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Monat: September 2026

Bericht zur Exkursion: Freiham biodivers

Wildpflanzen im Neubaugebiet mit Dr. Ernst Habersbrunner

Die Exkursion startete am 18. September 2026 um 18:30 Uhr auf der Freihamer Festwiese, ein großes Areal zwischen Golo-Mann-Weg und Albert-Camus-Straße, das bis zur Bebauung als naturnahes Freigelände erhalten und von der Bürger*inneninitiative Naturnahe Festwiese Freiham zusammen mit dem Freiluftgarten des KINDERSCHUTZ als Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt wird. Derzeit steht dort auch die Kunstinstallation „Sichtung V“ der Künstler*innen Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier aus Forstern. Die begehbare Kunst-Installation soll im Namen der Kirche (Erzbistum München) Kontakt zu den Freihamer Bürgern aufnehmen, die die Angebote der Kirche kennenlernen sollen. Da passt der Wunsch der Bürgerinitiative, möglichst viel naturnahen Freiraum, in dem sich das vielfältige ursprüngliche Leben – die Schöpfung – zusammen mit den menschlichen Bewohner*innen wohlfühlen und weiterentwicklen kann, gut ins Konzept.

Die Bürgerinitiative möchte nicht nur Teile des Areals naturnah erhalten, sondern auch einen Lehrpfad gestalten, um Besucher*innen und Bewohner*innen für die heimische Ökologie zu sensibilisieren und die einmalige Chance für grüne und naturnah gestaltete Siedlungen zu verdeutlichen, die sich in diesem riesigen Neubau-Areal jetzt noch bietet. Am Rande der Wiese finden viele schöne Veranstaltungen statt – sie ist jetzt schon ein Besuchermagnet im Viertel geworden. Eine aussichtsreiche Ausgangslage, um mit Installationen und Bildungsveranstaltungen Natur- und Umweltbewußtsein zu schulen und einen biodiversen Freiraum zum Entspannen und Aufatmen dauerhaft zu erhalten.

Als Referenten für die Wildpflanzenexkursion konnten wir Dr. Ernst Habersbrunner vom Bund Naturschutz Ortsgruppe München West gewinnen, der sich die Erhaltung, Vermehrung und Wiederansiedlung autochthoner Wildpflanzen in München und Umgebung zum Ziel gemacht hat und uns unterstützen will, die Wildpflanzenvielfalt im Neubaugebiet zu entdecken und zu erhalten. Auch wenn natürlich ein Großteil der Flächen einmal anders genutzt werden wird, bis dahin kann man die autochthone Wildpflanzenpopulation identifizieren, vermehren und auf den vielen verbleibenden Freiflächen ansiedeln.

Eigens zu dem Zweck hat sich in Freiham eine Wildpflanzengruppe zusammengefunden, die schon in diesem Herbst beginnen will, ungenutze Flächen einzusähen und wertvolle Stauden und Sträucher an langfristig gesicherte Standorte umzusiedeln. Dazu müssen sie natürlich die ursprüngliche Vegetation und ihre ökologischen Nischen gut kennenlernen und auch die besten Methoden, um wertvolle Vegetation erfolgreich erhalten zu können.

Anfangs verlief unsere Suche etwas enttäuschend, da uns auf den ersten Metern nur problematische Pflanzen ins Auge gestochen sind, die eher typisch für einen aufgegebenen landwirtschaftlichen Acker sind, wie das hochtoxische Jakobsgreiskraut (Jacobaea vulgaris), sowie das Einjährige Berufskraut (Erigeron annuus), eine aus Kanada stammende Feinstrahlaster, die sich hier als invasiver Neophyt extrem vermehrt und einheimische Wildpflanzen verdrängt.

