Zum Hauptinhalt springen

Autor: Claudia Oberbeil

Workshop Sandarium

Im Jahr 2025 fanden in mehreren Studiengärten, die sich im BioDivHubs Projekt beteiligen, Workshops zum Bau von sogenannte Sandarien statt. Dabei handelt es sich um trockene, vegetationsarme und gut besonnte Sandflächen, die gezielt als Nistplatz für Wildbienen und andere Insekten angelegt werden. Oftmals in Kombination mit Trockensteinmauern, bieten diese Strukturen Raum zum Nisten und die Möglichkeit zu überwintern. Die Vorteile dieser Sand- und Steinstrukturen sind vielfältig: Steine speichern die Wärme der Sonne und geben sie nachts langsam wieder ab, wodurch ein ausgeglichenes Mikroklima entsteht.

Um die Artenvielfalt zu fördern, braucht es neben Blühwiesen mit heimischen Wildpflanzen als Nahrungsangebot auch geeignete Habitate, die als Nist- und Wohnraum dienen. Vielfältige Strukturen, neben Totholz auch offener Boden, Sand, sowie Felsspalten und Fugen, bieten Insektenschutz vor rauer Witterung und vor Fressfeinden. In Spalten, Rissen und Hohlräumen zwischen den Steinen finden viele Arten, darunter auch Reptilien, sichere Verstecke und geeignete Überwinterungsplätze.

Ein besonderer Fokus liegt beim Sandarium auf den bodennistenden Insekten. Viele Arten verbringen einen Teil ihres Lebens unter der Erde und sind auf offenen Boden angewiesen. Bei den Wildbienen sind es etwa 60 bis 80 Prozent der Arten, die ihre Nester im Boden anlegen. Dabei hat jede Art eigene Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit und Temperatur. Die meisten bevorzugen sonnige, warme und trockene Standorte – ideale Bedingungen, wie sie beispielsweise an einem nach Süden ausgerichteten Hang vorzufinden sind.

Gerade in Städten sind solche Bedingungen jedoch selten geworden. Große Flächen sind versiegelt und selbst scheinbar geeignete Orte wie Fugen zwischen Pflastersteinen sind häufig mit Schadstoffen belastet oder zu stark verdichtet. Für bodennistende Insekten fehlt es daher oft an geeigneten Nisthabitaten.

Die Umsetzung der Sandarien in den Gemeinschaftsgärten folgte dabei einem einfachen Prinzip. Es wurden sonnige Bereiche ausgewählt, der Boden teilweise abgetragen und mit geeignetem Sand ca. 30-50 cm tief aufgefüllt. Als Umrandung wurden Steine oder Trockenmauern verwendet, welche zusätzliche Struktur und Wärme bieten. Bei der Pflege sollte man darauf achten, dass ein Teil der Fläche dauerhaft offen und möglichst ungestört bleibt.

Ein Sandarium lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand, idealerweise aus regional verfügbaren Materialien, umsetzen. Der Platzbedarf ist gering, schon kleine Flächen von 1-2 m² können einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung von Wildbienen leisten. Sandarien sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich ökologische Anforderungen und die Nutzung durch Menschen miteinander verbinden lassen, ein inspirierendes Beispiel ist das Thymian Sandarium im Stadtacker. Sie brauchen wenig Platz, fügen sich gut in bestehende Gartenstrukturen ein und können gleichzeitig eine große Wirkung entfalten. Wie schnell die neuen Lebensräume angenommen werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die ersten Wildbienen Gänge wurden schon entdeckt. Und neben Wildbienen dachte sich auch ein Hase, dass sich das Sandarium gut für seinen Bau eignet (O´pflanzt is).

Sandarium im Freihamer Freiluftgarten, Sonnengarten Solln und O´pflanzt is

Fotos: Cristof-Ansarian Annika, David Schoo

Text: David Schoo

BioDivHubs-Symposium 2025

Tagungsdokumentation und Video.

Wie kann Biodiversität in der Stadt gedacht und gemeinsam gestaltet werden? Rund 50 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung, Naturschutz und Stadtgesellschaft haben sich am 14. November 2025 im Ökologischen Bildungszentrum München (ÖBZ) genau dieser Frage gewidmet.

Das 1. BioDivHubs-Symposium „Biodiversität denken – Vom Verstehen verschiedener Perspektiven zum gemeinsamen Gestalten“ am 14.11.2025 war Teil des Verbundprojekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“. Die komplette Tagungsdokumentation (56 Seiten) und ein stimmungsvoller 3-Minuten-Videoclip sind ab sofort online.

Das Programm im Überblick

  • Philosophischer Impuls: Prof. Dr. Benjamin Rathgeber (Philosophische Hochschule München) und Michael Hebenstreit (Erbach i. Od.)
  • Projektvorstellungen: Zwischenergebnisse aus „BioDivHubs“ – Strukturen schaffen, Citizen Science, Engagement verstehen und vor Ort gestalten
  • Fachgespräch „Rewilding the City“: Zwischen gärtnerischen Bedürfnissen und Naturschutz (u. a. mit Dr. Ernst Habersbrunner, Bund Naturschutz, und Prof. Dr. Monika Egerer, TUM)
  • Drei parallele Workshops
    • WS 1: Die beste Biodiversitätsmaßnahme ist Beziehungspflege!
    • WS 2: Welcher Biodiversitätstyp bin ich? (mit kreativen Horoskopen für 2026)
    • WS 3: Kreativer Praxisworkshop – Ein Nest aus Totholz (Landart-Kunstaktion)

Zentrale Erkenntnisse

Das Symposium hat gezeigt: Biodiversität ist kein rein biologisches Thema, sondern vor allem ein gesellschaftlicher und kultureller Aushandlungsprozess. Erst wenn wir die eigenen Bilder von „Natur“ und „Biodiversität“ reflektieren, können wir Missverständnisse vermeiden und wirklich gemeinsam handeln.

