Zum Hauptinhalt springen

Autor: Julia Gamberini

Kleine Inseln der Hoffnung

Warum Trittsteinbiotope in der Stadt so wertvoll sind:

Trittsteinbiotope sind viel mehr als nur kleine grüne Flächen zwischen Häusern, Straßen und Asphalt. Sie sind lebendige Oasen, die der Natur eine Chance geben, sich auch in dicht bebauten Stadtgebieten zu entfalten. Blühende Stauden, summende Insekten und farbenfrohe Pflanzen zeigen, dass Natur und Stadt keine Gegensätze sein müssen – sondern sich gegenseitig bereichern können.

Diese kleinen Naturinseln haben eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt in der Stadt. Sie helfen dabei, Lebensräume miteinander zu verbinden, sodass Tiere und Pflanzen sich ausbreiten, Nahrung finden und neue Orte besiedeln können. Besonders für Bestäuberinsekten sind solche Flächen lebenswichtig. Jede Blüte, jede Staude und jede unversiegelte Ecke kann ein wertvoller Rückzugsort sein. Projekte wie die Gestaltung von Trittsteinbiotopen zeigen, wie viel Kraft in gemeinschaftlichem Engagement steckt, wenn Menschen sich für ihre direkte Umgebung einsetzen.

In der Münchner Isarvorstadt hat Green City e.V. im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier insgesamt vier solcher Trittsteinbiotope umgesetzt und angelegt. Diese befinden sich an folgenden Standorten:

  • Bahnwärter Thiel
  • Kapuzinerplatz
  • Blumenstraße
  • Reichenbachplatz

Diese vier Inseln bilden ein kleines Netzwerk, das die Stadt ökologisch vernetzt, Lebensräume schafft und den Menschen gleichzeitig eine Freude macht. Jede Fläche ist ein kleines Meisterwerk aus Pflege, Gestaltung und Engagement.

Doch diese Schönheit zu erhalten, ist harte Arbeit. Die Pflanzen brauchen kontinuierliche Pflege, und leider sind sie manchmal Gefahren ausgesetzt: Vandalismus, das Pflücken von Blumen für den eigenen Küchentisch oder das Betreten sensibler Bereiche führt oft zu Schäden. Auch Müll und achtloses Verhalten beeinträchtigen die Mühe, die in diese kleinen Paradiese gesteckt wird. Viele Stunden Arbeit stecken hinter jeder Blüte, jedem Samen und jeder Biene, die hier eine Heimat findet.

Gleichzeitig gibt es eine unglaublich ermutigende Seite: den großen Zuspruch von Passanten, Anwohnerinnen und Anwohnern. Viele bleiben stehen, beobachten das Summen der Insekten, freuen sich über die Farbenpracht und bedanken sich für die sichtbare Veränderung im Stadtbild. Diese Rückmeldungen zeigen, wie stark solche grünen Inseln emotional wirken können. Sie schaffen Lebensqualität, laden zum Durchatmen ein und schenken ein Stück Natur zurück in den Alltag.

Trittsteinbiotope sind damit nicht nur ein ökologischer Gewinn, sondern auch ein soziales und emotionales Geschenk für die Stadtgemeinschaft. Sie erinnern uns daran, wie wertvoll Gemeinschaft, Naturverbundenheit und Verantwortungsbewusstsein sind. Jeder achtsam behandelte Quadratmeter Natur ist ein Beitrag zu einer lebenswerteren, nachhaltigeren und freundlicheren Stadt.

Text: Marion Eder ; Bilder: © Green City e.V.

Thymian-Sandarium – ein Kräuterbeet für Mensch und Biene

Untersuchungen der TU München haben ergeben, dass im StadtAcker 48 verschiedene Arten von Wildbienen vorkommen. Die Gattung der Hummeln ist zum Beispiel schon mit zehn Arten vertreten. Auch seltene Arten wie die Veränderliche Hummel, die Waldhummel oder die Kleine Gartenblattschneiderbiene wurden von den Wissenschaftlerinnen entdeckt – eine enorme Vielfalt auf so kleiner Fläche.

