Zum Hauptinhalt springen

Autor: Claudia Oberbeil

Rewilding the City: Ein Schaubeet für heimische Wildpflanzen am ÖBZ

Am Sonntag, den 11. Mai, legten 20 engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein neues Schaubeet mit heimischen Wildpflanzen am Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) an. Im Mittelpunkt der Mitmachaktion stand die Vielfalt heimischer, mehrjähriger Wildpflanzen, und zwar Arten, die mit Trockenheit gut zurechtkommen und wertvolle Lebensräume für Insekten bieten.

Der Grundstein für das Projekt wurde bereits im Herbst gelegt: Beim BioDivHub-Treffen am 19. September 2024 am ÖBZ wurde gemeinsam eine Blühfläche mit heimischen Arten geplant, als Anregung zur Nachahmung im eigenen Garten. Ausgangspunkt war zunächst das Konzept des „Conservation Gardening“, das jedoch kontrovers diskutiert wurde, da es bei unsachgemäßer Umsetzung zur genetischen Verfälschung der heimischen Flora führen kann. Im weiteren Planungsverlauf rückten daher anstelle der geschützten Arten solche Arten in den Mittelpunkt, die zwar seltener werden, aber in der Region tatsächlich vorkommen. Auch gängige Wildarten wie der gemeine Dost fanden Einzug in das Beet. Sie sind keine Raritäten, aber sehr wertvoll für Insekten. Ein besonderes Augenmerk lag auf der standortgerechten Auswahl der Pflanzen: Sie müssen sich alle wohl fühlen in der vollen Sonne und auf nährstoffarmen, kalkreichen Boden. Das ist der Kerngedanke des Rewilding: Natürliche Gegebenheiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen und dadurch möglichst langfristig stabile Lebensräume und funktionierende Ökosysteme zu fördern. Im kleinen Maßstab geht das auch in der Stadt.

Bevor es an die praktische Umsetzung ging, wurden die Pflanzpläne des Schaubeets von Expert*innen geprüft und finalisiert. Die verwendeten Pflanzen stammen aus spezialisierten Wildstaudengärtnereien und zu einem großen Teil aus der Gärtnerei im Pasinger Magdalenenpark, in der Ehrenamtliche des Bund Naturschutz (BN) autochthone Pflanzen heranziehen (siehe Konzeptbeschreibung). Insgesamt wurden 22 verschiedene Arten ausgewählt, die in drei Kategorien eingeteilt wurden:

Leitstauden: Sie geben der Fläche Struktur und Höhe. Für diese Gruppe wurden die Taubenskabiose, das kleine Mädesüß, die echte Goldrute, die Skabiosen-Flockenblume und das weidenblättrige Ochsenauge ausgewählt.

Begleitstauden: Sie setzen farbige Akzente im Mittelbereich der Pflanzung; dazu gehören das echte Labkraut, die ästige Graslilie, die Kartäuser-Nelke, der aufrechte Ziest, der Heilziest, der Wiesensalbei und die Knäuel-Glockenblume.

Füllstauden: Sie schließen die Lücken. Da wurden Pflanzen wie die große Braunelle, der Wirbeldost, die kleine Bibernelle, das Zittergras, der Hornklee, die echte Schlüsselblume, die Zypressen-Wolfsmilch, der Oregano und das weiße Fingerkraut ausgesucht.

Die Pflanzen wurden in eine Schicht aus durchlässigem, sandigem Boden gesetzt. Zunächst wurde ein Pflanzloch gegraben, bis der lehmige Untergrund erreicht war. Dann füllte man etwas Erde hinein und wässerte gründlich. Um das Aufkommen von Beikraut zu unterdrücken, wurde die obere Erdschicht der Jungpflanzen abgestreift. Anschließend wurden die Jungpflanzen eingesetzt und ihr Wurzelballen mit Sand abgedeckt.

Nun dient das neue Schaubeet als anschauliches Beispiel für eine naturnahe und insektenfreundliche Gartengestaltung. Mit etwas Geduld wird sich hier bald eine lebendige, artenreiche Blühfläche entfalten. Eine inspirierende Einladung an alle, die ihren Garten in ein kleines Stück Wildnis verwandeln möchten.