Besonders deutlich wurde das Spannungsfeld in Gemeinschaftsgärten: Hier treffen Freude am Gärtnern, sozialer Zusammenhalt und naturschutzfachliche Anforderungen (z. B. Florenverfälschung vs. lokaler Genpool) aufeinander. Genau dort liegt das große Potenzial des Projekts.

Jetzt downloaden: Die komplette Tagungsdokumentation

Die 56-seitige Dokumentation enthält:

  • Das vollständige Programm
  • Zusammenfassenden Bericht
  • Alle Impulsbeiträge und Workshop-Ergebnisse
  • Fotodokumentation und Impressum

Das 2. BioDivHubs-Symposium findet am 18. November 2026 statt.

Fotos: Marc Haug

BioDivHubs beim 8. Saatgut-Festival!

Am 1. März fand im Ökologisches Bildungszentrum München (ÖBZ) das 8. Saatgut-Festival statt. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und bot neben einer stark frequentierten Tauschbörse einen großen Info- und Saatgutmarkt, Mitmachaktionen für Kinder sowie eine vielseitige Vortragsreihe. Thematisiert wurden unter anderem Förderprogramme der Landeshauptstadt München für mehr Biodiversität, praktische Tipps für die naturnahe Gartenarbeit, der Umgang mit autochthonen Pflanzen sowie Fragen der Saatgutsouveränität und aktuelle politische Entwicklungen.

Das BioDivHubs-Projekt war gemeinsam mit dem Netzwerk Urbane Gärten München mit einem Infostand vertreten. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der an der Technische Universität München entwickelten Saatgutmischung zur Förderung artenreicher und standortangepasster Blühflächen im urbanen Raum. Das Interesse war groß: über hundert Saatgut-Tütchen wurden im Laufe des Tages verteilt!

Eine Anleitung zur Anlage einer Blühwiese sowie weiterführende Informationen finden sich im Kapitel „Blühwiese“ unseres Maßnahmenkatalogs (hier zum Download).

Ein herzlicher Dank gilt dem Referat für Klima- und Umweltschutz München (RKU) der Landeshauptstadt München für die wertvolle Unterstützung.

Save the Date: Das 9. Saatgut-Festival am ÖBZ ist für den letzten Februarsonntag des kommenden Jahres geplant.

Text und Bilder: Dr. Julia Gamberini

Achtes Saatgut-Festival im ÖBZ München

Vielfalt erhalten und genießen.

In Zeiten des Klimawandels und zunehmender Abhängigkeit von der Agroindustrie rückt die Erhaltung samenfester Pflanzensorten stärker in den Fokus. Seit Jahrhunderten vermehren Menschen weltweit ihr eigenes Saatgut durch Selektion und Kreuzungen, was eine immense Vielfalt an Kulturpflanzen hervorgebracht hat. Diese regional angepassten Sorten bieten Potenzial, um zukünftige Herausforderungen zu meistern. Doch moderne Züchtungsmethoden, einschließlich Gentechnik und Patentierungen durch Konzerne, bedrohen diese Souveränität. Genau hier setzt das achte Saatgut-Festival an: Es lädt ein, die Vielfalt zu feiern, zu erhalten und zu genießen.

Am Sonntag, den 1. März 2026, von 10:00 bis 17:00 Uhr, verwandelt sich das Ökologische Bildungszentrum München (ÖBZ) in der Englschalkinger Straße 166 in einen Treffpunkt für Gärtner*innen, Naturschützer*innen und Interessierte. Veranstaltet wird das Festival vom ÖBZ, dem Münchner Umwelt-Zentrum und dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN), mit freundlicher Unterstützung des Referats für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.

Highlights des Festivals

Der Tag steht ganz im Zeichen der Saatgutvielfalt. Besucher*innen erwartet ein großer Saatgut-Markt mit Tauschbörse, wo private Gärtner*innen von 10:00 bis 13:00 Uhr Saatgut austauschen können. Weitere Infos zur Tauschbörse gibt es auf www.oebz.de/saatgutfestival. Zahlreiche Infostände bieten Einblicke in Projekte und Angebote.

Zusätzlich sorgt JIM’S FOODTRUCK für saisonales Bio-Catering aus der Region, und im Sonntagscafé gibt es Kuchen und warme Getränke. Eine interaktive Installation verspricht Überraschungen für alle Altersgruppen.

Ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm beleuchtet Themen von der Praxis bis zur Politik. Für die Kleinen gibt es eine offene Kinderaktion um 14:00, 14:45, 15:30 und 16:15 Uhr.

Praktische Infos

Der Eintritt ist frei. Anfahrt: U4 bis Arabellapark, dann Bus/Tram bis Cosimabad.

Kontakt: Tel. 089/93 94 89-71, E-Mail: frauke.feuss@oebz.de, Web: www.oebz.de/saatgutfestival.

Das Saatgut-Festival ist mehr als eine Veranstaltung – es ist ein Aufruf zur Handlung für eine nachhaltige Zukunft. Kommen Sie vorbei und entdecken Sie, wie Sie selbst zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt beitragen können!

Alle Infos zu Vorträge, Aktionen und Mitwirkenden finden Sie hier.

Das vom Münchner Umwelt-Zentrum e.V. im ÖBZ gemeinsam mit dem Verein für Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) organisierte Saatgut-Festival wurde gefördert durch das Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt München.

Bild: © Annette Holländer

UN-Dekade-Projektwettbewerb 2025: TOP 10 erreicht

Pressemitteilung

München, 20.12.2025 – Ein großer Erfolg für das Münchner Verbundprojekt „BioDivHubs –Biodiversität ins Quartier“: Das Projekt wurde im UN-Dekade-Projektwettbewerb 2025 zur Wiederherstellung von Ökosystemen in der Kategorie „Stadtnatur – Aktivierung“ unter die TOP 10-Projekte gewählt.

Der Wettbewerb wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) durchgeführt. Er würdigt besonders wirkungsvolle, innovative Projekte, die Menschen für den Erhalt und die Wiederherstellung von Ökosystemen begeistern.

