Zu unserer Freude haben alle Pflanzen, die die Nachbarschaft am Ackermannbogen letztes Jahr im großen, halbschattigen Dreiecksbeet vor dem Rigoletto am Ackermannbogen gepflanzt hat, überlebt und die Frühlingsgeophyten blühten auch schon in dieser ersten Saison wunderschön. Trotzdem sieht das Beet in den Augen vieler, die buntere und üppigere Beete gewohnt sind etwas karg aus. Klar – unsere aus Projektmitteln gekauften Pflanzen im ersten Jahr sind noch sehr klein und die Schönheit der Wildpflanzen ist oft auch durch ihre Zartheit nicht so offensichtlich, wie die großen Blüten der gezüchteten Prachtgewächse. Deswegen hat Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt mit seinem engagierten Team am Ackermannbogen beschlossen, einige Stauden nachzupflanzen, damit sie schneller zu dichten Polstern zusammenwachsen können.
Die Skizze zeigt die Anlage des sog. Dreiecksbeetes unter 3 Bäumen mit einer Vielzahl von Arten, die typisch sind für halbschattige heimische Waldssäume mit kleinen Sonneninseln. Hohe und üppige Leitstauden wie der Waldgeißbart und der klebrige Salbei werden eingerahmt von niedrigeren Arten, so dass sich eine abwechslungsreiche Struktur ergibt.
Das BioDivHubs-Projekt hat nicht nur das Ziel, die biologische Vielfalt in vier ausgewählten Münchner Quartieren zu fördern, sondern vor allem auch die Menschen für alle Aspekte der Biodiversität in ihrem städtischen Lebensumfeld zu sensibilisieren und zu begeistern. Und so hat sich am Ackermannbogen ein Kreis von Freiwilligen gebildet, die unter der fachlichen Leitung von StadtAckerkoordinator und BioDivHubs-Mitarbeiter Konrad Bucher nicht nur ihre eigenen Balkone, Terassen und Gärten ökologisch aufwerten, sondern auch Pflanzungen auf öffentlichen Flächen im Viertel durchführen und dabei selbst zu Expert*innen für heimische Wildpflanzen werden.
Innerhalb einer Stunde waren die Wildpflanzen gesetzt – nun musste die Fläche noch ausreichend gewässert werden, damit Brauner Storchschnabel, Graslilien, Odermennig & Co auch gut anwachsen. Ist der Boden einmal durch den dichten Bewuchs vollständig beschattet und sind die Pflanzen älter und robuster, muss dieses Beet nur bei anhaltender Hitze und Trockenheit im Sommer gegossen werden.
Das ausgiebige Wässern des Beetes hat über eine Stunde gedauert
Für einen dauerhaften Erfolg solcher Pflanzungen ist es wichtig, dass sich die Nachbarschaft weiter darum kümmert – jätet, nachpflanzt und bei Bedarf gießt, denn wir bekommen nur die Erlaubnis öffentliche Flächen zu gestalten, wenn der Stadtverwaltung nicht zusätzliche Arbeit daraus erwächst.
Am 20., 21. und 22. April entstand auf dem Ella-Lingens-Platz im Modellquartier Giesing ein ganz besonderes Projekt: Gemeinsam mit der Klasse 7a der Mittelschule an der Fromundstraße baute Green City e.V., Verbundpartner im BioDivHubs-Projekt, unter der Leitung der Giesinger Künstlerin Katharina Schweissguth, ein künstlerisches „Nest“ aus Totholz.
Das Projekt verband auf eindrucksvolle Weise Kunst und Naturschutz: Totholz als wertvoller Lebensraum für zahlreiche Arten wurde kreativ in Szene gesetzt, um seine ökologische Bedeutung sichtbar zu machen und die Akzeptanz in der Stadt zu stärken.
Als offener Treffpunkt unterstützte das Projekt Begegnung, Teilhabe und gemeinschaftliches Handeln im Quartier. Es machte Natur, Kreativität und soziale Verantwortung erfahrbar und setzte ein sichtbares Zeichen für nachhaltiges, gemeinschaftliches Leben im städtischen Kontext. Ein erster Prototyp des „Nests“ war bereits im Rahmen des 1. BioDivHubs-Symposiums „Biodiversität denken“ am 14. November 2025 im Ökologischen Bildungszentrum entstanden. Nun wurde die Idee im Stadtraum weiterentwickelt und gemeinsam umgesetzt.
