Am vergangenen Wochenende lud die KlimaDult 2025 vom Netzwerk Klimaherbst bei strahlendem Wetter im Luitpoldpark zu Austausch, Mitmachen und gemeinschaftlichem Lernen rund um Klima, Stadtgrün, Ernährung und Nachhaltigkeit ein. Das BioDivHubs-Projekt war gemeinsam mit dem Netzwerk Urbane Gärten München, beides Projekte der BürgerStiftung München, mit einem Stand vertreten.
Zwei Hochbeete, zwei Standorte und viele heimische Pflanzen
Im Fokus standen zwei praktische Workshops zur Bepflanzung von Mini-Hochbeeten, die nicht nur für grüne Inspiration sorgten, sondern auch ganz konkret zeigten, wie man Biodiversität auf kleinem Raum, wie Hochbeete oder Tröge, fördern kann. Entstanden sind zwei Mini-Hochbeete, die jeweils passend bepflanzt wurden:
Sonniger Standort: Dieses Hochbeet wurde mit typischen „Trocken- und Hungerkünstlern“ bepflanzt, ein Mix aus mediterranen Kräutern wie Thymian und Rosmarin sowie farbenfrohen, heimischen Wildpflanzen wie der Kartäusernelke und Echtem Labkraut.
Halbschattiger Standort: Hier kamen Pflanzen zum Einsatz, die sich am Waldrand und in lichteren Bereichen oder an Gebäudekanten wohlfühlen: verschiedene Glockenblumen und Storchschnabel zaubern ein naturnahes Blütenbild mit hoher ökologischer Qualität.
Die Pflanzen: Sie stammten aus einem früheren BioDivHubs-Workshop zur Vermehrung von Wildpflanzen und von einer Saatgutmischung der TU München.
Außer dem Rosmarin sind alle verwendeten Arten heimisch und wurden im Laufe des Projekts gezielt aufgezogen, um für Workshops und Pflanzaktionen des BioDivHubs-Projekts zur Verfügung zu stehen.
Substrat: Für die untere Schicht wurde ein durchlässiges, sandig-kiesiges Substrat verwendet, das aus der Baugrube stammt, auf der sich derzeit der Zwischennutzungs-Gemeinschaftsgarten und Biergarten „Kosmos unter Null“ befindet. Für die obere Schicht kam eine torffreie Trogerde zum Einsatz.
Die Hochbeete als Lern- und Erlebnisorte
Die beiden Mini-Hochbeete aus Stahl waren eine Leihgabe des Gemeinschaftsgartens „Kosmos unter Null“ und wurden vom Betreiber Florian Schönhofer und seinem Team gebracht. Sie boten den Teilnehmenden nicht nur eine ansprechende Kulisse für die Pflanzaktionen, sondern bleiben auch nach der Veranstaltung als Demonstrationsbeete erhalten. Sie können ab jetzt bei „Kosmos unter Null“ besichtigt werden und sind ein wunderbares Beispiel für sichtbare, praxisnahe Biodiversitätsbildung im öffentlichen Raum.
Viele Interessierte und viel Austausch am Stand
Neben den Workshops gab es auch zahlreiche spannende Gespräche mit Besucher*innen an unserem Stand. Viele wollten mehr wissen über urbane Biodiversität, naturnahes Gärtnern oder die Möglichkeiten, sich selbst für das BioDivHubs-Projekt oder mehr Grün in der Stadt zu engagieren. Die KlimaDult war für uns eine tolle Gelegenheit, mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ins Gespräch zu kommen, vom Stadtteilbewohner über die Hobbygärtnerin bis hin zu Fachleuten aus Bildung, Verwaltung oder Landschaftsplanung. Beim Besuch der Stadträt*innen konnten wir von den spezifischen Herausforderungen beider Projekte berichten und unsere Wünsche äußern.
Ein besonderes Highlight war die große Beteiligung von Kindern: Mit Begeisterung halfen sie beim Pflanzen und machten mit bei der Schnitzeljagd der KlimaDult. Unser Stand hatte zwei spannende Fragen vorbereitet rund um die Gemeinschaftsgärten in München und die Glockenblumen, die in einem Hochbeet gepflanzt wurden. Das Interesse und die Offenheit der jungen Teilnehmenden haben einmal mehr gezeigt, dass Kinder wichtige Multiplikator*innen für eine nachhaltige Stadt von morgen sind.