Das Projekt „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ fördert die biologische Vielfalt mitten in der Stadt: In vier Münchner Modellquartieren – am Ackermannbogen, am ÖBZ in Bogenhausen, in Giesing und in der Isarvorstadt – werden ausgehend von Gemeinschaftsgärten sogenannte BioDivHubs etabliert, die sich zu Foren für Beteiligung, Austausch und kreative Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt entwickeln.

In den BioDivHubs entstehen im gemeinsamen Prozess kreative Ansätze für biodiverse Stadträume. Wissenschaftlich begleitet werden die Aktivitäten durch partizipative Forschung, die Wirksamkeit der Maßnahmen wird evaluiert. Zusätzlich vermittelt ein vielfältiges Angebot an Workshops, Führungen und Bildungsformaten Wissen über stadtökologische Zusammenhänge und stärkt die Akzeptanz naturnaher Maßnahmen auf öffentlichen und privaten Flächen.

Die offizielle Bekanntgabe der Gewinnerprojekte erfolgte am 19. Dezember 2025 durch das Bundesamt für Naturschutz. Ab diesem Tag sind die prämierten Projekte online abrufbar unter: https://www.undekade-restoration.de/projekte/

Über das Projekt „Biodiversität ins Quartier“
Das Verbundprojekt wird koordiniert von der BürgerStiftung München gemeinsam mit Green City e.V., Münchner Umwelt-Zentrum e.V. im Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) in Kooperation mit dem Ackermannbogen e.V., dem Museum für Naturkunde Berlin und der Technischen Universität München. Ziel ist es, einen Beitrag zur Biodiversitätsstrategie der Stadt München zu leisten und Menschen zur Mitgestaltung ihrer Stadtnatur zu motivieren.

www.biodivhubs.net

Angelegte Blühflächen & Wildstaudenbeete

Blühwiesen und extensive Weiden gehören zu den artenreichsten Ökosystemen in Mitteleuropa, sind aber ohne Mahd und Pflege nur relativ kurzfristige Erscheinungen, da sie in Folge der natürlichen Sukzession verbuschen und sich schließlich zu Wald weiterentwickeln würden. (Siehe Artikel Wiesen & Weiden)

Die bunt blühenden Wiesen, wie wir sie kennen und lieben, Lebensraum für eine Vielzahl von Wildtieren, wie Vögel und zahlreiche Insektenarten, sind also heutzutage eine Erscheinung unserer bäuerlichen Kulturlandschaft – wertvolle Biotope, die der Mensch durch naturnahe Nutzung schafft und erhält.

Wenn wir uns also größere und kleinere Blühinseln auch in unsere Städte holen, um die urbane Biodiversität zu fördern, dann folgen wir einer alten Kulturtradition, die wir nur ein wenig an den neuen Zweck anpassen müssen. In der Regel brauchen wir das gemähte Gras in der Stadt nicht für Nutzvieh – die anfallende Biomasse ist aber auch für uns wertvoll, da wir auf dieser Basis Kompost- und Mulchwirtschaft in unseren urbanen Gärten begünstigen können.

Die TU München und das Museum für Naturkunde in Berlin, Verbundpartner im Projekt BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier haben in ihrem Forschungsprojekt zu Wildbienen nachgewiesen, dass:

Grob unterscheiden kann man neuangelegte Blühbereiche einerseits anhand der Standortmerkmale, der Nutzungsansprüche, des Pflegeaufwands, aber auch nach der Zusammensetzung der Pflanzen: Sollen vorwiegend mehrjährige Stauden gepflanzt werden oder soll eine bunte Wiesenblumenmischung mit mehrjährigen Wildstauden, einjährigen Wiesenblumen und Gräsern eingesät werden, die eine Mahd mindestens einmal im Jahr erfordert?

Wir unterscheiden:

  • Pionierflächen – Ruderalflächen
  • Blühstreifen, Blühwiesen
  • Staudenpflanzungen

„Pionierflächen“ werden aus der Nutzung genommene Lebensräume mit offenem Boden genannt. Im nährstoffarmen und kalkhaltigen Schutt oder Kies siedeln sich gerne lichtliebende Krautpflanzen als erste Pioniere an. Auch wenn man nichts pflanzt oder ansäht ergrünen die Flächen allmählich, da genug „schlafende“ Samen überall in den Böden ruhen und von Vögeln und auch dem Wind Saatgut verfrachtet wird.

„Ruderal“ leitet sich vom lateinischen Wort rudus ab, was zerbröckeltes Gestein, Geröll, Schutt bezeichnet. Vegetationsökologisch unterscheidet man sehr viele unterschiedliche Ruderalstandorte, darunter auch stickstoffreiche, sehr üppig bewachsene Flächen. Oft sieht man an ungenutzten Bauflächen, stillgelegten Bahnstrecken und Böschungen einen sich mit den Jahren verändernden Bewuchs, der je nach Nährstoffangebot und Exposition sehr verschieden ausfallen kann. An offenen und nährstoffarmen Standorten siedeln sich oft Pflanzengesellschaften an, die denen der Trocken- und Kalkmagerrasen ähneln. Diese Pflanzen, die „lichtliebenden Hungerkünstler“, kann man in sonnigen, trockenen Lagen anpflanzen, wenn man den Mutterboden abträgt und mageres Substrat und Kies aufschüttet. Es können sowohl passendes Saatgut ausgebracht, als auch Topfpflanzen eingesetzt werden – oder eine Kombination aus beiden. Auch trockene Sommer überstehen sie ohne Bewässerung.

Es muss zwar nicht regelmäßig gemäht werden – invasive Neophyten, wie die Kanadische Goldrute oder das Einjährige Berufskraut sollten aber regelmäßig rausgenommen und der Boden offen gehalten werden.

Die meisten Blühwiesenarten benötigen viel Sonneneinstrahlung und Wärme für ein gutes Wachstum. Es lohnt sich immer, einen solchen Standort mit einer Blühwiese oder einen Blühstreifen aufzuwerten. Dabei ist auch das Nährstoffangebot ein wichtiger Faktor, was für eine Artenzusammensetzung sich auf der Fläche etablieren kann. Generell gilt: Je geringer das Nährstoffangebot, desto biodiverser das Biotop. Meist sind auch die die eher seltenen heimischen Wildpflanzen besonders wertvoll für die heimische Insektenwelt, die sich auf eine dieser Arten als Futterpflanze spezialisiert haben. So ist zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene auf den Pollen von wilden Glockenblumenarten (Campanula) angewiesen.