Es lohnt sich also, einen Garten naturnah und ohne Gifte zu bewirtschaften. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Förderung der Insektenvielfalt. Wer darüber hinaus gezielt etwas für Wildbienen tun möchte, sollte zwei Dinge im Blick behalten: reichlich Blüten für Pollen und Nektar – und sichere, winterfeste Nistplätze für den Nachwuchs. Denn die meisten Wildbienen, rund 75 %, nisten im Boden. Sie graben verzweigte Gänge, an deren Enden Brutzellen liegen: kleine, abgeschlossene Kammern, in denen das Ei und ein Vorrat aus Pollen deponiert werden. Der Boden sollte sandig-locker sein, aber auch lehmige Anteile enthalten, damit die Gänge stabil bleiben. Sandarien – also sandige, weitgehend offene Bodenflächen – sind eine bewährte Maßnahme, um vielen Arten geeignete Nistmöglichkeiten zu bieten.

In einem Gemeinschaftsgarten, der von vielen Menschen genutzt wird, gibt es allerdings kaum Bereiche mit offenem Boden, der ungestört bleiben kann. Jeder Fleck ist bepflanzt mit Blumen, Kräutern, Gemüse oder Beerensträuchern. Die meisten Beete werden gegossen und regelmäßig gelockert. Also kein Platz für Wildbienen? Doch – wenn man die Bedürfnisse von Mensch und Biene miteinander verbindet.

Im StadtAcker wünschte sich die Kräutergruppe zum Beispiel einen eigenen Platz für den Thymian, der zwischen den anderen Kräutern oft untergeht, weil er weniger stark wächst. So entstand die Idee für das Thymian-Sandarium. Wildbienen und Thymian haben nämlich ähnliche Ansprüche: beide mögen einen trocken-warmen Standort, durchlässiges Substrat und volle Sonne, und sie vertragen es gut, wenn der Boden zwischendurch austrocknet.

Aus gebrauchten Ziegelsteinen bauten die Gärtner:innen zwei Hochbeete, die mit wenig Pflanzerde und viel Sand befüllt wurden. Die Ecken wurden mit verschiedenen Wild-Thymianarten bepflanzt, deren Blüten vielen Wildbienen begehrte Nahrung bieten. Der mittlere Bereich der Hochbeete bleibt frei. So kann sich der Thymian konkurrenzfrei ausbreiten – und die Wildbienen finden genügend offenen Boden für ihre Nistplätze.

Das Beet wurde letzten Sommer angelegt. Der Thymian hat den Winter im trockenen Substrat gut überstanden. Ob sich im Frühjahr nun auch die Wildbienen einfinden, wird sich zeigen.

Text und Bilder: Konrad Bucher

Warum Frühlingsgeophyten so wichtig sind?

Sie sind fast überall zu sehen in der Stadt momentan… Schneeglöckchen, Krokusse, Blausterne, Märzenbecher… Wenn nach dem Winter die ersten Pflanzen blühen, gehören sie meist zu den sogenannten Frühlingsgeophyten. Diese Pflanzen nutzen eine besondere Strategie: Sie treiben sehr früh im Jahr aus, blühen schnell und ziehen sich danach wieder in ihre unterirdischen Speicherorgane wie Zwiebeln oder Knollen zurück.

Frühe Blüte sind besonders wertvoll für unsere Ökosysteme

Zu einer Zeit, in der sonst kaum Nahrung verfügbar ist, bieten ihre Blüten wichtigen Nektar und Pollen für Insekten. Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber sind im zeitigen Frühjahr besonders auf solche Nahrungsquellen angewiesen, um ihre Energie nach dem Winter wieder aufzubauen.

Auch für das Stadtgrün spielen Frühlingsgeophyten eine wichtige Rolle. Sie wachsen oft unter Bäumen oder auf Wiesen und nutzen das Licht, bevor sich die Baumkronen schließen. So tragen sie zur Biodiversität bei und machen Parks, Gärten und Grünflächen schon früh im Jahr bunt und lebendig.

Kleine Biodiversitätsmaßnahme mit großer Wirkung!