Titelfoto: Gabi Horn; Fotos: Julia Gamberini

Warum „Rewilding“?

Bei dem Begriff „Rewilding“ denkt man als erstes an die Wiederansiedelung großer Wildtiere wie Wölfe und Bisons. Zur Fülle der wildlebenden Tiere gehören aber auch unscheinbare Arten wie Insekten. Insekten sind die größte Tiergruppe der Welt, sie sind unersetzlich für das Funktionieren von Ökosystemen. Aber ihre Bestände gehen massiv zurück. Um auf das stille Sterben der Insekten aufmerksam zu machen, nutzen wir für unsere Pflanzaktionen den lauten Begriff „Rewilding“ – schließlich geht es beim Rewilding-Konzept genau darum: „mit Hilfe natürlicher Prozesse die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu verbessern.“
Wir werden unsere Pflanzflächen in der Stadt allerdings nicht sich selbst überlassen, sondern wollen die „Wildnis“ gestalten – also Wildpflanzen ansiedeln, die hier von Natur aus vorkommen würden und den Insekten Nahrung und Lebensraum bieten.
Studien belegen, dass Insekten auch in der Stadt leben können. Weil sie hier nicht mit Insektengiften bekämpft werden, geht es ihnen in Städten teilweise besser als auf dem Land. Es ist also sinnvoll, auch kleinräumig Insekten zu fördern, indem man die Wildpflanzen ansiedelt, auf die sie spezialisiert sind.
Dieses eine Beet bleibt nicht die einzige Blühfläche. Im Rahmen des Projekts „BioDibHubs“ legen wir an unterschiedlichen Stellen im Viertel – und nicht nur in diesem Viertel, sondern in 3 weiteren Stadtteilen im München – weitere solcher „Lebensinseln“ als Trittsteinbiotope an.
Die Quartiere mit einer standortgerechten Pflanzenwahl vielfältig und lebendig zu gestalten, bringt auch uns menschlichen Stadtbewohern:innen mehr Aufenthaltsqualität. Außerdem macht ein gemeinsamer Planungs- und Umsetzungsprozess Freude.

Die nächste Umsetzung einer vergleichbaren Blühfläche im Rahmen des BioDibHubs findet am 11. Mai 2025 am Ökologischen Bildungszentrum statt. Mehr dazu.

Das erste Treffen für die Planung des Beets am Ackermannbogen findet am 20. Mai, 2025 um 19h statt, Treffpunkt am Rigoletto, Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9.
Zur Anmeldung.

Tipp zum Anhören und Lesen: https://www.ardaudiothek.de/episode/fragen-an-den-autor/matthias-glaubrecht-ueber-das-stille-sterben-der-natur/sr-kultur/14483715/

Workshop Vermehrung von Wildpflanzen

Am 13. März am Ackermannbogen

Referent*innen: Konrad Bucher, BioDivHubs-Projekt, Barbara Prosiegel, Staudengärtnerei StaudenSpatz in Oberhausen in Oberbayern

Wir alle wollen etwas für die Biodiversität in unseren Gärten und Quartieren tun, Beete und Balkone mit einheimischen Wildstauden bepflanzen – über 60 Balkongärtner*innen üben sich am Ackermannbogen schon seit einem Jahr in der Pflege der „schönen Wilden“.

Und ist man erst in eine Pflanze verliebt, und hat man beobachtet, wieviele Insekten sie anzieht, will man sich unbedingt mit ihr umgeben – auf dem Balkon, im Gemeinschaftsgarten, überall im Viertel… Nur – oft gibt es die Pflanze gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die man am liebsten mag und wenn doch, dann oft nicht in Bioqualität…

Bilder Balkonpflanzen mit Insekten

Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien. Außerdem hat das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einem Balkon angepasst haben viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommen.

Deswegen haben die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – beschlossen, in die Samengärtnerei einzusteigen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden. Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am Ackermannbogen ein Workshop statt, zu dem Barbara Prosiegel vom „Stauden Spatz“ als Expertin eingeladen war. Seit 2016 ist die auf heimische Wildstauden spezialisierte Biogärtnerei ein zertifizierter Fachbetrieb für naturnahes Grün und der Wildstaudenproduktion.