Die KlimaDult 2025 war ein voller Erfolg. Die Pflanzaktionen haben gezeigt, dass es gar nicht viel braucht, um Orte der Vielfalt entstehen zu lassen. Wichtig sind Engagement, Wissen und die Freude am gemeinsamen Tun. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die mitgeholfen, gepflanzt, gefragt, zugehört und auch gelacht haben!
Das erste Treffen für die Planung des Dreieck-Beets am Ackermannbogen fand am 20. Mai 2025 vor der etwas verwilderten Fläche beim Speisecafé Rigoletto (Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9) statt. Konrad Bucher vom BioDivHubs-Projekt erzählte uns vom Planungsprozess, den die Verbundpartner Münchner Umweltzentrum (MUZ) und TU München zusammen mit den Expert*innen vom Bund Naturschutz (BN) jetzt schon für die zweite größere Beetanlage durchgeführt haben:
In einem ersten Schritt werden an diesen halbschattigen Standort angepasste Pflanzpläne erstellt. Viele der ausgewählten Pflanzen stammen aus dem „Lebensbereich Gehölzrand“, wo sonnenbeschienene und von den Baumkronen beschattete Bereiche ein sehr abwechslungsreiches Habitat bieten. Wir haben also eine reiche Auswahl an gebietseigenen Pflanzen zur Verfügung, die nun geschickt angeordnet werden müssen.
Zuerst werden die Leitstauden festgelegt, die der Fläche Struktur und Höhe geben sollen. Eine Gliederung der dreieckigen Fläche in drei ebenfalls dreieckige Inseln bietet sich als Gestaltungsschema an. Sind die wüchsigen und dominanten Leitstauden – Waldgeißbart, Silberblatt und Klebriger Salbei als Gerüstbildner im Raum gut verteilt, werden mit den Begleitstauden niedrigere farbige Akzente gesetzt. Eine Vielzahl von kleineren Wildpflanzen, die wir schon beim Balkonprojekt kennen – und lieben gelernt haben, kommen hier in Frage: die Ästige Graslilie, Immenblatt und Akelei, Johanniskraut und Nesselblättrige Glockenblume, Brauner Storchschnabel und Weiße Haimsimse – um nur einige zu nennen. Zuletzt werden in die entstandenen Lücken und ungenutzten Bereiche noch passende Streupflanzen eingeplant. Hier kommen die Frühlings-Geophyten in Frage, aber auch Lungenkraut und Waldmeister.
Die Jungpflanzen bekommt das BioDivHubs-Projekt von spezialisierten Wildstaudengärtnereien und zu einem großen Teil aus der Gärtnerei im Pasinger Magdalenenpark, in der Ehrenamtliche des Bund Naturschutz (BN) autochthone Pflanzen heranziehen (siehe Konzeptbeschreibung). Einige Arten ziehen wir seit diesem Jahr auch selbst heran.
Eine wichtige Information gibt uns Konrad Bucher zuletzt noch: Anders als bei der Neuanlage eines Wildpflanzenbeets auf einer Rasen- oder Wiesenfläche, darf man unter Bäumen nicht fräsen oder tiefreichend umgraben. Die Gefahr, das wertvolle Wurzelnetz der gestressten Stadtbäume zu beschädigen ist zu groß. Deswegen werden wir in mehreren Schritten die Fläche vorbereiten und erst im Herbst pflanzen. Dies hat auch den Vorteil, dass die zarten Jungpflanzen beim Anwurzeln keinem Hitze- und Dürrestress ausgesetzt werden.
