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9. März 2026

Thymian-Sandarium – ein Kräuterbeet für Mensch und Biene

Untersuchungen der TU München haben ergeben, dass im StadtAcker 48 verschiedene Arten von Wildbienen vorkommen. Die Gattung der Hummeln ist zum Beispiel schon mit zehn Arten vertreten. Auch seltene Arten wie die Veränderliche Hummel, die Waldhummel oder die Kleine Gartenblattschneiderbiene wurden von den Wissenschaftlerinnen entdeckt – eine enorme Vielfalt auf so kleiner Fläche.

Es lohnt sich also, einen Garten naturnah und ohne Gifte zu bewirtschaften. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Förderung der Insektenvielfalt. Wer darüber hinaus gezielt etwas für Wildbienen tun möchte, sollte zwei Dinge im Blick behalten: reichlich Blüten für Pollen und Nektar – und sichere, winterfeste Nistplätze für den Nachwuchs. Denn die meisten Wildbienen, rund 75 %, nisten im Boden. Sie graben verzweigte Gänge, an deren Enden Brutzellen liegen: kleine, abgeschlossene Kammern, in denen das Ei und ein Vorrat aus Pollen deponiert werden. Der Boden sollte sandig-locker sein, aber auch lehmige Anteile enthalten, damit die Gänge stabil bleiben. Sandarien – also sandige, weitgehend offene Bodenflächen – sind eine bewährte Maßnahme, um vielen Arten geeignete Nistmöglichkeiten zu bieten.

In einem Gemeinschaftsgarten, der von vielen Menschen genutzt wird, gibt es allerdings kaum Bereiche mit offenem Boden, der ungestört bleiben kann. Jeder Fleck ist bepflanzt mit Blumen, Kräutern, Gemüse oder Beerensträuchern. Die meisten Beete werden gegossen und regelmäßig gelockert. Also kein Platz für Wildbienen? Doch – wenn man die Bedürfnisse von Mensch und Biene miteinander verbindet.

Im StadtAcker wünschte sich die Kräutergruppe zum Beispiel einen eigenen Platz für den Thymian, der zwischen den anderen Kräutern oft untergeht, weil er weniger stark wächst. So entstand die Idee für das Thymian-Sandarium. Wildbienen und Thymian haben nämlich ähnliche Ansprüche: beide mögen einen trocken-warmen Standort, durchlässiges Substrat und volle Sonne, und sie vertragen es gut, wenn der Boden zwischendurch austrocknet.

Aus gebrauchten Ziegelsteinen bauten die Gärtner:innen zwei Hochbeete, die mit wenig Pflanzerde und viel Sand befüllt wurden. Die Ecken wurden mit verschiedenen Wild-Thymianarten bepflanzt, deren Blüten vielen Wildbienen begehrte Nahrung bieten. Der mittlere Bereich der Hochbeete bleibt frei. So kann sich der Thymian konkurrenzfrei ausbreiten – und die Wildbienen finden genügend offenen Boden für ihre Nistplätze.

Das Beet wurde letzten Sommer angelegt. Der Thymian hat den Winter im trockenen Substrat gut überstanden. Ob sich im Frühjahr nun auch die Wildbienen einfinden, wird sich zeigen.

Text und Bilder: Konrad Bucher

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