An 3 verschiedenen Stationen konnten wir das Aussäen, Pikieren und Teilen üben, und bekamen viele, wertvolle Tipps, damit die Vermehrung und Pflege der schönen Wilden auch gut gelingt.

Station 1: Ansaat

Gleich zu Anfang wurde mir an dieser Station klar, wie viel ich immer falsch gemacht habe: Bevor wir die magere Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert – die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann mit einem extra Brettchen fest angedrückt. Die Etiketten mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht – erst dann kann – nicht zu dicht – gesät werden. Die Saat wird dann mit etwas Erde und entweder feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut, nochmal angedrückt und angegossen. Auf diese Weise ist für alle Samen ein guter Bodenschluss garantiert.

Station 2: Pikieren

Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Töpfe passen.

Station 3: Stauden Teilen

Viele Wildstauden dürfen mehrfach geteilt werden: Dabei kann man die Wurzeln stark einkürzen.

Saatgut lagern

Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss wirklich ganz trocken sein. Plastik eignet sich gar nicht.

Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.

Saatgut sammeln

Idealer Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.

Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.

Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.

Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man etwas anschmiergelt.

Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.

Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“

Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.

Wildpflanzen und ihr Keimverhalten

Schnell keimende Pflanzen

  • Achillea millefolium (Gewöhnliche Schafgarbe)
  • Anchusa officinalis (Gewöhnliche Ochsenzunge)
  • Artemisia (Beifuß)
  • Buphthalmum salicifolium (Ochsenauge)
  • Campanula (Glockenblumen)
  • Centaurea (Flockenblume)
  • Cichorium intybus (Gewöhnliche Wegwarte)
  • Coronilla Securigera, harte Schote aufrauen (Kronwicke)
  • Daucus carota (Wilde Möhre)
  • Dianthus (Nelke)
  • Dipsacus (Karde)
  • Filipendula vulgaris (kleines Mädesüß)
  • Fragaria vesca (Wald-Erdbeere)
  • Galium verum (gelbe Labkräuter)
  • Geranium sanguineum (Blutroter Storchschnabel)
  • Helianthemum nummularium (Ovalblättriges, Gewöhnliches Sonnenröschen)
  • Hypericum (Johanniskraut)
  • Knautia arvensis (Acker- Witwenblume)
  • Linaria vulgaris (Leinkraut)
  • Lotus (Hornklee)
  • Myosotis (Vergissmeinnicht)
  • Origanium vulgare (Wilder Majoran)
  • Salvia pratensis (Wiesen Salbei)
  • Sanguisorba officinalis / minor (Wiesenknopf)
  • Scabiosa columbaria / ochroleuca (Tauben- / Gelbe Skabiose,)
  • Silene flos-cuculi / dioica / vulgaris (Leimkraut/Lichtnelke)
  • Stachys recta (Aufrechter Ziest)
  • Tanacetum corymbosum (Ebensträußige Wucherblume)
  • Tanacetum vulgare (Rainfarn)
  • Thymus (Thymian)

Kaltkeimer

  • Ajuga genevensis / reptans (Genfer / Kriechender Günsel)
  • Alchemilla xanthochlora (Gelbgrüner Frauenmantel)
  • Angelica sylvestris (Wald Engelwurz)
  • Anthyllis (Wundklee)
  • Astragalus glycyphyllos (Süßer Tragant)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Digitalis purpurea (Roter Fingerhut)
  • Echium vulgare (Natternkopf)
  • Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Filipendula ulmaria (Mädesüß)
  • Galium odoratum (Waldmeister)
  • Geum rivale (Bach-Nelkenwurz)
  • Heracleum sphondylium (Gewöhnlicher Wiesen-Bärenklau)
  • Iris pseudacorus (Sumpf-Schwertlilie)
  • Lamium maculatum / album (Gefleckte / WeißeTaubnessel)
  • Lathyrus vernus (Frühlings-Platterbse )
  • Lythrum salicaria (Blutweiderich)
  • Meum athamanticum (Bärwurz)
  • Ononis spinosa / repens (Dornige / Kriechende Hauhechel)
  • Pastinaca sativa (Pastinak)
  • Peucedanum …(Haarstrang)
  • Pimpinella major (Bibernelle)
  • Phyteuma nigrum / spicata (Schwarze / Ährige Teufelskralle)
  • Primula elatior / veris (Hohe / Echte Schlüsselblume)
  • Pulmonaria officinalis (Lungenkraut)
  • Scrophularia nodosa / umbrosa (Braunwurz / Flügel-Braunwurz)
  • Scutellaria galericulata (Helmkraut)
  • Stellaria/Rabelera holostea (Große Sternmiere)
  • Succisa pratensis (Gewöhnliche Teufelsabbiss)
  • Teucrium chamaedrys (Edel-Gamander)
  • Thalictrum flavum / aquilegiifolium (Gelbe / Akeleiblättrige Wiesenraute)
  • Trollius europaeus (Trollblume)
  • Valeriana officinalis (Baldrian)
  • Veronica officinalis (Wald-Ehrenpreis)
  • Veronica teucrium (Großer Ehrenpreis)

