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Schlagwort: Ackermannbogen

Naturschutz auf dem Balkon

Die faszinierende Vielfalt der heimischen Pflanzen schwindet! Etwa 70 Prozent der Arten sind von einem rückläufigen Trend betroffen, viele sind sogar vom Aussterben bedroht. Eine Hauptursache dafür ist der Verlust von natürlichen Lebensräumen, zum Beispiel durch die chemieintensive Landwirtschaft oder die fortschreitende Urbanisierung. Doch auch in Siedlungsräumen könnten auf öffentlichen und privaten Flächen gefährdete Wildpflanzen wachsen. Sie sind hier heimisch und oft besser an das Klima angepasst als viele der herkömmlichen Zierpflanzen, die im Winter erfrieren und entsorgt werden. Laut einer Studie von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Leipzig eignen sich etwa 40 Prozent der gefährdeten Wildpflanzen für die Kultur im Garten. Und etliche Arten, die z.B. gut an Trockenheit angepasst sind, gedeihen sogar auf dem Balkon. Das daraus entwickelte Konzept nennt sich Conservation Gardening und möchte das große Potenzial von Grünanlagen, privaten Gärten und Balkonen in Deutschland für den Naturschutz nutzen, und die Menschen in die Förderung der biologischen Vielfalt einbeziehen. „Es bedarf neuer Ansätze, die Mensch und Biodiversität nicht mehr als voneinander getrennte Aspekte betrachten. Conservation Gardening kann das gesellschaftliche Bewusstsein für die Biodiversitätskrise schärfen, während gleichzeitig partizipative Maßnahmen ergriffen werden, um dem Rückgang heimischer Pflanzenarten entgegenzuwirken“ so Prof. Staude, einer der Forscher aus Leipzig. Eine frei verfügbare App listet für jedes Bundesland die jeweils geeigneten Arten auf, macht Angaben über deren Standortansprüche und nennt sogar Bezugsquellen.

Im Quartier am Ackermannbogen wollen wir dieses Konzept im Rahmen des Verbundprojekts BioDivHubs in die Praxis umsetzen. Dieses Jahr beginnen wir mit 20 Arten, die sich für die Pflanzung auf dem Balkon eignen. Beim BioDivHub am 28. Februar werden wir das Projekt vorstellen. Beim Workshop „Naturschutz auf dem Balkon?“ am 8. März (Wiederholung am 27. März) schauen wir uns die Conservation Gardening-Liste an und besprechen die Auswahl der geeigneten Arten. Welche Kombinationsmöglichkeiten gibt es für eine ansprechende und dauerhaft funktionierende Pflanzung, die genau zur gegebenen Situation auf Ihrem Balkon passt?
Beim Workshop „Gärtnern mit Wildpflanzen auf dem Balkon“ am 12. April erfahren wir, wie man den Wildpflanzen ihren erforderlichen Standort schafft, v.a. mit der Wahl der richtigen Gefäße und Substratmischungen. Die Pflanzen, für die wir uns entscheiden, werden gemeinsam bestellt und über die Projektförderung finanziert. Im Gegenzug beteiligen Sie sich mit Ihren Beobachtungen und Erfahrungen am Forschungsprojekt zur Eignung der heimischen Wildpflanzen für den Balkon.

Foto: © Ackermannbogen

Beteiligung in den Modellquartieren: Ackermannbogen

Das erste BioDivHub am Ackermannbogen fand am 16.11.2023 unter dem Motto: „Biodiversität verstehen, erleben, gemeinsam gestalten“ statt.

Was ist Biodiversität?

Schon diese erste Einführungsveranstaltung, in deren Verlauf das Team von Stadtnatur sowohl das Projekt und seine Ziele vorgestellt, als auch die wichtigsten Grundlagen des Begriffs „Biodiversität“ allgemeinverständlich erklärt hat, war mit ca. 30 Teilnehmer*innen sehr gut besucht und stieß auf großes Interesse. Auch für Laien wurden gut verständlich die 3 Ebenen der Biodiversität erklärt. Sowohl die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, die Vielfalt der Arten, als auch die Vielfalt der Ökosysteme und Lebensräume sind Voraussetzung für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Was passt zu unserem Quartier?

Dementsprechend wurden im ersten Biodivhub, wie auch in den folgenden Veranstaltungen zu diesen 3 Aspekten der Biodiversität verschiedene Biodiversitätsmodule für das Quartier identifiziert.