Das fertige „Nest“ wurde am 22. April um 12 Uhr feierlich eröffnet. Alle Interessierten waren herzlich eingeladen, diesen besonderen Moment mitzuerleben. Die Schüler*innen erhielten eine Teilnahmebescheinigung von Green City e.V. und hielten eine Rede über ihre dreitägige Erfahrung. Zudem trug die Dichterin Isis Marschall ein eigens verfasstes Gedicht über „Das Nest“ vor.
Das „Nest“ steht bis zum 20. Mai als offener Treffpunkt, Sitzgelegenheit sowie als Ort für Austausch und Begegnung zur Verfügung.
Text: Dr. Julia Gamberini und Marion Eder ; Fotos: Julia Gamberini
Im Rahmen des Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ üben sich nun schon in der 3. Saison ca. 60 Balkongärtner*innen am Ackermannbogen in der Pflege und der Vermehrung von heimischen Wildpflanzen.
Wir alle haben uns in die „schönen Wilden“ verliebt und wollen nicht mehr auf diese Freude verzichten, auf dem Balkon, im Garten oder Wohnumfeld die zarte Pracht der einheimischen Wildpflanzen und die Insektenvielfalt, die sie anziehen, zu genießen und mit der Zeit immer besser kennen zu lernen.
BergminzeDuft-ScabioseSand-Thymian
Nur – meist gibt es die Lieblingspflanzen gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die am Besten am jeweiligen Standort gedeiht. Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien – vielerorts sind beliebte Arten schon ausverkauft und wegen der Energiekrise sind die Preise auch gestiegen.
Das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einen Balkon angepasst haben, hat viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommt.
Deswegen sind die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – in die Samengärtnerei eingestiegen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden.
Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am StadtAcker am Ackermannbogen dieser Workshop statt.
Fotos: Konrad Bucher
In die Aussaatschalen säen
Bevor wir die nährstoffarme Bio-Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert. Die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann angedrückt und in einzelne Abteilungen unterteilt.
Die Etiketten oder ein Klebeband mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht, damit es keine Verwechslungen gibt.
Erst dann kann – nicht zu dicht, denn das Saatgut ist wertvoll – gesät werden. Bei sehr feinen Saatkörnern ist das gar nicht so leicht: David zeigt uns, wie man eine kleine Menge Körnchen aus der Tüte in die Hand nimmt und locker zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand auf das vorbereitete Saatbett rieseln lässt.
Die Saat wird leicht angedrückt, damit die Samenkörner Bodenkontakt bekommen und entweder mit feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut und angegossen. Wenn Lichtkeimer dabei sind, nicht mit Erde bedecken. Das Lavagranulat ist lichtdurchlässig, weshalb es auch für das Abdecken von Lichtkeimern verwendet werden kann. Es schützt den Boden außerdem vor Austrocknung und verhindert, dass die Samen oder Keimlinge bei Starkregen weggespült werden. Durch das Lavagranulat wird auch die Vermehrung der lästigen Trauermücken eingedämmt. Wichtig ist, das Gießen nicht zu vergessen, wenn die ersten Keimlinge sichtbar werden. In diesen Stadium dürfen die Pflänzchen keinen Trockenstress abbekommen. Am Besten gießt man von unten, indem man den Untersetzer mit Wasser befüllt, oder man befeuchtet sanft von oben mit einer Sprühflasche.
Noch ein Tipp: Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man es ein wenig anschmiergelt.
Pikieren
Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, das mit einem Pikierstab akkurat gelingt. Hat man aber Tausende Sämlinge zu pikieren, wie David in seiner Gärtnerei, kann man auch schneller vorgehen und mit den Fingern Pflanzlöcher vorformen und die Pflänzchen schnell hineindrücken. Die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Multitopfpaletten passen. Wichtig ist, dass die Wurzeln senkrecht in die Erde gedrückt werden und guten Bodenanschluss haben. Das Substrat sollte in diesem Entwicklungsstadium etwas nährstoffreicher sein: Gute Biogartenerde – natürlich ohne Torf – gibt es im Frühjahr in den Biomärkten zu kaufen. Zum Schluss wird noch gut gewässert. Eine Mischung aus Gartenerde, Kompost und verbrauchter Erde oder Sand geht aber auch – nur sollte die Eigenmischung zur Unkraut- und Keimreduzierung im Backofen etwa eine Stunde auf über 70 Grad Celsius erhitzt werden.