Gleich nach der Ernte säen

  • Aconitum (Eisenhut)
  • Astrantia major (Große Sterndolde)
  • Caltha palustris (Sumpfdotterblume)
  • Knautien (Knautia Witwenblumen)
  • Lathyrus vernus / luteus ‚Aureus‘ (Frühlings- / Hohe Gold- Platterbse)
  • Lunaria annua Chedglow (Einjähriges Silberblatt)
  • Lunaria rediviva (Ausdauernde Silberblatt)
  • Luzula nivea (Schneeweiße Hainsimse)
  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle)
  • Stipa (Federgras)
  • Thalictrum (Wiesenraute)

Grün ernten – weil Samen beim Reifen schnell abfallen

  • Centranthus (Spornblume)
  • Euphorbia (Wolfsmilch)
  • Knautia (Witwenblumen)
  • Pulsatilla (Kuhschelle)
  • Succisa (Teufelsabbiss)

Liste der Pflanzen und Infos: Barbara Prosiegel;

Text und Fotos: Ruth Mahla

Schlüsselblumen am ÖBZ

Frühlingsblüher für die Biodiversität – unter diesem Motto pflanzten Schülerinnen und Schülern aus den 4. Klassen der inklusiven Montessorischule Großhadern heimische Primula-Arten am Ökologischen Bildungszentrum München und lernten dabei, welche Standorte für diese Pflanzen geeignet sind und welchen Beitrag sie für die biologische Vielfalt leisten.

Im Vorfeld wurde bei der Staudengärtnerei Spatz jeweils 60 Exemplare von zwei Primelarten bestellt, der Echten Schlüsselblume (Primula veris) und der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior). Beide Arten haben unterschiedliche Ansprüche. Im Unterschied zur blassgelben Hohen Schlüsselblume, die schattige Standorte mag, bevorzugt die Echte Schlüsselblume mit den kräftig-gelben Blüten eher sonnige Stellen in Halbtrockenrasen und Wiesen. So wurden auf dem ÖBZ-Gelände zunächst passende Standorte ausgewählt, auf den hausnahen Wiesen und deren schattigen Randbereichen. So fanden sich im Schatten der Haselnuss-Gehölze, sowie auf dem Wiesenstück entlang einer eher sonnen beschienenen Hangkante geeignete Plätze.

Bei der Pflanzaktion am 19. und 26. März 2025 waren insgesamt sechzig Kinder unter Anleitung von Elisabeth Öschay und Renate Luz vom ÖBZ eifrig dabei. Teamarbeit war angesagt. Während die einen die Pflanzen und das Substrat vorbereiteten, haben andere mit dem Spaten die Pflanzlöcher ausgehoben. Alleine das Graben war für die Kinder schon ein tolles Erlebnis, wenn sie Regenwürmer entdeckten oder sie auf eine Wurzel, die sich unter dem Gras ausgebreitet hatte, stießen. Am Ende waren alle stolz, was sie gemeinsam geschafft haben: Eine hübsche Primelwiese, von der sie wissen, dass sie nicht nur attraktiv aussieht, sondern auch ein Beitrag für mehr biologische Vielfalt am ÖBZ ist. Denn – und auch das hat die Kinder beeindruckt – die beiden heimischen Primelarten bieten Nahrung für mehreren Wildbienenarten, für Schwebfliegen und für mehr als 20 Raupenarten.