Händische Flächenvorbereitung ist natürlich aufwändig – man muss in einem ersten Schritt die Gräser, die sich auf der Fläche ausgebreitet haben mit den Wurzeln rausnehmen und auf der Fläche als Bodenschutz belassen – dann wird Gründüngung angesät, um den Boden vorzubereiten – und zuletzt muss noch humoses Substrat aufgetragen werden. Da die drei Bäume aber ein mächtiges Wurzelwerk ausgebildet haben, wurzelt das Gras hier nicht allzu tief und verzweigt, so dass man es leicht rausnehmen kann. Die langsame händische Vorbereitung hat aber noch einen anderen großen Vorteil – man kann mit den schon auf der Fläche heimisch gewordenen Arten behutsam umgehen, sie dort belassen oder auch vorsichtig ausgraben, um ihnen ein weiteres Leben an einem anderen Standort zu garantieren. Und auch das Bodenleben wird geschont, wenn man auf das Fräsen verzichtet.
Glücklicherweise sind wieder viele Nachbar*innen begeistert beim Projekt dabei und übernehmen gerne diese Aufgaben.
Am heutigen 22. Mai, dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt, möchten wir einen Blick auf die bisherigen Fortschritte unseres Projekts „BioDivHubs – Biodiversität ins Quartier“ werfen. Seit dem Start im Juni 2023, gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Programms biologische Vielfalt, setzen wir uns in den vier Modellquartieren Ackermannbogen, Bogenhausen, Isarvorstadt und Giesing mit vielfältigen Maßnahmen für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt in der Stadt ein.
In den vergangenen zwei Jahren wurden in den vier Modellquartieren insgesamt knapp 90 Veranstaltungen durchgeführt, von Workshops über Mitmachaktionen bis hin zu Führungen und Informationsveranstaltungen mit über 1.200 Teilnahmen. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von Maßnahmen wie „Naturschutz auf dem Balkon“ und dem Bau von Benjeshecken bis hin zur Umsetzung von Trittstein-Biotopen in der urbanen Landschaft. Ein mobiler Demonstrationsgarten wurde auch im Werksviertel-Mitte installiert.
Ein besonderer Schwerpunkt lag 2025 auf den insgesamt 15 sogenannten Studiengärten, in denen bereits erste praktische Maßnahmen umgesetzt wurden. So wurde beispielsweise im Garten der Vielfalt an der IG Feuerwache ein Sandarium angelegt, und auch im Gemeinschaftsgarten O’pflanzt is… fanden verschiedene Aktionen zur Förderung der Biodiversität statt. Ein umfassender Maßnahmenkatalog wird demnächst veröffentlicht (auch auf unserer Website!).
Weitere Meilensteine: unsere eigene Saatgutmischung, aber auch unsere heimischen Wildpflanzen, die im Rahmen eines Workshops und einer „Pikier-Aktion“ mit engagierten freiwilligen Helfer*innen im Gemeinschaftsgarten „Mingas Permadies“ in über 1.000 Töpfen herangezogen werden. Diese Jungpflanzen sollen künftig in Gemeinschaftsgärten, auf Flächen von Grünpat*innen und an weiteren geeigneten Orten gepflanzt werden. Mit dabei sind unter anderem Glockenblumenarten, Nelkenarten, Färberkamille, Blutweiderich, Ochsenauge, Labkraut, Taubenskabiose…
Beobachtung und Ausblick Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass biologische Vielfalt im Einklang mit menschlicher Nutzung Raum finden kann und muss. Es braucht Zeit, Geduld und kontinuierliches Engagement, um Lebensräume wiederherzustellen und zu erhalten. Die Datenerhebung zur Wirkung der Maßnahmen läuft derzeit. Belastbare Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung werden noch erarbeitet. Auch digitale Werkzeuge wie die App ObsIdentify unterstützen unsere Teilnehmer*innen dabei, Arten zu erkennen und ihre Beobachtungen zu teilen: ein weiterer Baustein für die Sensibilisierung und Beteiligung der Stadtgesellschaft.
Das Projekt „BioDivHubs“ läuft noch bis Ende Mai 2028 und wir freuen uns auf die kommenden Jahre voller Begegnung, Gestaltung und Wachstum für mehr Artenvielfalt in der Stadtnatur!