2025 haben die Verbundpartner des BioDivHubs-Projekts den wunderschön illustrierten Katalog: „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ veröffentlicht. Er bietet eine Sammlung leicht verständlicher und praxisnaher, langjährig erprobter und wissenschaftlich fundierter Anleitungen, wie Gartenengagierte die biologische Vielfalt in der Stadt fördern können. Auch für die Anlage von Blühbereichen gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die sich an den Gegebenheiten der Urbanen Gärten orientiert. Es wird unmittelbar verständlich: Wir können wirklich „Tiere pflanzen“! Der Maßnahmenkatalog ist als kostenloses E-Book, oder als Printausgabe bei TUM University Press erhältlich: Zum Katalog

Bild: Auszug aus dem Maßnahmenkatalog der TUM: Illustration von Valentina Arros

Die Expert*innen der Technischen Universität München haben eine besonders insektenfreundliche Saatgutmischung mit heimischen Wildpflanzen entwickelt, die sich besonders für sonnig-trockene Standorte eignet. Diese Mischung ist die Grundlage für widerstandsfähige Blühwiesen im Münchner Raum, die wunderschön und ausdauernd blühen, und damit – von Frühling bis spät in den Herbst hinein – Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von zum Teil auch seltenen Wildbienenarten, Schmetterlingen und andere Insekten bereit stellen.

Die Mischung besteht aus 31 heimischen Arten und ist gut an das Münchner Klima und die vorherrschenden durchlässigen Böden auf der Schotterebene angepasst. Feldversuche der TUM wiesen nach, dass alle Arten dieser Blühwiese mehrere Wochen Trockenheit ohne Bewässerung überstehen können, was angesichts der zunehmenden Hitze- und Trockenperioden in Zeiten des Klimawandels Vorraussetzung für eine nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung zu mehr Biodiversität im urbanen Raum ist.

Das Wichtigste ist, dass ihr euch regional angepasstes Biosaatgut beschafft. Nicht jede bunte Mischung aus dem Gartencenter wird zur insektenfreundlichen und ausdauernden Blühwiese, auch wenn mit dem Label „bienenfreundlich“ inflationär geworben wird. Innerhalb der heimischen Pflanzen finden sich oft deutliche genetische Unterschiede, weshalb zum Schutz der genetischen Vielfalt nur regionale, sogenannte gebietseigene Herkünfte verwendet werden sollten. So blühen zum Beispiel Pflanzen aus den Wärmeinseln in Unterfranken im kühlen Voralpenland aufgrund ihrer Genetik unter Umständen zwei Wochen früher, während ihre Bestäuber dort noch gar nicht geschlüpft sind.

Daher ist gebietseigenes oder autochthones (aus der unmittelbaren Umgebung) Saatgut das beste Mittel zur Förderung der Biodiversität vor Ort. Auf Anfrage könnt ihr gerne die BioDivHubs-Mischung mit gebietseigenen Saatgut erhalten. Aber auch beim Bund Naturschutz, bei Naturgarten e.V. und beim LBV gibt es gute Mischungen mit heimischen Arten. Um eine Vorstellung von der Vielzahl der geeigneten heimischen Wildblumenarten zu bekommen, seht euch die 31 heimischen Arten auf Natura DB an. Weiter unten findet ihr auch eine Liste zum Ausdrucken.

Geeignete Zeiten für die Aussaat sind im Frühjahr von März bis Mai, sowie im September. Das Saatbett sollte möglichst homogen, locker, feinkrümelig und vegetationsfrei sein. Dann fällt es auch leichter, die Saat gleichmäßig auszustreuen, anzudrücken und bei Bedarf vorsichtig mit einer feinen Tülle anzugießen, ohne dass es weggeschwemmt wird. Damit die Pflanzen gleichmäßig keimen, muss der Boden in den ersten Wochen feucht gehalten werden.

Entlang von Beeten oder am Rande eines Ackers ist die Anlage eines Blühstreifens kein großer Aufwand – allerdings sollte der Boden nicht zu nährstoffreich sein, was in den Gärten aber oft der Fall ist. Erde vom Gemüseacker sollte deswegen abgetragen und mit nährstoffärmerer Erde ersetzt werden. Man kann zu fette Erde aber auch mit viel Sand abmagern.

Falls eine Rasenfläche zur Blühwiese umgewandelt werden soll, ist der Aufwand schon erheblich größer und bei größeren Flächen ohne maschinellen Einsatz sehr arbeitsintensiv und anstrengend. Für kleine Flächen empfiehlt sich das „Holländern“: Man hebt eine Erdscholle zwei Spaten tief aus und versenkt sie mit der Grasnarbe nach unten im Boden. Bei größeren Flächen kann man sich einen Rotationspflug ausleihen, der die Grasnarbe untergräbt und das Erdreich lockert. Weitere Machinen, wie die Kreiselegge zur Vorbereitung eines feinkrümeligen Saatbetts, ein Saatgutstreuer und eine Rasenwalze erleichtern die weiteren Arbeitsgänge.

Wichtig ist es, nach der Bodenbearbeitung das Erdreich 2 – 3 Wochen ruhen zu lassen. In dieser Zeit gehen sicher noch Samen der im Boden vorhandenen Beikräuter auf – die kann man dann vor der Feinplanie und dem Einsähen entweder per Hand jäten (bei kleinen Flächen), oder durch Hacken und Rechen von ihren Wurzeln trennen.

Da die meisten heimischen Wiesenarten Lichtkeimer sind, genügt es, das Saatgut anzudrücken. Es muss nicht mit Erde bedeckt werden.