Fotos: Marc Haug

Frühlingsbeginn: Ergebnisse unserer Geophyten-Pflanzaktion

Am 19. Oktober 2024 haben wir im Ökologischen Bildungszentrum München gemeinsam mit Kindern und Familien eine Pflanzaktion für sieben Frühlingsgeophyten im Rahmen des BioDivHubs-Projekts durchgeführt. Die gepflanzten Arten umfassen den Frühlings-Krokus, Schneeglöckchen, Winterlinge, Scilla, Märzenbecher, gefingerter Lerchensporn und Buschwindröschen.

Die ersten Anzeichen einer bunten Blütenpracht sind bereits sichtbar und bieten den Insekten die erste Nahrungsquelle des Jahres. Ein wenig Geduld ist jedoch gefragt, denn manchmal dauert es, bis die Pflanzen zur Blüte kommen. So warten beispielsweise die neu gepflanzten Märzenbecher noch auf ihre Blüten, während ihre Blätter bereits sprießen. Der gefingerte Lerchensporn und das Buschwindröschen brauchen auch ein bisschen Zeit.

Ein paar Fotos der bereits sprießenden Pflanzen von © Marc Haug

Die Biodiversität in den Modellquartieren mit ObsIdentify entdecken

Für die Evaluierung des BioDivHubs-Projekts wird die Entwicklung der Biodiversität in den Modellquartieren erfasst. Hierfür kommt unter anderem die Bestimmungsapp ObsIdentify zum Einsatz.

Letztes Jahr wurde bereits ein Projekt für die vier Modellquartiere bei Observation.org angelegt. Die Karte, Diagramme und die Artenliste bieten einen hervorragenden Überblick über bestehende Biodiversitätshotspots, wie entlang der Isar oder in den Parks. Ziel ist es, durch dieses Projekt neue Hotspots zu schaffen und sichtbar zu machen, insbesondere in den Trittsteinbiotopen und rund um die Biodiversitätsmaßnahmen, die im Rahmen des BioDivHubs-Projekts entstehen.

Die App ist benutzerfreundlich und selbsterklärend, und es gibt hilfreiche Anleitungen für alle, die tiefer einsteigen möchten. Einfach downloaden und ausprobieren. Je mehr Menschen die App verwenden, desto umfangreicher und wertvoller werden die gesammelten Daten!

Am 27. März 2025 wird im ÖBZ ein Workshop angeboten, um die App sowie das BioDivHubs-Projekt vorzustellen. Dabei werden der Zweck und die Nutzung der gemeinschaftlichen Kartierung erläutert und demonstriert, wie sie funktioniert.

Anmeldung zum Workshop hier

Bild: © David Schoo

Vernetzungstreffen in der Isarvorstadt

Am 5. Februar 2025 fand im Green City Büro ein weiterer Vernetzungsworkshop statt, bei dem sich Menschen aus verschiedenen Einrichtungen in der Isarvorstadt trafen, um Maßnahmen und Workshopformate zur Förderung der Biodiversität im Quartier zu entwickeln. Der Fokus lag auf den Flächen der Einrichtungen, wie Schulen, der Glockenbachwerkstatt, dem Südgarten und anderen Flächen im (halb-)öffentlichen Raum.

Um den Austausch zu fördern und Ideen sowie mögliche Kooperationen zu entwickeln, stellten wir uns wie im Dezember in Giesing die folgenden Fragen:

  • “Welche kleinen und großen Projekte für den Klimaschutz oder die Biodiversität setzt du bereits privat oder in deiner Einrichtung um?”
  • “Welche Bildungsmaßnahmen oder Workshops möchtest du umsetzen? Wen oder was brauchst du dafür?”
  • “Gibt es schon Biodiversitätsmaßnahmen, die du konkret umsetzen möchtest?”

Die Teilnehmer*innen brachten viele spannende Projekte zur Sprache: Von einem Kompostprojekt an der Großmarkthalle bis hin zum Pflanzen von Obst- und Nussbäumen in der Glockenbachwerkstatt. Weitere Themen waren die Begrünung eines Dachs der Glockenbachwerkstatt, das Kultivieren bedrohter Pflanzen und die Entwicklung von Projekten zum Rückhalt von Regenwasser. Auch die Unterstützung für bereits bestehende Projekte wie den Südgarten wurde besprochen.

