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Monat: März 2026

BioDivHubs-Symposium 2025

Tagungsdokumentation und Video.

Wie kann Biodiversität in der Stadt gedacht und gemeinsam gestaltet werden? Rund 50 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung, Naturschutz und Stadtgesellschaft haben sich am 14. November 2025 im Ökologischen Bildungszentrum München (ÖBZ) genau dieser Frage gewidmet.

Das 1. BioDivHubs-Symposium „Biodiversität denken – Vom Verstehen verschiedener Perspektiven zum gemeinsamen Gestalten“ am 14.11.2025 war Teil des Verbundprojekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“. Die komplette Tagungsdokumentation (56 Seiten) und ein stimmungsvoller 3-Minuten-Videoclip sind ab sofort online.

Das Programm im Überblick

  • Philosophischer Impuls: Prof. Dr. Benjamin Rathgeber (Philosophische Hochschule München) und Michael Hebenstreit (Erbach i. Od.)
  • Projektvorstellungen: Zwischenergebnisse aus „BioDivHubs“ – Strukturen schaffen, Citizen Science, Engagement verstehen und vor Ort gestalten
  • Fachgespräch „Rewilding the City“: Zwischen gärtnerischen Bedürfnissen und Naturschutz (u. a. mit Dr. Ernst Habersbrunner, Bund Naturschutz, und Prof. Dr. Monika Egerer, TUM)
  • Drei parallele Workshops
    • WS 1: Die beste Biodiversitätsmaßnahme ist Beziehungspflege!
    • WS 2: Welcher Biodiversitätstyp bin ich? (mit kreativen Horoskopen für 2026)
    • WS 3: Kreativer Praxisworkshop – Ein Nest aus Totholz (Landart-Kunstaktion)

Zentrale Erkenntnisse

Das Symposium hat gezeigt: Biodiversität ist kein rein biologisches Thema, sondern vor allem ein gesellschaftlicher und kultureller Aushandlungsprozess. Erst wenn wir die eigenen Bilder von „Natur“ und „Biodiversität“ reflektieren, können wir Missverständnisse vermeiden und wirklich gemeinsam handeln.

Besonders deutlich wurde das Spannungsfeld in Gemeinschaftsgärten: Hier treffen Freude am Gärtnern, sozialer Zusammenhalt und naturschutzfachliche Anforderungen (z. B. Florenverfälschung vs. lokaler Genpool) aufeinander. Genau dort liegt das große Potenzial des Projekts.

Jetzt downloaden: Die komplette Tagungsdokumentation

Die 56-seitige Dokumentation enthält:

  • Das vollständige Programm
  • Zusammenfassenden Bericht
  • Alle Impulsbeiträge und Workshop-Ergebnisse
  • Fotodokumentation und Impressum

Das 2. BioDivHubs-Symposium findet am 18. November 2026 statt.

Fotos: Marc Haug

Kleine Inseln der Hoffnung

Warum Trittsteinbiotope in der Stadt so wertvoll sind:

Trittsteinbiotope sind viel mehr als nur kleine grüne Flächen zwischen Häusern, Straßen und Asphalt. Sie sind lebendige Oasen, die der Natur eine Chance geben, sich auch in dicht bebauten Stadtgebieten zu entfalten. Blühende Stauden, summende Insekten und farbenfrohe Pflanzen zeigen, dass Natur und Stadt keine Gegensätze sein müssen – sondern sich gegenseitig bereichern können.

Diese kleinen Naturinseln haben eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt in der Stadt. Sie helfen dabei, Lebensräume miteinander zu verbinden, sodass Tiere und Pflanzen sich ausbreiten, Nahrung finden und neue Orte besiedeln können. Besonders für Bestäuberinsekten sind solche Flächen lebenswichtig. Jede Blüte, jede Staude und jede unversiegelte Ecke kann ein wertvoller Rückzugsort sein. Projekte wie die Gestaltung von Trittsteinbiotopen zeigen, wie viel Kraft in gemeinschaftlichem Engagement steckt, wenn Menschen sich für ihre direkte Umgebung einsetzen.

In der Münchner Isarvorstadt hat Green City e.V. im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier insgesamt vier solcher Trittsteinbiotope umgesetzt und angelegt. Diese befinden sich an folgenden Standorten:

  • Bahnwärter Thiel
  • Kapuzinerplatz
  • Blumenstraße
  • Reichenbachplatz

Diese vier Inseln bilden ein kleines Netzwerk, das die Stadt ökologisch vernetzt, Lebensräume schafft und den Menschen gleichzeitig eine Freude macht. Jede Fläche ist ein kleines Meisterwerk aus Pflege, Gestaltung und Engagement.

