auf Bildungsebene verknüpfen wir bewusst die Erhaltung der Sortenvielfalt mit dem Schutz heimischer Wildpflanzen: In beiden Fällen geht es im Kern um denselben Sachverhalt – um die überlebensnotwendige Bedeutung der genetischen Biodiversität.
Text und Bild: Konrad Bucher