Hürden wie städtische Vorgaben, Wasserzugang und die Verfügbarkeit einheimischer Pflanzen wurden ebenfalls thematisiert. Außerdem gab es den Wunsch nach mehr Aufklärung über die Pflege von biodiversitätsfördernden Grünflächen und das richtige Anpflanzen von einheimischen Pflanzen.

Der Workshop war ein voller Erfolg. Viele Ideen und konkrete Projekte wurden angestoßen, die wir 2025 umsetzen wollen. Dazu laden wir Euch herzlich zu weiteren Planungstreffen im März 2025 und Workshops über den Frühling und Sommer verteilt ein. Wir freuen uns auf euren kreativen Input und eure Lernfreude in Workshops und euer Mitwirken bei der Umsetzung diverser Maßnahmen!

Kontakt: biodiversitaet@greencity.de


Bilder: © Magdalena Engl

BioDivHubs-Vernetzungstreffen in Giesing

Am 5. Dezember trafen sich engagierte Menschen aus in Giesing ansässigen Institutionen und Einrichtungen, um sich zu vernetzen und gemeinsam potenzielle Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im Quartier zu entwickeln. Der Fokus lag dabei auf den Flächen der jeweiligen Einrichtungen, wie Schulen, dem Nachbarschaftstreff, Jugendzentren oder anderen öffentlichen Orten.

Um den Austausch zu fördern und Ideen sowie mögliche Kooperationen zu entwickeln, stellten wir uns folgende Fragen:

  • “Welche kleinen und großen Projekte für den Klimaschutz oder die Biodiversität setzt du bereits privat oder in deiner Einrichtung um?”
  • “Welche Bildungsmaßnahmen oder Workshops möchtest du umsetzen? Wen oder was brauchst du dafür?”
  • “Gibt es schon Biodiversitätsmaßnahmen, die du konkret umsetzen möchtest?”
Bild: © Green City e.V.

Der Workshop war ein voller Erfolg! Es wurden nicht nur viele wertvolle Kontakte geknüpft, sondern auch zahlreiche mögliche Bildungsmaßnahmen und konkrete Projekte für die Flächen der Einrichtungen angestoßen. Diese möchten wir nun gemeinsam umsetzen und freuen uns auf die Zusammenarbeit im Jahr 2025. Geplant sind Maßnahmen zur Förderung der Stadtnatur, wie die Begrünung der Icho-Grundschule und des Nachbarschaftstreffs, sowie diverse Workshops zu Themen wie „Gärtner*innen-Know-how“, „Finanzierung und Fördermöglichkeiten“ oder dem Bau von Nisthilfen.

Die nächsten Workshops finden in unserem neuen Giesinger BioDivHub am St.-Quirin-Platz statt. Zu Beginn des kommenden Jahres laden wir Euch herzlich zu weiteren Planungstreffen und Workshops ein. Wir freuen uns auf Eure Ideen und eine rege Beteiligung!

Wenn man bei der Förderung der Biodiversität in Giesing mitmachen möchte, kann man jederzeit einsteigen. Bei Interesse, bitte Green City e.V. kontaktieren: biodiversitaet@greencity.de


Bild: © Green City e.V.

Lebensraum Totholz

Kaum ein anderer Lebensraum weist eine vergleichbare strukturelle Vielfalt auf und bringt einen so großen Artenreichtum hervor wie abgestorbene Bäume in ihren verschiedenen Verfallsphasen. Je nach Standort, Holzart und Exposition, ob Wurzel, Stamm, Borke, Rinde, Zweige, Zapfen und je nachdem wie das Holz eingebaut wird (stehend, liegend, auf Haufen oder als Wälle geschichtet), stellt es einen einzigartigenLebensraum für eine Fülle von Lebewesen dar. Deswegen sind die von Ökologen oft verwendeten Begriffe „Biotop- oder Habitatholz“ bezeichnender.

Der Anteil von Totholz an der gesamten Holzbiomasse in einem Urwald in Mitteleuropa liegt bei 10–30 Prozent, in Wirtschaftswäldern macht dieser Anteil häufig nur noch 1–3 Prozent aus. Für eine nachhaltige Waldwirtschaft, sowie für Natur- und Artenschutz brauchen wir viel mehr Habitatholzelemente – stehend und liegend, in allen Zerfallsphasen.