Doch diese Schönheit zu erhalten, ist harte Arbeit. Die Pflanzen brauchen kontinuierliche Pflege, und leider sind sie manchmal Gefahren ausgesetzt: Vandalismus, das Pflücken von Blumen für den eigenen Küchentisch oder das Betreten sensibler Bereiche führt oft zu Schäden. Auch Müll und achtloses Verhalten beeinträchtigen die Mühe, die in diese kleinen Paradiese gesteckt wird. Viele Stunden Arbeit stecken hinter jeder Blüte, jedem Samen und jeder Biene, die hier eine Heimat findet.

Gleichzeitig gibt es eine unglaublich ermutigende Seite: den großen Zuspruch von Passanten, Anwohnerinnen und Anwohnern. Viele bleiben stehen, beobachten das Summen der Insekten, freuen sich über die Farbenpracht und bedanken sich für die sichtbare Veränderung im Stadtbild. Diese Rückmeldungen zeigen, wie stark solche grünen Inseln emotional wirken können. Sie schaffen Lebensqualität, laden zum Durchatmen ein und schenken ein Stück Natur zurück in den Alltag.

Trittsteinbiotope sind damit nicht nur ein ökologischer Gewinn, sondern auch ein soziales und emotionales Geschenk für die Stadtgemeinschaft. Sie erinnern uns daran, wie wertvoll Gemeinschaft, Naturverbundenheit und Verantwortungsbewusstsein sind. Jeder achtsam behandelte Quadratmeter Natur ist ein Beitrag zu einer lebenswerteren, nachhaltigeren und freundlicheren Stadt.

Text: Marion Eder ; Bilder: © Green City e.V.

Thymian-Sandarium – ein Kräuterbeet für Mensch und Biene

Untersuchungen der TU München haben ergeben, dass im StadtAcker 48 verschiedene Arten von Wildbienen vorkommen. Die Gattung der Hummeln ist zum Beispiel schon mit zehn Arten vertreten. Auch seltene Arten wie die Veränderliche Hummel, die Waldhummel oder die Kleine Gartenblattschneiderbiene wurden von den Wissenschaftlerinnen entdeckt – eine enorme Vielfalt auf so kleiner Fläche.

Es lohnt sich also, einen Garten naturnah und ohne Gifte zu bewirtschaften. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Förderung der Insektenvielfalt. Wer darüber hinaus gezielt etwas für Wildbienen tun möchte, sollte zwei Dinge im Blick behalten: reichlich Blüten für Pollen und Nektar – und sichere, winterfeste Nistplätze für den Nachwuchs. Denn die meisten Wildbienen, rund 75 %, nisten im Boden. Sie graben verzweigte Gänge, an deren Enden Brutzellen liegen: kleine, abgeschlossene Kammern, in denen das Ei und ein Vorrat aus Pollen deponiert werden. Der Boden sollte sandig-locker sein, aber auch lehmige Anteile enthalten, damit die Gänge stabil bleiben. Sandarien – also sandige, weitgehend offene Bodenflächen – sind eine bewährte Maßnahme, um vielen Arten geeignete Nistmöglichkeiten zu bieten.

In einem Gemeinschaftsgarten, der von vielen Menschen genutzt wird, gibt es allerdings kaum Bereiche mit offenem Boden, der ungestört bleiben kann. Jeder Fleck ist bepflanzt mit Blumen, Kräutern, Gemüse oder Beerensträuchern. Die meisten Beete werden gegossen und regelmäßig gelockert. Also kein Platz für Wildbienen? Doch – wenn man die Bedürfnisse von Mensch und Biene miteinander verbindet.

Im StadtAcker wünschte sich die Kräutergruppe zum Beispiel einen eigenen Platz für den Thymian, der zwischen den anderen Kräutern oft untergeht, weil er weniger stark wächst. So entstand die Idee für das Thymian-Sandarium. Wildbienen und Thymian haben nämlich ähnliche Ansprüche: beide mögen einen trocken-warmen Standort, durchlässiges Substrat und volle Sonne, und sie vertragen es gut, wenn der Boden zwischendurch austrocknet.