Wurzelentwicklung ist wichtiger als schnelle Blattenentwicklung
Wichtig ist, dass die Pflanzen ihre Kraft erst einmal in die Wurzelentwicklung geben. Das tun sie nur, wenn sie nicht allzu nährstoffreich aufwachsen. Man darf die wilden Jungpflanzen also keineswegs noch zusätzlich düngen. Bei einer ausgewogenen und nicht zu üppigen Nährstoffversorgung kann es sein, dass die oberirdische Pflanze noch recht unscheinbar wirkt. Wenn aber der Wurzelballen gut entwickelt ist, dann wird sie sich im Beet gut versorgen können und sich umso schneller entwickeln. Einen solchen Wurzelballen kann man vor dem Auspflanzen ins Beet leicht andrücken und anritzen, damit die verfilzten Würzelchen aufgelockert und zum Weiterwachsen angeregt werden.
Auch gut zu wissen:
Saatgut sammeln
Ein guter Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.
Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.
Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.
Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.
Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“
Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.
Saatgut lagern
Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss trocken sein. Plastik eignet sich nicht.
Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.
Blühwiesen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas – und das, obwohl sie meist gar nicht „natürlich“ entstanden sind. Viele dieser Wiesen wurden über Jahrhunderte hinweg durch menschliche Nutzung geprägt und werden bis heute durch Mahd oder Beweidung erhalten. Besonders sogenannte Magerwiesen, also nährstoffarme Standorte, entwickeln eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Auf einer extensiv bewirtschafteten Blühwiese können auf einem einzigen Quadratmeter über 50 verschiedene Pflanzenarten wachsen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine angepasste Pflege. Zu häufiges Mähen oder ein zu hoher Nährstoffeintrag – etwa durch Düngung – führen dazu, dass sich schnell wachsende Arten durchsetzen, kleinere konkurrenzschwache Arten verdrängen und die die Vielfalt verloren geht.
In Deutschland wachsen auf Wiesen und Weiden rund 1.250 verschiedene Pflanzenarten – etwa ein Drittel aller heimischen Blütenpflanzen. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für ein komplexes Ökosystem: Rund 3.500 Tierarten, darunter zahlreiche Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Käfer und Heuschrecken, sind auf diese Lebensräume angewiesen. Sie wiederum dienen als Nahrungsquelle für Vögel, Amphibien, Reptilien und kleine Säugetiere.
Gerade im urbanen Raum bieten Blühwiesen ein enormes Potenzial. Flächen wie Straßenränder, Gärten oder Parkanlagen können mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen in wertvolle Lebensräume verwandelt werden. Richtig gepflegt, tragen sie nicht nur zum Erhalt der Biodiversität bei, sondern bringen auch zahlreiche Vorteile für Mensch und Umwelt mit sich.
Blühwiesen wirken sich positiv auf das städtische Mikroklima aus, indem sie kühlend wirken und die Verdunstung fördern. Gleichzeitig verbessern sie die Versickerung von Regenwasser und können so das Risiko von Überflutungen bei Starkregen reduzieren. Im Vergleich zu intensiv gepflegten Rasenflächen benötigen sie weniger Wasser und sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit.