Habitatholz

Quelle: https://wertvollerwald.nabu-saar.de/fileadmin/Wertvoller_Wald/Formalien/flyer/14-NABU-Saarland-Wertvoller-Wald.pdf

Jeder Habitatholztyp birgt charakteristische Lebensgemeinschaften und viele Rote-Liste-Arten sind auf diese speziellen Lebensräume angewiesen

An jede Zersetzungsphase sind spezialisierte Lebewesen gebunden: In der Pionierphase dringen erste Organismen wie Bock-, Borken- und Prachtkäfer sowie Holzwespen in den Holzkörper ein und ernähren sich von Rinde und Splintholz. Die Bohrlöcher von Larven fördern das Eindringen von Pilzen und weiteren Insekten. Pilze sind in der Lage Lignin und Zellulose, die Bestandteile des Holzes, abzubauen und aufzuschließen. Wenn die Myzelien, die Pilzfäden verschiedener holzbesiedelnder Pilze, den Stamm komplett durchwuchern, wird dieser immer weicher und morscher. Das Totholz erreicht einen zunehmenden Zersetzungsgrad, das Pilzgeflecht durchdringt das Holz und bildet wiederum die Nahrungsgrundlage zahlreicher Totholzinsekten wie Buntholzkäfer und Holzwespen, Fliegen und Mücken, Ameisen und Schmetterlingen. Diese locken ihrerseits wieder räuberische Nachfolger an, z.B. Feuer- und Schnellkäfer und verschiedene Wespenarten.


Holzbesiedelnde Pilze

In noch stehenden, besonnten Stämmen picken Spechte auf der Suche nach Proteinen die Stämme an und hämmern Höhlen für ihren Nachwuchs. Diese Höhlen werden von vielen weiteren Insekten, aber auch Vögeln wie Hohltauben, Kleibern, Meisen, Eulen, Staren und Säugetieren wie Fledermäusen, Eichhörnchen, Siebenschläfern, Mäusen, Baummardern, Wildkatzen u.v.m. genutzt.

Solche Höhlen können sich zu inneren Mulmkörpern in den Stämmen entwickeln, die einen speziellen Lebensraum für weitere Arten bilden. Diesen mürben Holzmulm bzw. dessen Hauptbestandteile Zellulose und Lignin werden von Pilzen und Bakterien humifiziert und mineralisiert. Das gesamte Bodenleben – Zersetzer und Räuber – bestehend aus Bakterien, Algen, Pilzen, Flechten, Geißeltierchen, Amöben, Wimpertierchen, Milben, Springschwänzen, Asseln, Fadenwürmern, Borstenwürmern, Regenwürmern, Insekten, Spinnen, Schnecken, Tausendfüßlern hinterlässt durch seine Ausscheidungen wertvollen Humus und Mineralstoffe, die den Nährboden für die kommende Baum- und Strauchgeneration bilden.

Holzmulm in einem hohlen Stamm
Holzmulm in einem hohlen Stamm

Auch hier begleiten spezialisierte Schnecken- und Insektenarten, aber auch Amphibien und Reptilien, diese letzte Phase im Leben eines Baumes. Die Erdkröte und die Waldeidechse suchen z.B. liegendes Totholz zum Sonnenbaden oder zum Überwintern auf. Auch Blindschleichen und Kreuzottern besetzen Baumhöhlen in Bodennähe gerne zum Überwintern und als Nistplatz

Mikroklimatische Besonderheiten von Totholz

Neben dem biologischen Reichtum ist das Habitatholz auch wichtig für den Erosionsschutz, das Mikroklima, die Wasser- und Nährstoffspeicherung und die Bodenbildung, die C02-Bindung im Kontext des Klimawandels, die Sauerstoffproduktion und die Luftfilterung.

Am Boden liegendes Totholz wirkt ausgleichend auf das Mikroklima in der Umgebung. Einerseits führen die dunkle Oberfläche sowie die geringe Wärmeleitfähigkeit von Holz dazu, dass es am und im Holz wärmer ist. Andererseits kann Totholz seine unmittelbare Umgebung auch vor Hitze schützen, da es infolge des erhöhten Wassergehaltes Temperaturschwankungen ausgleichen kann. Dadurch trocknet der Boden der Umgebung weniger rasch aus.