Titelbild: Alicia Bilang; Mosaik 1: Anna Gries, David Schoo, Konrad Bucher; Mosaik 2: David Schoo; Mosaik 3: David Schoo, Green City, Pixabay
Am Sonntag, den 11. Mai, legten 20 engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein neues Schaubeet mit heimischen Wildpflanzen am Ökologischen Bildungszentrum (ÖBZ) an. Im Mittelpunkt der Mitmachaktion stand die Vielfalt heimischer, mehrjähriger Wildpflanzen, und zwar Arten, die mit Trockenheit gut zurechtkommen und wertvolle Lebensräume für Insekten bieten.
Der Grundstein für das Projekt wurde bereits im Herbst gelegt: Beim BioDivHub-Treffen am 19. September 2024 am ÖBZ wurde gemeinsam eine Blühfläche mit heimischen Arten geplant, als Anregung zur Nachahmung im eigenen Garten. Ausgangspunkt war zunächst das Konzept des „Conservation Gardening“, das jedoch kontrovers diskutiert wurde, da es bei unsachgemäßer Umsetzung zur genetischen Verfälschung der heimischen Flora führen kann. Im weiteren Planungsverlauf rückten daher anstelle der geschützten Arten solche Arten in den Mittelpunkt, die zwar seltener werden, aber in der Region tatsächlich vorkommen. Auch gängige Wildarten wie der gemeine Dost fanden Einzug in das Beet. Sie sind keine Raritäten, aber sehr wertvoll für Insekten. Ein besonderes Augenmerk lag auf der standortgerechten Auswahl der Pflanzen: Sie müssen sich alle wohl fühlen in der vollen Sonne und auf nährstoffarmen, kalkreichen Boden. Das ist der Kerngedanke des Rewilding: Natürliche Gegebenheiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen und dadurch möglichst langfristig stabile Lebensräume und funktionierende Ökosysteme zu fördern. Im kleinen Maßstab geht das auch in der Stadt.
Bevor es an die praktische Umsetzung ging, wurden die Pflanzpläne des Schaubeets von Expert*innen geprüft und finalisiert. Die verwendeten Pflanzen stammen aus spezialisierten Wildstaudengärtnereien und zu einem großen Teil aus der Gärtnerei im Pasinger Magdalenenpark, in der Ehrenamtliche des Bund Naturschutz (BN) autochthone Pflanzen heranziehen (siehe Konzeptbeschreibung). Insgesamt wurden 22 verschiedene Arten ausgewählt, die in drei Kategorien eingeteilt wurden:
Leitstauden: Sie geben der Fläche Struktur und Höhe. Für diese Gruppe wurden die Taubenskabiose, das kleine Mädesüß, die echte Goldrute, die Skabiosen-Flockenblume und das weidenblättrige Ochsenauge ausgewählt.
Begleitstauden: Sie setzen farbige Akzente im Mittelbereich der Pflanzung; dazu gehören das echte Labkraut, die ästige Graslilie, die Kartäuser-Nelke, der aufrechte Ziest, der Heilziest, der Wiesensalbei und die Knäuel-Glockenblume.
Füllstauden: Sie schließen die Lücken. Da wurden Pflanzen wie die große Braunelle, der Wirbeldost, die kleine Bibernelle, das Zittergras, der Hornklee, die echte Schlüsselblume, die Zypressen-Wolfsmilch, der Oregano und das weiße Fingerkraut ausgesucht.
Die Pflanzen wurden in eine Schicht aus durchlässigem, sandigem Boden gesetzt. Zunächst wurde ein Pflanzloch gegraben, bis der lehmige Untergrund erreicht war. Dann füllte man etwas Erde hinein und wässerte gründlich. Um das Aufkommen von Beikraut zu unterdrücken, wurde die obere Erdschicht der Jungpflanzen abgestreift. Anschließend wurden die Jungpflanzen eingesetzt und ihr Wurzelballen mit Sand abgedeckt.
Nun dient das neue Schaubeet als anschauliches Beispiel für eine naturnahe und insektenfreundliche Gartengestaltung. Mit etwas Geduld wird sich hier bald eine lebendige, artenreiche Blühfläche entfalten. Eine inspirierende Einladung an alle, die ihren Garten in ein kleines Stück Wildnis verwandeln möchten.