Nicht zuletzt überzeugen Blühwiesen auch optisch: Mit ihrer Blütenpracht sorgen sie für farbenfrohe Akzente im Stadtbild. Darüber hinaus fungieren sie als wichtige „Trittsteine“ im Biotopverbund und ermöglichen es vielen Arten, sich von einem Lebensraum zum nächsten zu bewegen und auszubreiten. Blühwiesen sind Oasen der Vielfalt und ein zentraler Baustein für eine lebenswerte und artenreiche Stadt.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Blühfläche anzulegen. Eine Blühwiese kann durch Ansaat einer Saatgutmischung oder die Übertragung von Mahdgut entstehen. Alternativ kann auch die Pflanzung von Stauden sinnvoll sein, wenn ein schneller Blüheffekt erzielt werden soll. Der BioDivHubs Maßnahmenkatalog beschreibt die Vorgehensweise mit einer praxisnahen Schritt-für-Schritt-Anleitung. Eine detaillierte Beschreibung mit wertvollen Tipps aus der Praxis findet ihr auch in diesem Beitrag über Blühflächen und Wildstaudenbeete auf der BioDivHub Website.
Im Gemeinschaftsgarten Essbare Stadt im Rosengarten wurde zusammen mit den GärtnerInnen und Unterstützung von Green City e.V. im Herbst 2025 ein Staudenbeet mit heimischen Arten angelegt. Dieser blühende Streifen zieht Nützlinge und Bestäuber an, von denen auch die angrenzenden Gemüsebeete profitieren.
Im Gemeinschaftsgarten „Knosporus“ haben Studierende der TUM und der HSWT in Weihenstephan im März 2026 auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche eine Blühwiese ausgesät. Ein sonniger Standort wurde gewählt, als Vorbereitung der Fläche wurde der Oberboden abgetragen und durch eine nährstoffarme Schicht aus Kies und Sand ersetzt. Für die Ansaat wurde die BioDivHubs Saatgutmischung verwendet, welche von der TUM, mit ausgewählten heimischen Arten – speziell für Insekten – zusammengestellt wurde. Die Entwicklung der Blühwiese wird von einem Botaniker der TUM wissenschaftlich begleitet.
Diese Aktionen zeigen, dass es möglich ist, die Stadt grüner, nachhaltig und lebenswert zu gestalten – für Mensch und Natur.
Ansaat der Blühfläche im KnosporusStaudenbeet Essbare Stadt im Rosengarten
Zum Erntedankfest im Oktober 2025 wurde im Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“ eine Vielfaltshecke gepflanzt – ein wertvoller Beitrag für mehr Biodiversität. In Teamarbeit haben die GärtnerInnen zusammen mit freiwilligen HelferInnen heimische Baum- und Straucharten wie die Haferschlehe, Kornelkirsche, Hollunder, Haselnuss, Gemeine Pimpernuss, Felsenbirne und Steinweichsel gepflanzt. Im Frühjahr 2026 wurden weitere Beerensträucher wie die Johannisbeere, Stachelbeere, Brombeere und Himbeere ergänzt. Die Pflanzung wurde mit Totholz umrahmt und mit Hackschnitzeln gemulcht, um das Wachstum von Gräsern und Beikräutern zu unterdrücken. Das Totholz bietet zudem Insekten sowie kleinen Säugetieren und Amphibien Unterschlupf.
Vielfaltshecken sind bedeutende Lebensräume für zahlreiche heimische Arten und unterscheiden sich deutlich von klassischen, formgeschnittenen Hecken, die oft nur aus einer einzigen Pflanzenart wie Thuja oder Hainbuche bestehen. Stattdessen setzen sie sich aus einer abwechslungsreichen Mischung heimischer Sträucher, Gehölze und kleinbleibender Baumarten zusammen. Die Beeren sind für viele Tiere eine wichtige Nahrungsquelle und viele davon auch für den Menschen essbar und reich an Vitaminen.
Neben ihrem ökologischen Nutzen überzeugen Vielfaltshecken auch durch praktische und gestalterische Aspekte. Sie dienen als natürlicher Wind- und Sichtschutz, verbessern das Kleinklima, schützen vor Bodenerosion und mindern die Auswirkungen von Extremwetterereignissen. Gleichzeitig bereichern sie mit ihren Blüten und Früchten das Landschaftsbild auf attraktive Weise.
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Flurbereinigungen sind viele dieser wertvollen Elemente in der Vergangenheit verloren gegangen. Einen Gegentrend setzen Agroforstsysteme, in denen mehrjährige Kulturen als Baumreihen oder Hecken in den Acker integriert werden. Hecken fungieren als wichtige Verbindungselemente zwischen verschiedenen Lebensräumen wie Wiesen, Äckern und Wäldern.