Schutz der wertvollen Habitatholz-Lebensgemeinschaften

Nur in Sachsen werden „höhlenreiche Einzelbäume“ und „totholzreiche Altholzinseln“ explizit geschützt.

In allen anderen Bundesländern besteht nur ein indirekter Schutzstatus, wie z.B. bei Streuobstwiesen, Wallhecken, Flurgehölzen und Bruchwäldern. Ein Schutz ist weiterhin über die FFH-Richtlinie (Lebensräume bedrohter Arten/4) oder nach Einzelanordnung oder -ausweisung zu erreichen.

Forstwirtschaft

Der inklusionistische Ansatz der Forstwirtschaft in Deutschland möchte den wirtschaftlichen und den gesellschaftlichen Nutzen, sowie alle ökologischen Funktionen, auch den Naturschutz, auf denselben Flächen realisieren. Deswegen wird ein großer Teil der Waldfläche Deutschlands forstwirtschaftlich genutzt und die ökologischen Belange dabei nicht genügend beachtet. Die meisten Bäume werden gefällt, bevor sie den natürlichen Alterstod sterben könnten. Die typischen Alters– und Zersetzungs-phasen fallen meist aus. Insbesondere der angestrebte Kronenschluss im Altersklassenwald verhindert das Entstehen von Lichtungen mit stärkerer Sonneneinstrahlung und damit die Vielfalt unterschiedlicher Lichtmosaike und Zersetzungsbedingungen.

Lange Zeit wurde aus Mangel an Brennmaterial der Wald „sauber“ gehalten, später kam die Ansicht dazu, den im Totholz lebenden „Schädlingen“ vorbeugen zu müssen.

Inzwischen gibt es eine Totholzempfehlung in der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung, die jedoch im föderalen System keine unmittelbare Gesetzeskompetenz besitzt.

Im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie sollen 5% der Waldfläche in Deutschland dauerhaft unbewirtschaftet bleiben, was derzeit aber nicht einmal in Nationalparks verwirklicht wird. Es gibt aber zahlreiche Projekte und Förderungen des BfN, die auch den Lebensraum Totholz im Blick haben:

Bioholzprojekt

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt 2030 – Diskussionsvorschläge des BMUV

In den Forstrahmenplänen und Landschaftsplänen wird versucht, die Interessen von Naturschutz, Biodiversitätsschutz und Forstwirtschaft miteinander in Einklang zu bringen. Aufgrund der enormen Bedeutung für Waldökosysteme ist das Vorhandensein von Totholz ein wichtiges Kriterium. Für die Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft muss ein kleiner Prozentanteil der Fläche aus der Nutzung genommen werden und es gibt Leitlinien zum Erhalt eines Minimums starker toter Bäume .

Auf der Website der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft kann man sich über ein Naturschutz- und Forschungsprojekt zur Totholzanreicherung der TU München zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten informieren: „Mehr Artenvielfalt durch mehr Totholz“

Totholz-Ersatzhabitate

Deswegen ist es unbedingt erforderlich, Ersatzhabitate in Wäldern, Grünanlagen und Gärten – auch in städtischen Quartieren – mit Laub, Gehölzschnitt, Wurzeltellern, Baumstämmen und -Scheiben zu schaffen.

Aus Gehölzschnitt lassen sich z.B. Benjeshecken als Sichtschutz und Gestaltungselement herstellen. Abgesägte Stämme können angelehnt oder eingegraben, natürliches stehendes Totholz nachahmen. Ein besonders dekorativer Blickfang und zugleich wertvoller und vielfältiger Lebensraum ist der mit einheimischen Wildarten bepflanzte Wurzelgarten, oder „stumpery“. Die vielen unterschiedlich exponierten Hohlräume schaffen Lebensräume für Sonnenanbeter wie für Schattenliebhaber.

Einen guten Überblick über natürliche und gebaute Totholzlebensräume in Wald und Garten geben u.a. diese Websites und Bücher


Text und Bilder: Ruth Mahla

Gefördert durch:

Mit Unterstützung von:

Deutsche Postcode Lotterie
Patagonia