Bei dem Begriff „Rewilding“ denkt man als erstes an die Wiederansiedelung großer Wildtiere wie Wölfe und Bisons. Zur Fülle der wildlebenden Tiere gehören aber auch unscheinbare Arten wie Insekten. Insekten sind die größte Tiergruppe der Welt, sie sind unersetzlich für das Funktionieren von Ökosystemen. Aber ihre Bestände gehen massiv zurück. Um auf das stille Sterben der Insekten aufmerksam zu machen, nutzen wir für unsere Pflanzaktionen den lauten Begriff „Rewilding“ – schließlich geht es beim Rewilding-Konzept genau darum: „mit Hilfe natürlicher Prozesse die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu verbessern.“ Wir werden unsere Pflanzflächen in der Stadt allerdings nicht sich selbst überlassen, sondern wollen die „Wildnis“ gestalten – also Wildpflanzen ansiedeln, die hier von Natur aus vorkommen würden und den Insekten Nahrung und Lebensraum bieten. Studien belegen, dass Insekten auch in der Stadt leben können. Weil sie hier nicht mit Insektengiften bekämpft werden, geht es ihnen in Städten teilweise besser als auf dem Land. Es ist also sinnvoll, auch kleinräumig Insekten zu fördern, indem man die Wildpflanzen ansiedelt, auf die sie spezialisiert sind. Dieses eine Beet bleibt nicht die einzige Blühfläche. Im Rahmen des Projekts „BioDibHubs“ legen wir an unterschiedlichen Stellen im Viertel – und nicht nur in diesem Viertel, sondern in 3 weiteren Stadtteilen im München – weitere solcher „Lebensinseln“ als Trittsteinbiotope an. Die Quartiere mit einer standortgerechten Pflanzenwahl vielfältig und lebendig zu gestalten, bringt auch uns menschlichen Stadtbewohern:innen mehr Aufenthaltsqualität. Außerdem macht ein gemeinsamer Planungs- und Umsetzungsprozess Freude.
Die nächste Umsetzung einer vergleichbaren Blühfläche im Rahmen des BioDibHubs findet am 11. Mai 2025 am Ökologischen Bildungszentrum statt. Mehr dazu.
Das erste Treffen für die Planung des Beets am Ackermannbogen findet am 20. Mai, 2025 um 19h statt, Treffpunkt am Rigoletto, Rosa-Aschenbrenner-Bogen 9. Zur Anmeldung.
Wir alle wollen etwas für die Biodiversität in unseren Gärten und Quartieren tun, Beete und Balkone mit einheimischen Wildstauden bepflanzen – über 60 Balkongärtner*innen üben sich am Ackermannbogen schon seit einem Jahr in der Pflege der „schönen Wilden“.
Und ist man erst in eine Pflanze verliebt, und hat man beobachtet, wieviele Insekten sie anzieht, will man sich unbedingt mit ihr umgeben – auf dem Balkon, im Gemeinschaftsgarten, überall im Viertel… Nur – oft gibt es die Pflanze gar nicht mehr zu kaufen oder nicht genau diese eine Varietät, die man am liebsten mag und wenn doch, dann oft nicht in Bioqualität…
Bilder Balkonpflanzen mit Insekten
Der gegenwärtige Wildpflanzen-Boom übersteigt oft die Kapazitäten der wenigen spezialisierten Gärtnereien. Außerdem hat das Vermehren von Pflanzen, die sich an ganz besondere Standorte, wie z.B. einem Balkon angepasst haben viele Vorteile: Wir erhalten eine gewisse Auslese, die zum Beispiel mit engen Töpfen, Trockenheit und Hitzestress gut zurecht kommen.
Deswegen haben die Verbundpartner vom BioDivHubs-Projekt – Konrad Bucher vom MUZ und Stadtackerkoordinator – Monika Egerer, Inhaberin des Lehrstuhls Produktive Urbane Ökosysteme an der TUM und ihr Mitarbeiter David Schoo – beschlossen, in die Samengärtnerei einzusteigen, um das benötigte Saatgut und die gewünschten Jungpflanzen selbst zu produzieren. In einem Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens Mingas Permadis von David Schoo dürfen die Pflänzchen heranwachsen, bis sie auf den Projektflächen benötigt werden. Damit möglichst viele Gärtner*innen lernen, wie man die wertvollen Wildpflanzen selbst vermehrt, fand am Ackermannbogen ein Workshop statt, zu dem Barbara Prosiegel vom „Stauden Spatz“ als Expertin eingeladen war. Seit 2016 ist die auf heimische Wildstauden spezialisierte Biogärtnerei ein zertifizierter Fachbetrieb für naturnahes Grün und der Wildstaudenproduktion.