Wer Frühlingsgeophyten im Garten oder auf Grünflächen fördert, unterstützt nicht nur die Artenvielfalt, sondern hilft auch den ersten Insekten des Jahres zu Beginn der neuen Saison. Es sind kleine Blüten mit großer Wirkung! Seit Oktober 2019 wurden im Park des Ökologischen Bildungszentrums (ÖBZ) im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ mehr als 1.000 Frühlingsblumen gepflanzt. Wichtig ist dabei, auf einheimische Formen der Frühlingsblüher zu achten. Mehr dazu erfahren Sie in diesen Blogbeiträge: Schlüsselblumen; Frühblüher-Pflanzaktion am ÖBZ und Ergebnisse der Geophyten-Pflanzaktion.

Text und Bild: Dr. Julia Gamberini – „Alltagspoesie: Märzebecher (Leucojum vernum) in grauer Wüste“

Genetische Diversität – Projekt Bohnenvielfalt

Woran denken wir, wenn vom Schutz der biologischen Vielfalt die Rede ist? Meist erscheinen vor unserem inneren Auge seltene Vogel- oder Schmetterlingsarten, vielleicht auch Rote-Liste-Pflanzen. Wir denken fast immer an Arten. Doch biologische Vielfalt meint viel mehr: Sie umfasst auch die genetischen Unterschiede innerhalb einer Art – und gerade diese innerartliche Vielfalt ist entscheidend für die Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen.

Sehr anschaulich lässt sich genetische Vielfalt an der Sortenvielfalt von Kulturpflanzen begreifen, zum Beispiel bei Bohnen. Über Jahrtausende haben Menschen unzählige Bohnensorten selektiert und weitergegeben – ein riesiger Genpool, der weltweit zur Ernährungssicherheit beiträgt. Seit Saatgutzüchtung und Vermarktung zunehmend in den Händen weniger Unternehmen liegen, ist die Sortenvielfalt jedoch drastisch zurückgegangen. Mit jeder verschwindenden alten Sorte geht genetisches Potenzial verloren, etwa für Anpassung an Klima, Schädlinge oder lokale Böden. Sortenvielfalt ist letztlich eine Lebensversicherung.

Um Sortenverlust entgegenzuwirken, sammelt die Gartengruppe am Ökologischen Bildungszentrum seit vielen Jahren traditionelle Bohnensorten, die nicht mehr im Handel erhältlich sind. Damit diese Vielfalt wieder in Privatgärten wächst, wird das Saatgut – etwa beim Saatgutfestival am 1. März 2026 – gegen Spende abgegeben. Die Vorbereitung ist aufwändig, denn es handelt sich um hunderte Sorten. Deshalb füllten am 17. Januar zahlreiche Freiwillige gemeinsam Tütchen und sprachen darüber, wie wichtig der Erhalt traditioneller Sorten ist und wie man sie selbst vermehren kann.

Was bei Bohnen gilt, gilt auch für Wildpflanzen

Auch bei Wildpflanzen spielt die genetische Variabilität innerhalb einer Art eine zentrale Rolle. Deshalb darf bei Naturschutzmaßnahmen nur Saatgut aus demselben Herkunftsgebiet verwendet werden. Nur so lässt sich gewährleisten, dass tatsächlich die regional angepassten Pflanzen erhalten werden. Wird Saatgut aus größeren Entfernungen eingebracht, spricht man von Florenverfälschung – und riskiert, die lokale genetische Identität einer Art zu verlieren.

Im Verbundprojekt BioDivHubs dient das Bohnenprojekt deshalb als wertvolles Beispiel, um die Bedeutung genetischer Vielfalt verständlich zu machen. Auf Bildungsebene verknüpfen wir bewusst die Erhaltung der Sortenvielfalt mit dem Schutz heimischer Wildpflanzen: In beiden Fällen geht es im Kern um denselben Sachverhalt – um die überlebensnotwendige Bedeutung der genetischen Biodiversität.

Text und Bild: Konrad Bucher

Planungsworkshop: Biodiversität vertikal!