Der ökologische Wert der Wildpflanzen ist so bedeutend, da sich im Laufe vieler Jahrtausende eine ganz spezifische, an die gegebenen Bedingungen (Klima, Boden usw.) angepasste Pflanzenwelt entwickelt hat, welche die Lebensgrundlage für eine vielfältige Tierwelt bildet. Tiere und Pflanzen haben sich zusammen zu einen engmaschigen Beziehungsnetz entwickelt und sind aufeinander angewiesen. Wenn aus einen solchen Netz zu viele Arten verschwinden, wird das Ökosystem instabil, weil die Lebens- und Nahrungsgrundlage nicht mehr vorhanden ist. Neu bei uns eingebrachte, gebietsfremde Pflanzenarten stören dieses sensible Beziehungsnetz. Sie sind oft konkurrenzstärker und bilden dann dichte, grossflächige Bestände, die die naturnahen Pflanzengemeinschaften von ihrem Standort verdrängen. (z.B. Seerosen-Hybriden, Kanadische Goldrute, Indisches Springkraut, Japanischer Knöterich, Riesen-Bärenklau etc.). Meist profitieren nur häufig vorkommende „Allerweltsarten“ , wie z.B. Amseln und andere Generalisten von den sog. invasiven Neophyten, während die Spezialisten, die eine ganz bestimmte Pflanzenart zum Überleben brauchen, still und oft unbemerkt aussterben.

Wir haben eine echte Chance die Restbestände unserer Wildflora- und Fauna in unseren Gärten, Parks, urbanen Freiflächen und sogar auf unseren Balkonen wieder anzusiedeln, bzw. zu schützen. Wie bei den Blühwiesen gilt aber auch hier, dass es genügend große und viele solch naturnah gestalteter Lebensinseln und Trittsteinbiotope geben muss, damit ein erfolgreicher Austausch der Individuen und des Genpools gewährleistet ist. Ein grünes Band durch die ganze Stadt muss hier die Zielvorstellung sein.

Diese urbanen Blühbereiche müssen durchaus nicht wie eine sich selbst überlassene Fläche wild und „unordentlich“ sein. Man kann mit Wildpflanzen sowohl ökologisch wertvolle, als auch ästhetisch ansprechende und kunstvolle urbane Areale schaffen, die alle unsere Sinne ansprechen und gleichzeitig unser Bedürfnis nach Ordnung und harmonischen Strukturen befriedigen. Wir können die zarte Schönheit der Wildpflanzen nutzen und sie zu einem Teil unserer urbanen gestalteten und gepflegten Umwelt machen: Einen Garten!

Staudenbeete können auf unterschiedlichsten Standorten angelegt werden. Auch kleine Flächen und schmale Streifen, oder Hochbeete und Pflanztröge sind für bestimmte Wildstauden geeignet. Es ist wichtig Exposition, Nährstoffangebot und Bodenfeuchte zu berücksichtigen. Die Einteilung in verschiedene Lebensbereiche ist bei der Auswahl passender Arten eine gute Hilfe.

Foto: Susan Karlebowski; Wildstaudenbeet im ÖBZ, sonnige Freifläche

Üblicherweise ordnet man Wildstauden verschiedenen Lebensbereichen zu – die Leitidee ist hier, die heimischen Pflanzengesellschaften, wie sie sich an natürlichen Standorten typischerweise entwickeln, bestmöglich nachzuahmen, um gute Wuchsbedingungen für die zugekauften Wildstauden zu schaffen. Beim Einkauf von Wildstauden helfen auch die Suchfilter von Staudengärtnereien, und die Kürzel, wie sie in der Abbildung unten verwendet werden. In den urbanen Gärten gibt es z.B. oft einen Randsaum mit größeren Bäumen und verschiedenen Gehölzen – diese Situation kommt dem Lebensbereich Gehölzrand am nächsten. Oft sind solche Lagen dadurch charakterisiert, dass es eine vollsonnige und wärmere und eine beschattete und damit kühlere Seite gibt. Dementsprechend kann man aus einer Vielzahl von Pflanzen auswählen – von Schattenpflanzen wie Farne bis sonnenliebende Glockenblumen. Die Bodenart spielt in der Natur eine ausschlaggebende Rolle. Tiefgründig humusreiche und lehmige Böden sind nährstoffreich und feuchter als weniger tiefgründige, durchlässige, magere Böden auf Kies oder Schotter. Dementsprechend entwickeln sich jeweils angepasste, sehr unterschiedliche Pflanzengesellschaften. Im Gartenbau kann man aber natürlich auch Einfluß auf das Substrat nehmen und hat somit mehr Gestaltungsfreiheit. Mit gartenbaulichen Maßnahmen kann man die verschiedensten Lebensbereiche auch auf kleiner Fläche bauen und so die urbanen Gärten zu Lebensinseln für eine große biologische Vielfalt umgestalten.

Bei der Auswahl der Stauden unterscheiden Landschaftsarchitekt*innen oft zwischen Leitstauden, Begleitstauden und Füllstauden. Mit den Leitstauden, die besonders hoch und auffällig sein sollen, schafft man optische Achsen und Orientierung auf der Fläche. Sie werden als Mittelpunkte wahrgenommen und ziehen zuerst die Blicke auf sich. Meist werden sie einzeln oder maximal in Zweier- oder Dreiergruppen gepflanzt. Erst danach werden die sog. Begleitstauden gepflanzt. Sie sind nicht so groß und auffällig wie die Leitstauden, umrahmen diese aber und setzen weitere farbige Akzente.

Wenn noch freier Platz im Beet ist, kann man mit Füllstauden noch mehr Vielfalt und weitere Farbakzente pflanzen. Auch zarte und niedrige Frühblüher an den Rändern sind wunderschön und als erste Insektennahrung im Jahr besonders wertvoll. Die Auswahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten sorgt dafür, dass das Beet viele Monate über blüht und Insektennahrung bietet.