Welche Orte? Balkone und Terrassen

Beim zweiten BioDivHub am Ackermannbogen am 28.02.2024 und beim Workshop „Naturschutz auf dem Balkon?“ am 8. März (Wiederholung am 27. März) waren die wiederum über 30 Teilnehmer*innen begeistert dabei und stellten viele Fragen zum konkreten Ablauf und zu den Möglichkeiten auf speziell ihren Balkon. Es kristallisierte sich heraus, dass das Conservation-Gardening-Projekt, durch Pflanzungen seltener oder bedrohter heimischer Wildpflanzen in kleinen urbanen Nischen wie privaten Balkonen Überlebensinseln zu schaffen, sehr viele Quartiersbewohner*innen begeistert und mit mindestens 20 -30 Teilnehmer*innen zu rechnen ist, die auch bei der wissenschaftlichen Begleitung der Pflanzung auf ihren Privatflächen gerne mitmachen.

Welche Pflanzen und welches Substrat?

Bei der Auswahl der geeigneten Arten und ihrer Kombinationsmöglichkeiten muss nicht nur die jeweilige Situation auf dem Balkon genau analysiert, sondern auch das Substrat angepasst werden. Dafür gibt es am 12. April einen weiteren Workshop mit der Referentin Christine Nimmerfall.

Modellquartier Ackermannbogen mit dem Gemeinschaftsgarten StadtAcker

Der Gemeinschaftsgarten:

Der 1000 qm große Gemeinschaftsgarten in Trägerschaft des Quartiersvereins Ackermannbogen e. V. liegt mitten im Wohngebiet Ackermannbogen, ganz in der Nähe des zentralen Stadtplatzes zwischen Edeka-Supermarkt und Mittelschule. Als Projekt mit Vorlaufprogramm gibt es den StadtAcker seit 2011, im Frühjahr 2017 konnten wir ihn auf der vorgesehenen Fläche in Betrieb nehmen.

Im Rahmen des Bundesprojekts „Kurze Wege für den Klimaschutz“ entwickelten wir im StadtAcker 2018/19 alltagsnahe und lebenswelt-orientierte Tipps und Praktiken für einen umwelt- und klimabewussten Lebensstil.

Inzwischen ist der StadtAcker als „Nachbarschaftstreff im Freien“ fest etablierter Lern- und Begegnungsort mit starker Beteiligung vieler engagierter Anwohner:innen.

Das Quartier

Das knapp 36 ha umfassende Quartier Ackermannbogen südlich des Münchner Olympiaparks entstand Anfang der 2000er-Jahre auf dem Gebiet der ehemaligen Waldmann-Stetten-Kaserne.

Knapp 7.000 Menschen aus verschiedenen Nationen leben am Ackermannbogen. Das Quartier ist nicht nur städtebaulich jung, sondern auch bezüglich seiner Bevölkerungsstruktur: Rund 22% aller Bewohner:innen sind jünger als 20 Jahre (Ø München ca. 17%). 

Überregionale Beachtung findet das Quartier nach wie vor aufgrund seiner städtebaulichen Qualitäten und der durch den Ackermannbogen e.V. von Anfang mit aufgebauten aktiven und engagierten Nachbarschaft.

Das passiert nun im Quartier

Seit Mitte 2023 ist das Quartier am Ackermannbogen Modellquartier im Rahmen des Verbundprojekts BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier. Es hat das Ziel, die biologische Vielfalt ausgehend von den Aktivitäten im StadtAcker unter Beteiligung der Nachbarschaft im Viertel zu fördern.

Zusammen mit dem Münchner Umwelt-Zentrum im Ökologischen Bildungszentrum bringt sich das Ackermannbogen-Quartier mit dem Leitgedanken „Menschen begeistern, beteiligen und bilden“ als Kompetenzpartner im Bereich der Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung in das Projekt ein.

Wir verstehen die biodiverse Gestaltung des Viertels als längerfristigen kreativen Prozess, der die biologische Vielfalt und gleichzeitig die Lebensqualität der Quartiers-Bewohner:innen und deren Selbstwirksamkeit fördert. Gemeinsam entwickeln wir Ideen und Maßnahmen, die von unterschiedlichen Bildungsformaten wir Workshops, Vorträgen und Führungen begleitet werden. So kommen wir vom Wollen ins Tun und lernen aus unseren Erfahrungen.

Für die Ideen-Entwicklung finden regelmäßige BioDivHub-Treffen statt. Sie sind Forum für Information, Austausch, Ideenschmiede und Projektwerkstatt. Wer gerne zu diesen Treffen eingeladen werden möchte, melde sich bitte unter stadtacker@ackermannbogen-ev.de.

Zu den StadtNatur-Veranstaltungen am Ackermannbogen findet man unter https://ackermannbogen-ev.de/stadtnatur/

Foto: © Jürgen Plass, TU München

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