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Monat: April 2026

Blühwiesen und Staudenbeete – blühende Oasen in der Stadt

Blühwiesen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas – und das, obwohl sie meist gar nicht „natürlich“ entstanden sind. Viele dieser Wiesen wurden über Jahrhunderte hinweg durch menschliche Nutzung geprägt und werden bis heute durch Mahd oder Beweidung erhalten. Besonders sogenannte Magerwiesen, also nährstoffarme Standorte, entwickeln eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Auf einer extensiv bewirtschafteten Blühwiese können auf einem einzigen Quadratmeter über 50 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine angepasste Pflege. Zu häufiges Mähen oder ein zu hoher Nährstoffeintrag – etwa durch Düngung – führen dazu, dass sich schnell wachsende Arten durchsetzen, kleinere konkurrenzschwache Arten verdrängen und die die Vielfalt verloren geht. 

In Deutschland wachsen auf Wiesen und Weiden rund 1.250 verschiedene Pflanzenarten – etwa ein Drittel aller heimischen Blütenpflanzen. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für ein komplexes Ökosystem: Rund 3.500 Tierarten, darunter zahlreiche Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Käfer und Heuschrecken, sind auf diese Lebensräume angewiesen. Sie wiederum dienen als Nahrungsquelle für Vögel, Amphibien, Reptilien und kleine Säugetiere.

Gerade im urbanen Raum bieten Blühwiesen ein enormes Potenzial. Flächen wie Straßenränder, Gärten oder Parkanlagen können mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen in wertvolle Lebensräume verwandelt werden. Richtig gepflegt, tragen sie nicht nur zum Erhalt der Biodiversität bei, sondern bringen auch zahlreiche Vorteile für Mensch und Umwelt mit sich.

Blühwiesen wirken sich positiv auf das städtische Mikroklima aus, indem sie kühlend wirken und die Verdunstung fördern. Gleichzeitig verbessern sie die Versickerung von Regenwasser und können so das Risiko von Überflutungen bei Starkregen reduzieren. Im Vergleich zu intensiv gepflegten Rasenflächen benötigen sie weniger Wasser und sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit.

Nicht zuletzt überzeugen Blühwiesen auch optisch: Mit ihrer Blütenpracht sorgen sie für farbenfrohe Akzente im Stadtbild. Darüber hinaus fungieren sie als wichtige „Trittsteine“ im Biotopverbund und ermöglichen es vielen Arten, sich von einem Lebensraum zum nächsten zu bewegen und auszubreiten. Blühwiesen sind Oasen der Vielfalt und ein zentraler Baustein für eine lebenswerte und artenreiche Stadt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Blühfläche anzulegen. Eine Blühwiese kann durch Ansaat einer Saatgutmischung oder die Übertragung von Mahdgut entstehen. Alternativ kann auch die Pflanzung von Stauden sinnvoll sein, wenn ein schneller Blüheffekt erzielt werden soll. Der BioDivHubs Maßnahmenkatalog beschreibt die Vorgehensweise mit einer praxisnahen Schritt-für-Schritt-Anleitung. Eine detaillierte Beschreibung mit wertvollen Tipps aus der Praxis findet ihr auch in diesem Beitrag über Blühflächen und Wildstaudenbeete auf der BioDivHub Website.

Im Gemeinschaftsgarten Essbare Stadt im Rosengarten wurde zusammen mit den GärtnerInnen und Unterstützung von Green City e.V. im Herbst 2025 ein Staudenbeet mit heimischen Arten angelegt. Dieser blühende Streifen zieht Nützlinge und Bestäuber an, von denen auch die angrenzenden Gemüsebeete profitieren.

Im Gemeinschaftsgarten „Knosporus“ haben Studierende der TUM und der HSWT in Weihenstephan im März 2026 auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche eine Blühwiese ausgesät. Ein sonniger Standort wurde gewählt, als Vorbereitung der Fläche wurde der Oberboden abgetragen und durch eine nährstoffarme Schicht aus Kies und Sand ersetzt. Für die Ansaat wurde die BioDivHubs Saatgutmischung verwendet, welche von der TUM, mit ausgewählten heimischen Arten – speziell für Insekten – zusammengestellt wurde. Die Entwicklung der Blühwiese wird von einem Botaniker der TUM wissenschaftlich begleitet.

Diese Aktionen zeigen, dass es möglich ist, die Stadt grüner, nachhaltig und lebenswert zu gestalten – für Mensch und Natur.

Text und Fotos: David Schoo

Pflanzaktion einer Vielfaltshecke

Zum Erntedankfest im Oktober 2025 wurde im Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“ eine Vielfaltshecke gepflanzt – ein wertvoller Beitrag für mehr Biodiversität. In Teamarbeit haben die GärtnerInnen zusammen mit freiwilligen HelferInnen heimische Baum- und Straucharten wie die Haferschlehe, Kornelkirsche, Hollunder, Haselnuss, Gemeine Pimpernuss, Felsenbirne und Steinweichsel gepflanzt. Im Frühjahr 2026 wurden weitere Beerensträucher wie die Johannisbeere, Stachelbeere, Brombeere und Himbeere ergänzt. Die Pflanzung wurde mit Totholz umrahmt und mit Hackschnitzeln gemulcht, um das Wachstum von Gräsern und Beikräutern zu unterdrücken. Das Totholz bietet zudem Insekten sowie kleinen Säugetieren und Amphibien Unterschlupf.