Am Anfang steht, glaube ich, die Begeisterung für bestimmte Wildblumen – oft sind damit auch Erinnerungen aus der Kindheit verbunden. Der zarte Duft von Veilchen und Wildrosen, die wunderschönen Pflanzen des Gebirges, mit ihren leuchtenden Farben… Um in euren urbanen Gärten geeignete Flächen für eure Lieblinge zu entwickeln, müßt ihr erstmal eine Bestandsaufnahme machen. Welche Lebensbereiche sind schon natürlicherweise vorhanden? Welche kann man bauen? Welche der Lieblingspflanzen passen dorthin, und mit welchen anderen Pflanzen kann ich sie kombinieren? Eine Staudenanpflanzung ist auch immer ein kreativer Akt: Kataloge der guten (BIO)-Staudengärtnereien oder Bücher von berühmten Landschaftsarchitekten, wie zum Beispiel „Gärten inspiriert von der Natur“ von Piet Oudolf und Henk Gerritsen, helfen beim Träumen und Planen.

Das BioDivHubs-Projekt hat durch viele Aktionen in den Gemeinschaftsgärten und in den vier Modell-Quartieren, und auch durch Kunstaktionen das Wissen und die Liebe zu den „schönen Wilden“ befördert. Unsere Postkarten zeigen zum Beispiel Nahaufnahmen von Pflanzen, die im Zuge des Balkonprojekts am Ackermannbogen von den Teilnehmer*innen auf den eigenen Balkonen gepflegt werden.

Für die Vorbereitung und die Anlage von Wildstaudenbeeten gibt der neue Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ eine Schritt für Schritt Anleitung und viele Tipps für eine erfolgreiche Pflanzung.

Zum Katalog

Die abgestorbenen Stängel mit Samenständen bieten im Herbst und Winter eine ganz eigene fragile Ästhetik, die man mit in die Planung einbeziehen kann. Außerdem sind sie für Insekten und Vögel Unterschlupf und Nahrungsquelle und sollten deswegen unbedingt bis zum Frühjahr stehen bleiben dürfen.

Foto: Ruth Mahla, Winteraspekt im Ökologischem Bildungszentrum München (ÖBZ)

Beim Schnitt im Frühjahr sollte man nicht alle Bereiche auf einmal schneiden, um temporäre Rückzugsräume zu belassen. Das Schnittgut – wertvolle Biomasse für Kompost und Mulch, kann man noch für ein paar Tage locker liegen lassen, bevor es gehäckselt oder kompostiert wird. Auf diese Weise haben an und in den Stängeln überwinternde Insekten noch eine Chance den Ort zu wechseln.

Haben sich Stauden erstmal entwickelt, hält sich eine Pflanzung viele Jahre. Dennoch bleiben Kontrollen mit kleinen Eingriffen und Jätaktionen ein- bis zweimal im Jahr notwendig, denn wenn sich bestimmte „Wurzel-Unkräuter“ ungestört entwickeln dürfen, wird es schwierig und sehr arbeitsintensiv, die Fläche wieder zu bereinigen.


Blühflächen können auch gut mit anderen Biodiversitätsmaßnahmen kombiniert werden, beziehungsweise ineinander übergehen. Eine südexponierte Trockenmauer am Rande einer vollsonnigen Ruderalfläche, Totholz als Strukturelement und Lebensraum in einer Staudenpflanzung oder eine Benjeshecke als Übergang von Gehölzrand und Blühwiese… . Der Maßnahmenkatalog „Gärtnern für mehr Biodiversität in der Stadt“ gibt einen fundierten Überblick über die möglichen Maßnahmen und für welche Flächen sie sich eignen. Zum Katalog



Fotos: Susan Karlebowski, Konrad Bucher, Ruth Mahla, David Schoo; Illustrationen: Valentina Arros; Text zusammengestellt von Ruth Mahla



Dieser Beitrag stammt von Ruth Mahla

„Biodiversität gedacht“: Rückblick auf das 1. BioDivHubs-Symposium

Rund 50 Interessierte aus Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft trafen am 14. November 2025 im Ökologischen Bildungszentrum München zum Symposium „Biodiversität denken – Vom Verstehen verschiedener Perspektiven zum gemeinsamen Gestalten“ zusammen. Sie wollten mehr über diese Perspektiven erfahren, die ihnen aus der Philosophie, der wissenschaftlichen Forschung und der Praxis dargeboten wurden. Erfahren sollten sie auch, wie die Akteur*innen des BioDivHubs-Projekts die Erkenntnisse in ein gemeinsames Gestalten einfließen lassen.

Vernetzung und Austausch

Bei Tee, Kaffee und Brezn bot sich am Vormittag gleich die Gelegenheit, Kontakte aufzufrischen und neue Kontakte zu knüpfen, bevor die Begrüßung von Marc Haug die Bühne für einen intensiven Austausch bereitete.

Bereits beim Eintreffen durfte sich jeder Gast einen Zettel mit einem bestimmten Biodiversitätscharakter aussuchen. Die zur Auswahl stehenden Begriffe reichten von „pragmatischer Macher“ über „unaufhaltsame Guerillagardenerin“ bis „sinnlicher Ästhet“. Diese bisweilen selbstironischen Selbsteinschätzungen waren in der anschließenden „Murmelrunde“ der Anlass, mit dem Nachbarn oder der Nachbarin ins Gespräch zu kommen, sich persönlich in Beziehung zur Biodiversität zu setzen und auf das Thema einzustimmen.

Philosophisches Impulsgespräch

Das Impulsgespräch „Biodiversität denken“ bestritten Prof. Dr. Benjamin Rathgeber von der Hochschule der Philosophie München, an der er das Fachgebiet „Natur- und Technikphilosophie“ vertritt, und Michael Hebenstreit, Experte für Systemische und Wirtschaftsphilosophische Beratung mit Fokus auf Klimaschutz und Biodiversität. Benjamin Rathgeber erläuterte die Anfänge der Unterscheidung von Mensch und Natur in der abendländischen Naturphilosophie, in der Aristoteles die Natur als etwas, was sich selbst verursacht, beschreibt, während er das, was der Mensch verursacht, Kultur nennt.