Foto: Jacobaea vulgaris

Etwas weiter im Inneren der großen Wiese stießen wir dann aber doch noch auf eine überraschende Vielfalt an wertvollen Wildpflanzen, teilweise typisch für die Münchner Schotterebene, oft auch in größeren Beständen, wie zum Beispiel das weiße und das echte Labkraut (Galium album, Galium verum), verschiedene Fingerkräuter (Potentilla), verschiedene Königskerzen-Varianten (Verbascum), den kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Odermenning (Agrimonia eupatoria), die Moschusmalve (Malva moschata), Dost (Origanum), Johanniskraut (Hypericum perforatum), Weiße Lichtnelke (Silene latifolia alba) und die Golddistel (Carlina vulgaris).

Vermehren und Umsiedeln

Stauden und Sträucher, wie zum Beispiel Wildrosen- und Ginsterarten (Genista) , die wir im offeneren Randbereich der Wiese fanden, können sehr einfach ausgestochen und – am Besten jetzt im Herbst – umgesiedelt werden, bevor sie einer Bebauung zum Opfer fallen. Der offene Boden um die Neupflanzung herum sollte mit Sand oder Kies bedeckt werden, um konkurrenzstärkere Pflanzen zu unterdrücken, bis sich die Neulinge etablieren können.

Neben den, auf vielen Schotterflächen im Viertel weit verbreiteten Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei), entdeckten wir auf unserer Wiese auch das Waldweidenröschen oder Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Die filigranen Samenstände werden durch den Wind weit fortgetragen und siedeln sich an, wo der Standort es zulässt. Das Sammeln und Ausbringen auf den vielen kiesigen und nahezu kahlen Ruderalflächen im Viertel würde sich für einige Arten, wie auch die hübsche Golddistel lohnen.

Die einfachste und erfolgversprechenste Art auch größere Flächen biodiverser zu gestalten ist die Mähgutübertragung. Dr. Habersbrunner erklärt uns genau, wie das geht und was man beachten muss: Am Besten ganz früh am Morgen, wenn das Mähgut mit den vielen Samenständen noch feucht von Tau ist, auf einen mit Plastikplane ausgeschlagenen Hänger laden und auf die kiesigen, möglichst noch offenen Flächen im Viertel ausbringen. Je magerer sie sind, desto größer ist die Chance, dass sich die wertvolleren Pionierpflanzen in dieser Nische ansiedeln und nicht die auf nährstoffreichere Böden angewiesenen Allerweltspflanzen.

Noch ein Hinweis ist für einen langfristigen Erfolg sehr wichtig:

Da sich die Pflegeleistungen des städtischen Gartenbaus nicht komplizieren dürfen, ist es am Besten, nicht einzelne kleine, sondern große, zusammenhängende Flächen in Form einer Patenschaft zu gestalten und zu betreuen. Für die Stadt ist es einfacher, z.B. alle Ruderalflächen entlang einer Straße nicht mehr zu mähen, als einzelne Flurstücke. Das hilft uns und der Natur, ganze Straßen dauerhaft naturnäher zu gestalten und entlastet die Stadtverwaltung. Hier sind die Bürger*innen aufgerufen: Man braucht viele helfende Hände und dauerhaftes Engagement, um das zu realisieren.

Warum überhaupt autochthone Pflanzen bevorzugen?

Autochthone Arten sind heimische, standorttreue Arten, die sich seit langer Zeit natürlich in einem lokalen Gebiet entwickelt haben. Sie haben sich über viele Jahre an die lokalen Bedingungen angepasst und sind daher widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Wetterextreme. Jede lokale Art und Variante hat also eine an den Standort angepasste eigene Genetik und Genexpression ausgebildet, die sie von den Varianten in einer anderen Region unterscheidet. So kommt die genetische Biodiversität, die enorme Vielfalt des Lebens zustande. Autochthone Arten bieten den lokalen Tieren Nahrung und Lebensraum. Bei der Anlage von naturnahen Parks oder Gärten werden autochthone Pflanzen eingesetzt, weil sie besser für das lokale Klima und die Tierwelt geeignet sind. Sie benötigen weniger Pflege und tragen durch ihre bewußte Ansiedlung dazu bei, dass der wertvolle Genpool erhalten wird.