Vielfaltshecken sind bedeutende Lebensräume für zahlreiche heimische Arten und unterscheiden sich deutlich von klassischen, formgeschnittenen Hecken, die oft nur aus einer einzigen Pflanzenart wie Thuja oder Hainbuche bestehen. Stattdessen setzen sie sich aus einer abwechslungsreichen Mischung heimischer Sträucher, Gehölze und kleinbleibender Baumarten zusammen. Die Beeren sind für viele Tiere eine wichtige Nahrungsquelle und viele davon auch für den Menschen essbar und reich an Vitaminen.

Neben ihrem ökologischen Nutzen überzeugen Vielfaltshecken auch durch praktische und gestalterische Aspekte. Sie dienen als natürlicher Wind- und Sichtschutz, verbessern das Kleinklima, schützen vor Bodenerosion und mindern die Auswirkungen von Extremwetterereignissen. Gleichzeitig bereichern sie mit ihren Blüten und Früchten das Landschaftsbild auf attraktive Weise.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Flurbereinigungen sind viele dieser wertvollen Elemente in der Vergangenheit verloren gegangen. Einen Gegentrend setzen Agroforstsysteme, in denen mehrjährige Kulturen als Baumreihen oder Hecken in den Acker integriert werden. Hecken fungieren als wichtige Verbindungselemente zwischen verschiedenen Lebensräumen wie Wiesen, Äckern und Wäldern.

Auch im städtischen Raum dienen sie vielen Tierarten als geschützter Wanderkorridor.
Die gemeinsame Pflanzaktion hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch gezeigt, wie einfach und wirkungsvoll Naturschutz im Kleinen sein kann. Jede neu gepflanzte Hecke leistet einen wertvollen Beitrag für mehr Artenvielfalt und macht Umweltbildung und Umweltschutz erlebbar. Die Mühen werden mit leckeren Beeren belohnt, aus denen Marmelade, Sirup und andere Köstlichkeiten hergestellt werden können, welche das nächste Erntedankfest bereichern werden.

Vielfaltshecke mit Totholz, Mingas Permadies

Text und Foto: David Schoo

Workshop Sandarium

Im Jahr 2025 fanden in mehreren Studiengärten, die sich im BioDivHubs Projekt beteiligen, Workshops zum Bau von sogenannte Sandarien statt. Dabei handelt es sich um trockene, vegetationsarme und gut besonnte Sandflächen, die gezielt als Nistplatz für Wildbienen und andere Insekten angelegt werden. Oftmals in Kombination mit Trockensteinmauern, bieten diese Strukturen Raum zum Nisten und die Möglichkeit zu überwintern. Die Vorteile dieser Sand- und Steinstrukturen sind vielfältig: Steine speichern die Wärme der Sonne und geben sie nachts langsam wieder ab, wodurch ein ausgeglichenes Mikroklima entsteht.

Um die Artenvielfalt zu fördern, braucht es neben Blühwiesen mit heimischen Wildpflanzen als Nahrungsangebot auch geeignete Habitate, die als Nist- und Wohnraum dienen. Vielfältige Strukturen, neben Totholz auch offener Boden, Sand, sowie Felsspalten und Fugen, bieten Insektenschutz vor rauer Witterung und vor Fressfeinden. In Spalten, Rissen und Hohlräumen zwischen den Steinen finden viele Arten, darunter auch Reptilien, sichere Verstecke und geeignete Überwinterungsplätze.

Ein besonderer Fokus liegt beim Sandarium auf den bodennistenden Insekten. Viele Arten verbringen einen Teil ihres Lebens unter der Erde und sind auf offenen Boden angewiesen. Bei den Wildbienen sind es etwa 60 bis 80 Prozent der Arten, die ihre Nester im Boden anlegen. Dabei hat jede Art eigene Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit und Temperatur. Die meisten bevorzugen sonnige, warme und trockene Standorte – ideale Bedingungen, wie sie beispielsweise an einem nach Süden ausgerichteten Hang vorzufinden sind.

Gerade in Städten sind solche Bedingungen jedoch selten geworden. Große Flächen sind versiegelt und selbst scheinbar geeignete Orte wie Fugen zwischen Pflastersteinen sind häufig mit Schadstoffen belastet oder zu stark verdichtet. Für bodennistende Insekten fehlt es daher oft an geeigneten Nisthabitaten.

Die Umsetzung der Sandarien in den Gemeinschaftsgärten folgte dabei einem einfachen Prinzip. Es wurden sonnige Bereiche ausgewählt, der Boden teilweise abgetragen und mit geeignetem Sand ca. 30-50 cm tief aufgefüllt. Als Umrandung wurden Steine oder Trockenmauern verwendet, welche zusätzliche Struktur und Wärme bieten. Bei der Pflege sollte man darauf achten, dass ein Teil der Fläche dauerhaft offen und möglichst ungestört bleibt.

Ein Sandarium lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand, idealerweise aus regional verfügbaren Materialien, umsetzen. Der Platzbedarf ist gering, schon kleine Flächen von 1-2 m² können einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung von Wildbienen leisten. Sandarien sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich ökologische Anforderungen und die Nutzung durch Menschen miteinander verbinden lassen, ein inspirierendes Beispiel ist das Thymian Sandarium im Stadtacker. Sie brauchen wenig Platz, fügen sich gut in bestehende Gartenstrukturen ein und können gleichzeitig eine große Wirkung entfalten. Wie schnell die neuen Lebensräume angenommen werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die ersten Wildbienen Gänge wurden schon entdeckt. Und neben Wildbienen dachte sich auch ein Hase, dass sich das Sandarium gut für seinen Bau eignet (O´pflanzt is).

Sandarium im Freihamer Freiluftgarten, Sonnengarten Solln und O´pflanzt is

Fotos: Cristof-Ansarian Annika, David Schoo

Text: David Schoo

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