Daran anknüpfend wendet sich Michael Hebenstreit dem Biodiversitätsbegriff zu, der genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Vielfalt der Ökosysteme umfasst. Je nach Zugang – ästhetisch, funktional, ökonomisch, ökologisch – rückt die Frage in den Vordergrund, in welchem Spektrum des Mensch-Naturverhältnisses wir uns jeweils befinden. Er betont: Mit „Natur“ und „Biodiversität“ arbeiten wir mit komplexen Begriffen, die viele Unterbedeutungen und Perspektiven enthalten. Das kann zu Konflikten führen (z. B. Naturschutz vs. Naturnutzung), aber auch zu produktiven Verständigungsprozessen, sofern wir reflektieren, was wir jeweils meinen.

Arbeitsansätze und Erfahrungen im Gemeinschaftsprojekt BioDivHubs

In einem zweiten Teil stellten die Verbundpartner des BioDivHubs-Projekts ihren Arbeitsansatz, ihre Erfahrungen und Zwischenergebnisse vor.

Julia Gamberini von der BürgerStiftung München stellte den Projektrahmen vor. Monika Egerer und David Schoo von der Technischen Universität München erläuterten ihren Ansatz, mit Citizen Science die Entwicklung der Biodiversität zu begleiten. Ulrike Sturm stellte für den Verbundpartner Museum für Naturkunde Berlin Ergebnisse ihrer Befragungen zum Zusammenhang zwischen psychosozialen Faktoren und bestäuberfreundlichem Verhalten in den Quartieren vor. Konrad Bucher vom MUZ gab mit Beispielen aus den Modellquartieren am ÖBZ und am StadtAcker Antworten auf die Frage: Warum wir auf die Beziehungspflege Mensch-Natur setzen, und Marion Eder und Andrea Skiba vom Green City e.V. zeigten anhand von Aktivitäten in den Quartieren Giesing und Isarvorstadt wie BioDivHubs als lebendige Zentren biologischer Vielfalt geschaffen werden.

Die Beiträge zeigten, wie unterschiedliche Perspektiven in die Erreichung der Projektziele einfließen.

Gesprächsrunde „Rewilding the City

Den Abschluss des Vormittags bildete die spannende Gesprächsrunde mit dem Thema „Rewilding the City“ zwischen Dr. Ernst Habersbrunner (Bund Naturschutz) sowie Prof. Dr. Monika Egerer, David Schoo und Konrad Bucher vom BioDivHubs-Team.

In der Diskussion ging es um Spannungen und Verständigung zwischen gärtnerischer Praxis und Naturschutz – speziell rund um Biodiversität in der Stadt. Ausgangspunkt des von Michael Hebenstreit moderierten Gesprächs war das „Conservation Gardening-Konzept“ mit seltenen, geschützten Arten. Konrad Bucher schilderte am Beispiel des Balkonprojekts, wie man begeistert mit Roten-Liste-Arten gestartet sei, dann aber mit der Kritik möglicher Florenverfälschung und dem Verlust im lokalen Genpool konfrontiert wurde. In der Folge fand ein intensiver und wertvoller Reflexionsprozess über die Frage geeigneter Pflanzen für derartige Biodiversitätsmaßnahmen statt, an der Expert*innen aus der Wissenschaft und dem Naturschutz eingebunden wurden. Darunter war auch Ernst Habersbrunner vom Bund Naturschutz, weswegen er zu der Gesprächsrunde eingeladen wurde. Er stellte aus der Position des Naturschutzes klar: Gerade bei seltenen Arten sei der lokale, autochthone Genpool entscheidend, weil Durchmischung weit entfernter Herkünfte die genetische Vielfalt innerhalb der Art verringern könne und ihre Resilienz beispielsweise gegenüber Klimaveränderungen dadurch sinken würde. In dicht bebauten Innenbereichen der Stadt spiele die Herkunft des Pflanzmaterials keine so entscheidende Rolle, aber an Grenzen zur freien Natur sollte man sehr genau auf Herkunft und Artwahl achten. Das lässt sich allein schon aus der Regelung im Bundesnaturschutzgesetz ableiten, die in der „freien Natur“ den Einsatz von gebietseigenem, heimischem Pflanz- und Saatgut verlangt. In diesem Zusammenhang stellte David Schoo stellte die von der TU München entwickelte Saatgutmischung mit 32 heimischen Wildpflanzen vor. Die Mischung entstand durch Vermehrung von Samen aus dem sogenannten Ursprungsgebiet 16 (Unterbayerische Hügel- und Plattenregion), die zusätzlich nach einem wissenschaftlich begleiteten Trockenstresstest ausgewählt wurden. Eine praktische Erkenntnis für viele der Zuhörenden war, dass dieses Saatgut auch nur in diesem Ursprungsgebiet für eine artenreiche Blühwiese zum Einsatz kommen sollte.

Für das Projekt war wichtig, den vielleicht anfangs etwas „naiven“ Ansatz mit seltenen Arten als pädagogischen Türöffner zu erkennen, der das Interesse, sich zu beteiligen, weckt, erläuterte Konrad Bucher. Die Menschen verstehen dann, dass Arten aussterben, und wollen aktiv helfen. Monika Egerer betonte die große Herausforderung, die Komplexität (Genetik, Gesetzgebung, Ökologie) so zu kommunizieren, dass die beteiligten Menschen motiviert bleiben, statt frustriert abzuschalten.

Im Vergleich zu oft konfrontativen Debatten (z. B. Naturschutz vs. Landwirtschaft), wirft Michael Hebenstreit ein, erlebe er das Vorgehen im BioDivHubs-Projekt als kooperativen Prozess – weil viel kommuniziert werde, niemand „die eine Wahrheit“ reklamiere und Expertise verteilt gedacht wird, die aus dem Zusammenwirken von Wissenschaft, Praxis und Bürger*innen entstehe.

Was bleibt als Fazit? Biodiversitäts- und Naturschutzfragen sind komplex, aber man kann diese Komplexität schrittweise aufbereiten. Die Beschäftigung mit Begriffen wie Biodiversität, autochthon, freie Natur helfen dabei, Klarheit zu schaffen, wenn man sie – wie im BioDivHubs-Projekt geschehen –gemeinsam ausbuchstabiert. Und nicht zuletzt festigt sich die Erkenntnis, dass Gemeinschaftsgärten und daraus erwachsene Projekte im Quartier Brücken bauen können zwischen Fachwissen und Alltagswelt oder zwischen unterschiedlichen Interessen und damit ein Baustein für eine sozial-ökologische Transformation in der Stadt sind.