Wie kann in unseren dichten Innenstädten Platz für Natur entstehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops „Biodiversität vertikal! Wie Balkone und Fassaden Lebensräume schaffen“, der am 21. Oktober im Büro von Green City e.V. stattfand.

15 Teilnehmer:innen mit unterschiedlicher Gartenerfahrung – von neugierigen Balkonneulingen bis zu erfahrenen Stadtgärtner:innen – beschäftigten sich mit den Möglichkeiten des vertikalen Gärtnerns. Nach einem spannenden Input von Magdalena Engl und Marion Eder zur Fassadenbegrünung ging es direkt in die Praxis: In drei Standortgruppen (schattig, halbschattig und sonnig) entwickelten die Teilnehmenden individuelle Pflanzpläne für Balkone und Hausfassaden.

Im Mittelpunkt standen dabei heimische Kletterpflanzen sowie Arten, die in die Höhe wachsen oder überhängend gedeihen. Diese Pflanzen können selbst auf kleinstem Raum wertvolle Lebensräume für Insekten, Bienen, Schmetterlinge und Vögel schaffen. Die ausgewählten Pflanzen zeichnen sich durch Insektenfreundlichkeit aus und fördern so die lokale Biodiversität.

Neben der ökologischen Bedeutung bieten Fassadenbegrünungen weitere Vorteile:

  • Klimaanpassung: Sie kühlen die Gebäudeoberflächen im Sommer und tragen zur Reduzierung von Hitzeinseln in der Stadt bei.
  • Luftreinigung: Begrünte Fassaden filtern Staubpartikel und Schadstoffe aus der Luft.
  • Schallschutz: Sie können den Geräuschpegel in belebten Innenstädten verringern.
  • Energieeinsparung: Durch zusätzliche Dämmwirkung können Fassadenbegrünungen Heiz- und Kühlkosten senken.
  • Gestaltung & Wohlbefinden: Sie verschönern das Stadtbild, schaffen Sichtschutz und tragen zum psychischen Wohlbefinden der Bewohner:innen bei.

Der Workshop bot Raum für Austausch, Inspiration und gemeinsames Planen und zeigte, wie mit etwas Kreativität und Wissen selbst kleine Flächen ein großes ökologisches Potenzial entfalten können.

„Biodiversität vertikal“ machte Lust auf mehr Stadtgrün und darauf, mit jeder begrünten Wand und jedem bepflanzten Balkon einen Beitrag zu einer gesünderen, grüneren Stadt zu leisten. Der Workshop könnte der Auftakt für eine Reihe weiterer Veranstaltungen sein. Für mehr Informationen schreiben Sie bitte an biodiversitaet@greencity.de


Text: Dr. Julia Gamberini, Marion Eder; Bilder: Julia Gamberini

Geophyten-Pflanzaktion im ÖBZ: gemeinsames Pflanzen für mehr Artenvielfalt

Am Samstag, den 18. Oktober, fand unsere Geophyten-Pflanzaktion bei herrlichstem Herbstwetter statt. Die Stimmung war entspannt und die Aktion ist rundum gut gelaufen. Insgesamt nahmen 23 Personen teil, darunter vier Kinder und erfreulicherweise auch einige ganz neue Gesichter, die sich spontan angeschlossen haben.

In sechs Kleingruppen machten wir uns entlang des Grünzugs daran, die vorbereiteten Zwiebeln und Rhizome an geeigneten Standorten einzupflanzen. Gepflanzt wurden:

  • Schneeglöckchen
  • Märzenbecher
  • Zweiblättriger Blaustern
  • Gefingerter Lerchensporn
  • Buschwindröschen
  • Gelbes Windröschen

Diese heimischen Frühlingsblüher (Geophyten) spielen eine wichtige Rolle für die heimische Tierwelt. Besonders für spezialisierte Wildbienenarten sind sie eine unverzichtbare Nahrungsquelle im zeitigen Frühjahr, wenn sonst noch wenig blüht.