Aus gebrauchten Ziegelsteinen bauten die Gärtner:innen zwei Hochbeete, die mit wenig Pflanzerde und viel Sand befüllt wurden. Die Ecken wurden mit verschiedenen Wild-Thymianarten bepflanzt, deren Blüten vielen Wildbienen begehrte Nahrung bieten. Der mittlere Bereich der Hochbeete bleibt frei. So kann sich der Thymian konkurrenzfrei ausbreiten – und die Wildbienen finden genügend offenen Boden für ihre Nistplätze.

Das Beet wurde letzten Sommer angelegt. Der Thymian hat den Winter im trockenen Substrat gut überstanden. Ob sich im Frühjahr nun auch die Wildbienen einfinden, wird sich zeigen.

Text und Bilder: Konrad Bucher

Warum Frühlingsgeophyten so wichtig sind?

Sie sind fast überall zu sehen in der Stadt momentan… Schneeglöckchen, Krokusse, Blausterne, Märzenbecher… Wenn nach dem Winter die ersten Pflanzen blühen, gehören sie meist zu den sogenannten Frühlingsgeophyten. Diese Pflanzen nutzen eine besondere Strategie: Sie treiben sehr früh im Jahr aus, blühen schnell und ziehen sich danach wieder in ihre unterirdischen Speicherorgane wie Zwiebeln oder Knollen zurück.

Frühe Blüte sind besonders wertvoll für unsere Ökosysteme

Zu einer Zeit, in der sonst kaum Nahrung verfügbar ist, bieten ihre Blüten wichtigen Nektar und Pollen für Insekten. Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber sind im zeitigen Frühjahr besonders auf solche Nahrungsquellen angewiesen, um ihre Energie nach dem Winter wieder aufzubauen.

Auch für das Stadtgrün spielen Frühlingsgeophyten eine wichtige Rolle. Sie wachsen oft unter Bäumen oder auf Wiesen und nutzen das Licht, bevor sich die Baumkronen schließen. So tragen sie zur Biodiversität bei und machen Parks, Gärten und Grünflächen schon früh im Jahr bunt und lebendig.

Kleine Biodiversitätsmaßnahme mit großer Wirkung!

Wer Frühlingsgeophyten im Garten oder auf Grünflächen fördert, unterstützt nicht nur die Artenvielfalt, sondern hilft auch den ersten Insekten des Jahres zu Beginn der neuen Saison. Es sind kleine Blüten mit großer Wirkung! Seit Oktober 2019 wurden im Park des Ökologischen Bildungszentrums (ÖBZ) im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ mehr als 1.000 Frühlingsblumen gepflanzt. Wichtig ist dabei, auf einheimische Formen der Frühlingsblüher zu achten. Mehr dazu erfahren Sie in diesen Blogbeiträge: Schlüsselblumen; Frühblüher-Pflanzaktion am ÖBZ und Ergebnisse der Geophyten-Pflanzaktion.

Text und Bild: Dr. Julia Gamberini – „Alltagspoesie: Märzebecher (Leucojum vernum) in grauer Wüste“

BioDivHubs beim 8. Saatgut-Festival!

Am 1. März fand im Ökologisches Bildungszentrum München (ÖBZ) das 8. Saatgut-Festival statt. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und bot neben einer stark frequentierten Tauschbörse einen großen Info- und Saatgutmarkt, Mitmachaktionen für Kinder sowie eine vielseitige Vortragsreihe. Thematisiert wurden unter anderem Förderprogramme der Landeshauptstadt München für mehr Biodiversität, praktische Tipps für die naturnahe Gartenarbeit, der Umgang mit autochthonen Pflanzen sowie Fragen der Saatgutsouveränität und aktuelle politische Entwicklungen.

Das BioDivHubs-Projekt war gemeinsam mit dem Netzwerk Urbane Gärten München mit einem Infostand vertreten. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der an der Technische Universität München entwickelten Saatgutmischung zur Förderung artenreicher und standortangepasster Blühflächen im urbanen Raum. Das Interesse war groß: über hundert Saatgut-Tütchen wurden im Laufe des Tages verteilt!

Eine Anleitung zur Anlage einer Blühwiese sowie weiterführende Informationen finden sich im Kapitel „Blühwiese“ unseres Maßnahmenkatalogs (hier zum Download).

Ein herzlicher Dank gilt dem Referat für Klima- und Umweltschutz München (RKU) der Landeshauptstadt München für die wertvolle Unterstützung.

Save the Date: Das 9. Saatgut-Festival am ÖBZ ist für den letzten Februarsonntag des kommenden Jahres geplant.

Text und Bilder: Dr. Julia Gamberini

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