Die Workshops

Nach der Mittagspause ging es in drei parallele Workshops:
Im Workshop „Die beste Biodiversitätsmaßnahme ist Beziehungspflege“ wurde anhand konkreter Beispiele diskutiert, inwiefern die Pflege von Naturbeziehungen zum Gelingen von Biodiversitäts-Maßnahmen beiträgt und welche Formen der Beteiligung es dafür braucht. Im Workshop „Welcher Biodiversitätstyp bin ich?“ von Ulrike Sturm und Susan Karlebowski vom Museum für Naturkunde Berlin näherten sich die Teilnehmer*innen spielerisch ihrer eigenen Beziehung zur Natur, indem sie Einstellungen zur Natur und Motivation für biodiversitätsfreundliches Handeln verschiedener Biodiversitätstypen diskutierten und anschließend mit Methoden des kreativen Schreibens ein Horoskop für das Jahr 2026 für jeweils einen Typ erstellten.
In dem „Kreativen Praxisworkshop“ bot die Künstlerin Katharina Schweissguth mit einer gemeinschaftlichen Landart-Aktion, dem Bau eines überdimensionalen Nests aus Totholz und Laub im öffentlichen Raum eine neue, künstlerische Perspektive auf die Natur an.

Ein positives Feedback rundete die Veranstaltung ab: Es war ein inspirierender Tag, der gezeigt hat, wie bereichernd es sein kann, Biodiversität aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Die Kombination aus Expert*innen-Impulsen und praxisnahen Workshops machte das Symposium zu einem spannenden Austauschformat.

Das zweite Symposium des BioDivHubs-Projekts wird voraussichtlich im November 2026 stattfinden. Für mehr Informationen abonnieren Sie gerne unseren Newsletter: https://www.biodivhubs.net/newsletter/

Gemeinsam für mehr Artenvielfalt! Die BioDivHubs Saatgutmischung für München

Gemeinsam mit ExpertInnen der Technischen Universität München haben wir eine insektenfreundliche Saatgutmischung mit heimischen Wildpflanzen entwickelt. Ziel war es, eine widerstandsfähige Blühwiese für den urbanen Raum zu schaffen, die nicht nur schön aussieht, sondern auch nachweislich zur Förderung der Biodiversität beiträgt.

Die Mischung enthält 31 heimische Arten, die besonders gut an Münchens Klima und Böden angepasst sind. Dazu gehören Pflanzen wie der Wiesen-Salbei, die Skabiosen-Flockenblume, der Scharfe Hahnenfuß und die Wiesen-Margerite. Die Vielzahl der Pflanzen schafft eine reiches Blühangebot von Frühling bis Herbst und bietet wertvolle Nahrung und Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten.

Ein begleitendes Experiment der TUM zeigte, dass die Blühwiese mehrere Wochen Trockenheit ohne Bewässerung übersteht -ein wichtiges Ergebnis angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden in der Stadt, welche mit dem Klimawandel noch an Intensität und Häufigkeit zunehmen werden. Außerdem konnte bestätigt werden, dass sich eine höhere Artenvielfalt dank höherem Bodenbedeckungsgrad und stabilerem Blühangebot positiv auf die Widerstandsfähigkeit und die Resilienz des Ökosystems Blühwiese auswirkt.

Tipps zur Aussaat:
Optimal für die meisten Wildkräuter der Saatgutmischung ist ein sonniger Standort. Für die Vorbereitung des Saatbetts wird der Boden gelockert und bestehende Vegetation entfernt.
Das Saatgut gleichmäßig ausstreuen und leicht andrücken, aber nicht mit Erde bedecken.
Bei Bedarf vorsichtig gießen. Der Boden sollte in den ersten Wochen feucht sein, damit die Pflanzen gleichmäßig keimen.
Geeignete Zeiten für die Aussaat sind im Frühjahr von März bis Mai sowie im Herbst, optimalerweise im September.

Mit jeder neuen Blühfläche entsteht ein kleines Stück lebendige Natur, ein Beitrag zu einer bunteren, artenreicheren Stadt.

Fotos: David Schoo & Julia Gamberini

Rewilding Pflanzaktion am Ackermannbogen: ein Stück Natur kehrt zurück

Am 11. Oktober wurde der Aktionstag „Nachbarn für Nachhaltigkeit“ am Ackermannbogen zu einem Fest für Mensch und Natur: Unter dem Motto „Rewilding Ackermannbogen“ haben wir gemeinsam ein Stück ursprüngliche Natur in die Stadt zurückgeholt. Auf öffentlichem Grund bepflanzten gut 40 engagierte Natur-Begeisterte eine 80 qm-große Bauminsel mit rund 400 Pflanzen. Es sind 30 heimische Wildpflanzenarten, die von Natur aus an den halbschattigen und durchwurzelten Standort angepasst sind:

Darunter sind Frühlingsblumen wie Buschwindröschen und Lungenkraut, aber auch höhere Arten wie Waldgeißbart und Silberblatt, außerdem unterschiedliche Farne und Gräser. Ein wertvoller Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Die Aktion war der Höhepunkt mehrerer intensiver Vorbereitungseinsätze seit dem Frühjahr und wurde nun im Rahmen des Festes mit viel Freude und Teamgeist abgeschlossen. Für das leibliche Wohl sorgte das Team der StadtNatur vom Ackermannbogen e.V., während Karin Traxler mit einer künstlerischen Mitmachaktion für große und kleine Gäste kreative Impulse setzte.
Gemeinsam haben wir nicht nur gepflanzt, sondern auch ein lebendiges Zeichen für biologische Vielfalt gesetzt und unser Viertel ein Stück grüner und lebenswerter gemach

Fotos: David Schoo

Gefördert durch:

Mit Unterstützung von:

Deutsche Postcode Lotterie
Patagonia