Vor dem Pflanzen erklärten wir anschaulich, welche Bedeutung diese Blüten für Wildbienen haben und wie jede Art ihre ganz eigenen Bestäuber anzieht. Mithilfe aktueller Forschungsergebnisse der Technischen Universität München (TUM) konnten wir außerdem eine beeindruckende Liste mit über 40 Wildbienenarten vorstellen, die in den letzten Jahren im ÖBZ-Garten entdeckt wurden.

Auch Prof. Dr. Monika Egerer war mit dabei und stellte sowohl die wissenschaftliche Arbeit der TUM als auch den liebevoll gestalteten Wildbienen-Comic von Valentina Arros vor, der Kindern (und Erwachsenen!) auf spielerische Weise die faszinierende Welt der Wildbienen näherbringt.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitangepackt, gepflanzt und erklärt haben!
Solche Aktionen zeigen, wie gemeinsames Engagement und Wissenstransfer direkt zu mehr Biodiversität und Naturerlebnis in der Stadt beitragen können.


Bilder: ©Marc Haug; Text: Konrad Bucher

Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt

Neuer Praxisleitfaden zur Förderung biologischer Vielfalt in urbanen Gärten

Das Projekt BioDivHubs veröffentlicht seinen Maßnahmenkatalog: „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt – Ein Katalog mit Anleitungen für biodiversitätsfördernde Maßnahmen“. Die Publikation ist ab sofort als gedruckte Ausgabe und als kostenfreies E-Book bei TUM.University Press erhältlich. Ziel des Katalogs ist es, Gärtner*innen, Stadtbewohner*innen sowie engagierte Initiativen dabei zu unterstützen, gezielte Maßnahmen für mehr Artenvielfalt im urbanen Raum umzusetzen. Ob privater Garten, Gemeinschaftsgarten oder öffentlicher Grünraum – die vorgestellten Maßnahmen bieten praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, die die Biodiversität fördern und zur ökologischen Aufwertung städtischer Lebensräume beitragen.

Gärtnerinnen gestalten biologische Vielfalt in der Stadt

„Gärten sind Orte, an denen wir der Natur unmitelbar begegnen – und sie aktiv mitgestalten können“, sagt das Projekteam von BioDivHubs. „Gärtner*innen spielen eine zentrale Rolle bei der Pflege urbaner Ökosysteme und dem Erhalt städtischer Biodiversität. Unser Ziel ist es, dieses Potenzial mit praktischen und leicht umsetzbaren Maßnahmen zu unterstützen. Dieser Katalog ist ein Aufruf aktiv zu werden und erste Schrite zu gehen, kreativ zu sein, Fehler zu machen, gemeinsam zu lernen und Erfahrungen auszutauschen, um unsere städtischen Ökosysteme nachhaltig zu gestalten und die Biodiversität zu fördern.“
Der Maßnahmenkatalog richtet sich an alle, die in ihrem Umfeld Biodiversität fördern möchten –unabhängig von Vorkenntnissen oder Flächengröße. Die Empfehlungen reichen von der Auswahl insektenfreundlicher Pflanzen und dem Anlegen von Blühbereichen, Vielfaltshecken, Fassadenbegrünungen, Totholzstrukturen oder Sand- und Steinstrukturen bis zum Bau von Nisthilfen und der Gestaltung naturnaher Teiche. Bei der Entwicklung der Maßnahmen wurden vorhandene Erkenntnisse zur Wirkung auf die biologische Vielfalt berücksichtigt. Grundlage sind Ergebnisse aus der ökologischen Forschung in Gemeinschaftsgärten sowie wissenschaftliche Fachliteratur. Diese Forschungsergebnisse wurden mit der jahrelangen Praxiserfahrung von Gärtner*innen aus Gemeinschaftsgärten kombiniert.
Der Katalog ist ein Ergebnis des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“, das Gartenbegeisterte, Nachbarschaften, Wissenschaft und zivilgesellschaftliche Organisationen zusammenbringt, um gemeinsam Lösungen für mehr biologische Vielfalt in der Stadtnatur zu entwickeln. Die Verbundpartner dieses vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekts sind die BürgerStiftung München, Green City e.V., das Münchner Umwelt-Zentrum e.V. im ÖBZ in Kooperation mit Ackermannbogen e.V., die Technische Universität München (TUM) und das Museum für Naturkunde Berlin.