Auch im städtischen Raum dienen sie vielen Tierarten als geschützter Wanderkorridor. Die gemeinsame Pflanzaktion hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch gezeigt, wie einfach und wirkungsvoll Naturschutz im Kleinen sein kann. Jede neu gepflanzte Hecke leistet einen wertvollen Beitrag für mehr Artenvielfalt und macht Umweltbildung und Umweltschutz erlebbar. Die Mühen werden mit leckeren Beeren belohnt, aus denen Marmelade, Sirup und andere Köstlichkeiten hergestellt werden können, welche das nächste Erntedankfest bereichern werden.
Im Jahr 2025 fanden in mehreren Studiengärten, die sich im BioDivHubs Projekt beteiligen, Workshops zum Bau von sogenannte Sandarien statt. Dabei handelt es sich um trockene, vegetationsarme und gut besonnte Sandflächen, die gezielt als Nistplatz für Wildbienen und andere Insekten angelegt werden. Oftmals in Kombination mit Trockensteinmauern, bieten diese Strukturen Raum zum Nisten und die Möglichkeit zu überwintern. Die Vorteile dieser Sand- und Steinstrukturen sind vielfältig: Steine speichern die Wärme der Sonne und geben sie nachts langsam wieder ab, wodurch ein ausgeglichenes Mikroklima entsteht.
Um die Artenvielfalt zu fördern, braucht es neben Blühwiesen mit heimischen Wildpflanzen als Nahrungsangebot auch geeignete Habitate, die als Nist- und Wohnraum dienen. Vielfältige Strukturen, neben Totholz auch offener Boden, Sand, sowie Felsspalten und Fugen, bieten Insektenschutz vor rauer Witterung und vor Fressfeinden. In Spalten, Rissen und Hohlräumen zwischen den Steinen finden viele Arten, darunter auch Reptilien, sichere Verstecke und geeignete Überwinterungsplätze.
Ein besonderer Fokus liegt beim Sandarium auf den bodennistenden Insekten. Viele Arten verbringen einen Teil ihres Lebens unter der Erde und sind auf offenen Boden angewiesen. Bei den Wildbienen sind es etwa 60 bis 80 Prozent der Arten, die ihre Nester im Boden anlegen. Dabei hat jede Art eigene Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit und Temperatur. Die meisten bevorzugen sonnige, warme und trockene Standorte – ideale Bedingungen, wie sie beispielsweise an einem nach Süden ausgerichteten Hang vorzufinden sind.
Gerade in Städten sind solche Bedingungen jedoch selten geworden. Große Flächen sind versiegelt und selbst scheinbar geeignete Orte wie Fugen zwischen Pflastersteinen sind häufig mit Schadstoffen belastet oder zu stark verdichtet. Für bodennistende Insekten fehlt es daher oft an geeigneten Nisthabitaten.
Die Umsetzung der Sandarien in den Gemeinschaftsgärten folgte dabei einem einfachen Prinzip. Es wurden sonnige Bereiche ausgewählt, der Boden teilweise abgetragen und mit geeignetem Sand ca. 30-50 cm tief aufgefüllt. Als Umrandung wurden Steine oder Trockenmauern verwendet, welche zusätzliche Struktur und Wärme bieten. Bei der Pflege sollte man darauf achten, dass ein Teil der Fläche dauerhaft offen und möglichst ungestört bleibt.
Ein Sandarium lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand, idealerweise aus regional verfügbaren Materialien, umsetzen. Der Platzbedarf ist gering, schon kleine Flächen von 1-2 m² können einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung von Wildbienen leisten. Sandarien sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich ökologische Anforderungen und die Nutzung durch Menschen miteinander verbinden lassen, ein inspirierendes Beispiel ist das Thymian Sandarium im Stadtacker. Sie brauchen wenig Platz, fügen sich gut in bestehende Gartenstrukturen ein und können gleichzeitig eine große Wirkung entfalten. Wie schnell die neuen Lebensräume angenommen werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die ersten Wildbienen Gänge wurden schon entdeckt. Und neben Wildbienen dachte sich auch ein Hase, dass sich das Sandarium gut für seinen Bau eignet (O´pflanzt is).