An 3 verschiedenen Stationen konnten wir das Aussäen, Pikieren und Teilen üben, und bekamen viele, wertvolle Tipps, damit die Vermehrung und Pflege der schönen Wilden auch gut gelingt.
Station 1: Ansaat
Gleich zu Anfang wurde mir an dieser Station klar, wie viel ich immer falsch gemacht habe: Bevor wir die magere Anzuchterde in die Schalen geben, werden diese gut gesäubert und desinfiziert – die Erde wird sehr eben und gleichmäßig verteilt und dann mit einem extra Brettchen fest angedrückt. Die Etiketten mit den Infos zum Saatgut werden sorgfältig angebracht – erst dann kann – nicht zu dicht – gesät werden. Die Saat wird dann mit etwas Erde und entweder feinen Blähton oder Lavagranulat abgestreut, nochmal angedrückt und angegossen. Auf diese Weise ist für alle Samen ein guter Bodenschluss garantiert.
Station 2: Pikieren
Das Pikieren ist ein Geduldsspiel, die langen Würzelchen darf man einkürzen, damit sie in die Töpfe passen.
Station 3: Stauden Teilen
Viele Wildstauden dürfen mehrfach geteilt werden: Dabei kann man die Wurzeln stark einkürzen.
Saatgut lagern
Saatgut soll man kühl und trocken lagern, am besten zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Beim Säubern und Öffnen von Schoten auch auf Tierchen achten und diese rauskrabbeln lassen. Die beste Verpackung sind Papiertütchen – das Milieu muss wirklich ganz trocken sein. Plastik eignet sich gar nicht.
Ganz wichtig: Saatguttütchen sehr gut beschriften! Nein – man merkt sich meistens doch nicht welcher Same zu welcher Pflanze an welchen Standort gehört. Auch das Sammeljahr nicht vergessen – Saatgut verliert mit den Jahren an Keimfähigkeit.
Saatgut sammeln
Idealer Zeitpunkt zum Ernten und Sammeln von Samen ist ein trockener sonniger Vormittag, nicht zu früh, so dass kein Tau mehr die Pflanzen benetzt.
Um sicherzugehen, dass man das ideale Reifestadium erwischt, kann man dieselbe Pflanze zu verschiedenen Zeitpunkten beernten. Man sollte immer nur soviel nehmen, wie man wirklich braucht und unreifen Samen die Möglichkeit zum Nachreifen lassen.
Samen mit Fruchtfleisch sollte man vorsichtig freilegen und die Reste entfernen.
Sehr dickes Saatgut keimt besser, wenn man etwas anschmiergelt.
Da beim Projekt viel Wert auf autochthones Saatgut gelegt wird, ist neben dem Sortennamen und dem Sammelzeitpunkt auch der genaue Standortvermerk wichtig.
Unbedingt muss man die Regeln fürs Wildsammeln beachten: In Deutschland sind grundsätzlich alle wild lebenden Pflanzen geschützt. Im Bundesnaturschutzgesetz steht dazu: Wildpflanzen dürfen nicht ohne vernünftigen Grund ihrem Standort entnommen werden. Weiterhin steht dort aber auch: „Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“
Durch eine Abfrage in der WISIA-Artenschutzdatenbank des Bundesamts für Naturschutz (BfN) kann man die besonders und streng geschützte Arten, die nicht gesammelt werden dürfen, herausfinden.
Frühlingsblüher für die Biodiversität – unter diesem Motto pflanzten Schülerinnen und Schülern aus den 4. Klassen der inklusiven Montessorischule Großhadern heimische Primula-Arten am Ökologischen Bildungszentrum München und lernten dabei, welche Standorte für diese Pflanzen geeignet sind und welchen Beitrag sie für die biologische Vielfalt leisten.