Kontakt:
Projektteam BioDivHubs
E-Mail: info@biodivhubs.net


Text: Projektteam BioDivHubs ; Titelbild-Illustration: Valentina Arros

Im Portrait – Gewöhnlicher Blutweiderich, Lythrum salicaria

Der Blutweiderich hat sich unter den 25 Arten unseres Balkonprojekts „Naturschutz auf dem Balkon?“ diesen Sommer zum heimlichen Star entwickelt. Es kamen immer wieder begeisterte Rückmeldungen – über seine Blühfreudigkeit, die zahlreichen Insektenbesuche oder seine robuste Gesundheit, ob im Blumentopf oder ausgepflanzt im Beet. Zum Glück hatten wir den Blutweiderich im Rahmen eines Vermehrungs-Workshops diesen März ausgesät, weshalb wir viele Pflanzen heranziehen konnten, die sogar schon diesen Sommer zur Blüte kamen. Keine andere Art wurde im Lauf des Jahres so häufig weitergebeben wie der Blutweiderich – auch an pflanzeninteressierte Leute, die ursprünglich gar nicht am Balkonprojekt teilgenommen hatten.

Das schmälert keineswegs die Freude an anderen Projektpflanzen, ist aber ein schöner Anlass, sich intensiver mit dem Blutweiderich zu beschäftigen.

Heilpflanze mit Geschichte

Zuerst zum Namen: das „Blut“ bezieht sich weniger auf die Blütenfarbe, sondern ist vermutlich ein Hinweis auf die Verwendung. Aufgrund der stark adstringierenden und bakteriziden Gerbstoffe wurde Blutweiderich in der Volksmedizin zur Blutstillung eingesetzt. Er wurde bereits in der Antike als Heilpflanze genutzt und spielt auch für die Ernährung eine Rolle. Angeblich wirkt der Genuss junger Sprossen und Blätter gegen Diabetes (Typ 2). Mit dem Farbstoff färbte man früher Zucker.
Als Zierpflanze ist der Blutweiderich seit dem 16. Jh. in Kultur, es gibt viele Sorten. 2024 war er Staude des Jahres. Wir verwenden die Wildform, sogar aus autochthoner Herkunft.

Balkonprofi mit Sumpfgenen

Dass sich der Blutweiderich so gut fürs Balkongärtnern eignet, liegt an seiner Anpassung an besondere Lebensräume. Als Wasser- oder besser gesagt als Uferpflanze verträgt er nämlich Staunässe. Wer im Sommer ein paar Tage wegfährt, setzt den Blutweiderich einfach ordentlich unter Wasser, er überlebt die Zeit problemlos ohne Gießdienst. Bei den meisten Pflanzen verfaulen die Wurzeln, wenn sie staunass stehen. Der Blutweiderich ist helomorph, d.h. die Stängel, die unter Wasser stehen, entwickeln ein Durchlüftungsgewebe (Aerenchym), das die Wurzeln mit Sauerstoff versorgt. Er gedeiht sogar in einem Teich, wo er dauerhaft unter Wasser steht. Genauso gut wächst er aber ohne Staunässe, muss dann eben regelmäßig gegossen werden.

Der Blutweiderich wächst inzwischen auf vielen Balkonen in der Nachbarschaft, dabei zeigt sich, dass er auch an überraschend schattigen Standorten blüht – und zwar über lange Zeit – , wo andere Arten farblos vor sich hin vegetieren. Licht ist oft ein limitierender Faktor für die Blütenentwicklung, beim Blutweiderich ist es eher das Wasser. Pilzerkankungen oder Befall von „Fress-Tierchen“ sind uns bislang nicht aufgefallen.

Magnet für Wildbienen & Co.

Zur Info für die Insektenfreunde unter uns: Als Nektarspender ist Blutweiderich von besonderem Wert, laut naturadb.de versorgt er 12 Wildbienenarten, außerdem Schwebfliegen, 21 Schmetterlingsarten bedienen sich am Nektar oder nutzen die Blätter als Raupenfutter, darunter die Raupen aus der Gattung der Nachtpfauenaugen.