Text und Bilder: Ruth Mahla

Farm to Museum

Ist Landwirtschaft Kunst? Dieser Frage ging das BiodivHubs-Projekt gemeinsam mit der Pinakothek der Moderne bei einem besonderen Kochevent in der „Sommerküche“ nach.

25 Münchner*innen kamen zusammen, um die Ausstellung „Convivium“ zu entdecken, über die Zukunft unserer Landwirtschaft zu diskutieren und anschließend gemeinsam mit dem Koch Felix Zimmermann ein saisonales Gericht zu kreieren – eine Kürbissuppe mit frischem Gemüse aus dem Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“.

Als Einstieg in den Workshop gab David Schoo von der Technischen Universität München (TUM) eine Führung durch die Ausstellung. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage: Wie könnte eine imaginäre Landwirtschaft aussehen, um ein Kunstwerk zu sein? Die Ausstellung bot dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte, um kritisch über unser Verhältnis zu Natur, Nahrung und landwirtschaftlicher Produktion nachzudenken.

Anschließend ging es vom Museum direkt in die Sommerküche, die von Studierenden des Architekturmuseums entworfen wurde. Nach dem Motto „Farm to Museum“ wurde gemeinsam mit den Teilnehmer*innen und dem Koch Felix Zimmermann eine vegane Kürbissuppe zubereitet. Die regionalen und saisonalen biologischen Zutaten kamen aus dem Karlsfelder Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“: Kürbis, bunter Mangold, Rote Bete und verschiedene Wildkräuter wurden zu einem herbstlichen Gericht verarbeitet. Die kräftigen Farben und der intensive Geschmack des Gemüses und der (Wild-)Kräuter machten die Suppe zu einem Kunstwerk und Geschmackserlebnis für die Sinne.

Doch beim gemeinsamen Schnippeln und Kochen ging es um mehr als ein gutes Essen. Es wurde darüber diskutiert, woher unser Gemüse kommt und welche Auswirkungen die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, auf Mensch und Natur hat. Welche Wege legen unsere Lebensmittel zurück? Unter welchen Bedingungen werden sie angebaut? Und wie können wir Landwirtschaft so gestalten, dass sie nicht nur Menschen ernährt, sondern gleichzeitig Böden, Ökosysteme und biologische Vielfalt erhält oder gar fördert, anstatt sie zu zerstören?

Dabei wurden verschiedene Lösungsansätze aufgezeigt und diskutiert – von regenerativer Landwirtschaft bis hin zu Urban Farming. Gerade urbane Gemeinschaftsgärten zeigen, wie Lebensmittelproduktion, Biodiversität und soziales Miteinander in der Stadt gelebt werden können.

So wurde aus einem Nachmittag in der Pinakothek der Moderne eine Reise zwischen Kunst, Landwirtschaft, Biodiversität und Kulinarik. Das Event „Farm to Museum“ hat gezeigt, dass Landwirtschaft nicht nur Lebensmittelproduktion bedeutet, sondern unsere Umwelt, das Landschaftsbild und unsere Kultur prägt.

Text und Fotos: David Schoo

Neues Laichgewässer für die Wechselkröten am ÖBZ

Ein langer Wunsch ist Wirklichkeit geworden: Am Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) in München wurde in den letzten Wochen im Rahmen des BioDivHubs-Projekts ein neues Laichgewässer für die Wechselkröten angelegt. Diese Biodiversitätsmaßnahme ist nicht nur ein Gewinn für die bedrohte Amphibienart, sondern auch ein Beispiel für gelungenen Artenschutz durch Gemeinschaftsengagement und fachkundige Planung.

Warum ein neues Gewässer für die Wechselkröte?

Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist eine faszinierende, aber stark gefährdete Amphibienart, die in München heimisch ist. Vor der Wiedervereinigung war die Region sogar das wichtigste Vorkommen dieser Art in ganz Deutschland. Doch durch Bebauung, Trockenlegung von Feuchtgebieten und den Verlust geeigneter Laichgewässer schwindet ihr Lebensraum.

Wechselkröten haben spezielle Ansprüche an ihre Fortpflanzungsstätten. Die bisherigen Gewässer am ÖBZ erfüllen diese Bedingungen nur teilweise. Der extra für Wechselkröten angelegte Teich im Experimentiergarten des ÖBZ bietet nur wenig Platz, und die Technik zum Ablassen des Wassers ist verbesserungswürdig.  Deshalb wurde nach einer nachhaltigen Lösung gesucht.

Planung, Umsetzung und Vorteile

Gemeinsam mit Expert*innen vom Amphibienbiotop am Denninger Anger und der BN-Ortsgruppe München Ost wurde daher entstand im Sandarium hinter der neuen Trockenmauer ein gut 40 m² großes, ablassbares Laichgewässer konzipiert. Wie wurde das Gewässer angelegt?

  1. Sand als Basis: Der Untergrund besteht aus einer Sandschicht, die sich leicht modellieren lässt.
  2. Bau der Teichgrube: Die Grube wurde ausgehoben und mit einem Vlies und einer robusten EPDM-Folie ausgekleidet.
  3. Ablaufsystem: Ein kontrollierbarer Abfluss wurde integriert, um das Gewässer bei Bedarf gezielt zu entleeren.
  4. Schutz vor UV-Strahlung und Nutzung: Eine Betonabdeckung schützt die Folie vor Sonneneinstrahlung und ermöglicht Pflegemaßnahmen, ohne die Struktur zu beschädigen.

Das Ablass-System ist aus mehreren Gründen eine besondere Lösung für das neue Laichgewässer der Wechselkröten. Erstens schafft es einen naturnahen Lebensraum, der den Bedürfnissen der Amphibien perfekt entspricht. Wechselkröten legen ihre Eier ausschließlich in temporäre Gewässer, die im Sommer austrocknen und das System ermöglicht genau diese Dynamik. Zweitens beugt es einer Überwucherung vor und vereinfacht es die Pflege des Gewässers erheblich. Ohne regelmäßiges Ablassen würden sich schnell zu viele Pflanzen ansiedeln, die das Gewässer für die Wechselkröten unattraktiv machen. Das System hält den Teich in einem Zustand, der den natürlichen Bedingungen entspricht, die die Art zum Laichen benötigt. „Diese Methode mit dem Abfluss praktizieren wir seit über 20 Jahren, und sie hat sich absolut bewährt. Wir hoffen, dass das die Wechselkröten-Population hier weiter voranbringt.“sagt der Amphibienexperte Stefan Freiberger.

Es wird mit Spannung erwartet, wie die Wechselkröten das Laichgewässer im kommenden Frühjahr annehmen werden. Denn dass sie sich in der Umgebung bereits aufhalten, ist sicher: Zwei Tage, nachdem der Teich aufgefüllt wurde, war während der Abenddämmerung der Wechselkröten-Gesang – das untrügliche Trällern – aus der Trockenmauer am Sandarium zu hören. Die Trockenmauer mit ihren vielen Lücken und Spalten bietet den Tieren einen optimalen Überwinterungsplatz. Erstaunlich, wie schnell die Art ihren Lebensraum entdeckt hat.

Das neue Laichgewässer am ÖBZ ist ein wichtiger Baustein für den Amphibienschutz im Münchner Osten und ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Es zeigt, was erreicht werden kann, wenn Fachwissen, Engagement und Gemeinschaft zusammenkommen.

Mehr zum Thema Wechselkröte und Amphibien:

Text: Dr. Julia Gamberini ; Bilder: Konrad Bucher

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