Im Vorfeld wurde bei der Staudengärtnerei Spatz jeweils 60 Exemplare von zwei Primelarten bestellt, der Echten Schlüsselblume (Primula veris) und der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior). Beide Arten haben unterschiedliche Ansprüche. Im Unterschied zur blassgelben Hohen Schlüsselblume, die schattige Standorte mag, bevorzugt die Echte Schlüsselblume mit den kräftig-gelben Blüten eher sonnige Stellen in Halbtrockenrasen und Wiesen. So wurden auf dem ÖBZ-Gelände zunächst passende Standorte ausgewählt, auf den hausnahen Wiesen und deren schattigen Randbereichen. So fanden sich im Schatten der Haselnuss-Gehölze, sowie auf dem Wiesenstück entlang einer eher sonnen beschienenen Hangkante geeignete Plätze.
Bei der Pflanzaktion am 19. und 26. März 2025 waren insgesamt sechzig Kinder unter Anleitung von Elisabeth Öschay und Renate Luz vom ÖBZ eifrig dabei. Teamarbeit war angesagt. Während die einen die Pflanzen und das Substrat vorbereiteten, haben andere mit dem Spaten die Pflanzlöcher ausgehoben. Alleine das Graben war für die Kinder schon ein tolles Erlebnis, wenn sie Regenwürmer entdeckten oder sie auf eine Wurzel, die sich unter dem Gras ausgebreitet hatte, stießen. Am Ende waren alle stolz, was sie gemeinsam geschafft haben: Eine hübsche Primelwiese, von der sie wissen, dass sie nicht nur attraktiv aussieht, sondern auch ein Beitrag für mehr biologische Vielfalt am ÖBZ ist. Denn – und auch das hat die Kinder beeindruckt – die beiden heimischen Primelarten bieten Nahrung für mehreren Wildbienenarten, für Schwebfliegen und für mehr als 20 Raupenarten.
Am 19. Oktober 2024 haben wir im Ökologischen Bildungszentrum München gemeinsam mit Kindern und Familien eine Pflanzaktion für sieben Frühlingsgeophyten im Rahmen des BioDivHubs-Projekts durchgeführt. Die gepflanzten Arten umfassen den Frühlings-Krokus, Schneeglöckchen, Winterlinge, Scilla, Märzenbecher, gefingerter Lerchensporn und Buschwindröschen.
Die ersten Anzeichen einer bunten Blütenpracht sind bereits sichtbar und bieten den Insekten die erste Nahrungsquelle des Jahres. Ein wenig Geduld ist jedoch gefragt, denn manchmal dauert es, bis die Pflanzen zur Blüte kommen. So warten beispielsweise die neu gepflanzten Märzenbecher noch auf ihre Blüten, während ihre Blätter bereits sprießen. Der gefingerte Lerchensporn und das Buschwindröschen brauchen auch ein bisschen Zeit.
Für die Evaluierung des BioDivHubs-Projekts wird die Entwicklung der Biodiversität in den Modellquartieren erfasst. Hierfür kommt unter anderem die Bestimmungsapp ObsIdentify zum Einsatz.
Letztes Jahr wurde bereits ein Projekt für die vier Modellquartiere bei Observation.org angelegt. Die Karte, Diagramme und die Artenliste bieten einen hervorragenden Überblick über bestehende Biodiversitätshotspots, wie entlang der Isar oder in den Parks. Ziel ist es, durch dieses Projekt neue Hotspots zu schaffen und sichtbar zu machen, insbesondere in den Trittsteinbiotopen und rund um die Biodiversitätsmaßnahmen, die im Rahmen des BioDivHubs-Projekts entstehen.
Die App ist benutzerfreundlich und selbsterklärend, und es gibt hilfreiche Anleitungen für alle, die tiefer einsteigen möchten. Einfach downloaden und ausprobieren. Je mehr Menschen die App verwenden, desto umfangreicher und wertvoller werden die gesammelten Daten!
Am 27. März 2025 wird im ÖBZ ein Workshop angeboten, um die App sowie das BioDivHubs-Projekt vorzustellen. Dabei werden der Zweck und die Nutzung der gemeinschaftlichen Kartierung erläutert und demonstriert, wie sie funktioniert.