Sichtbar schön, ökologisch wirksam

Bei unserem Balkonprojekt beschäftigten wir uns hauptsächlich mit heimischen Wildpflanzen, die selten oder sogar bedroht sind. Das war unsere Motivation – selten gewordenen Arten ein Platz zu geben und sie dabei kennenzulernen. Der Blutweiderich gehört nicht zu den seltenen Arten, was vermutlich auch an seiner Anpassungsfähigkeit liegt. Laut einer aktuellen Studie wird aber gerade der Verlust häufig Vorkommender Arten und von Arten aus Feuchtgebieten als besonders kritisch bewertet. Das liegt daran, dass solche Arten Lebensräume verknüpfen und damit für ökologische Stabilität sorgen. Sie wirken als Knotenpunkte innerhalb von Nahrungsnetzen. Diese Erkenntnisse sollen an anderer Stelle vertieft werden.

Fürs Balkongärtnern darf man sich auch von gestalterischen Kriterien leiten lassen – und da hat der Blutweiderich einiges zu bieten. Wie schön muss er wirken, wenn er in einem künstlich angelegten Sumpfbeet wächst, das eine üppige Ufervegetation zum Vorbild nimmt – also in Kombination mit Wasserdost, Mädesüß, Kuckuckslichtnelke, Teufelsabbiss und Sumpfdotterblume. Der Rand der Wanne wird vom hängenden gelbblühenden Pfennigkraut überwuchert.

Text: Konrad Bucher; Bild: Bettina Lindenberg

Zweite Sitzung der projektübergreifenden Arbeitsgruppe am Ackermannbogen

Am 31. Juli 2025 fand die zweite Sitzung der projektübergreifenden Arbeitsgruppe (PAG) im Rahmen des BfN-Projekts im Bundesprogramm Biologische Vielfalt statt. Während das Treffen im vergangenen Jahr online abgehalten wurde, kamen die Verbundpartner diesmal im Modellquartier Ackermannbogen in München zusammen. Auch die zuständige Betreuerin vom DLR nahm an der Sitzung teil.

Die PAG ist ein fester Bestandteil des Projekts und dient dem Austausch über Fortschritte, Herausforderungen und strategische Fragestellungen. Auf dem Programm standen zunächst Einblicke in die Aktivitäten des Projekts der letzten sechs Monate. Im zweiten Teil präsentierte das beauftragte Institut SINTE die Ergebnisse der sozioökonomischen Evaluation für das Jahr 2024 sowie die qualitativen Interviews zum Thema „Naturschutz auf dem Balkon?“, die im Juli 2025 am Ackermannbogen durchgeführt wurden.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Erfahrungsaustausch mit anderen BfN-Projekten: In diesem Jahr war Dr. Corinna Hölzer von der Stiftung Mensch und Umwelt aus Berlin zu Gast, um das abgeschlossene BfN-Projekt „Treffpunkt Vielfalt – Naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren“ vorzustellen. Themen wie Akzeptanz in der Bevölkerung, Teilnehmenden-Akquise und die Verstetigung von Projektergebnissen standen im Mittelpunkt ihres inspirierenden Beitrags.

Die beiden Gast-Präsentationen haben inspirierende und lebhafte Diskussionen über Herausforderungen und Chancen für das Projekt ausgelöst.

Anschließend ging es raus ins Modellquartier Ackermannbogen. Dort wurden bereits erste Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt: ein Besuch im Gemeinschaftsgarten Stadtacker mit dem neuen Thymian-Sandarium sowie ein Blick auf aktuelle Maßnahmen im Rahmen von „Rewilding Ackermannbogen“, darunter die Vorbereitung einer neuen Blühfläche vor dem Café Rigoletto. Den Tag ließen wir bei einem gemeinsamen Abendessen genau dort ausklingen.

Text: Julia Gamberini; Bilder: Ruth Mahla

Gefördert durch:

Mit Unterstützung von:

Deutsche Postcode Lotterie
Patagonia